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26.05.2020

Biogas in Griechenland

Biogas in Griechenland

Tristan Gruszkos

IBBK - Das Biogas Netzwerk

Themen

Politik Gesellschaft Steuern Energie

Foto: Athener Zentralkläranlage auf der Insel Psyttalia, Gina Stefanakou, Athens Water Supply and Sewerage Company (EYDAP S.A.)

FnBB e.V. wirkte auf Fachkonferenz in Zentralmakedonien mit

Mitte Oktober 2018 fand in Thessaloniki die Veranstaltung „Energieeffizienz und biogene Rest- und Abfallstoffe in der griechischen Lebensmittelindustrie“ statt, organisiert von der Deutsch-Griechischen Industrie-und Handelskammer.

FnBB-Vorstandsmitglied Achim Kaiser nutzte mit seinem Vortrag „Biogaserzeugung aus Bioabfällen, Speiseresten und sonstigen Produktionsrückständen“ die Gelegenheit, zum guten Gelingen der Fachveranstaltung beizutragen.

Die Konferenz fand im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützten Programms „Exportinitiative Energie“ statt, das sich an Anbieter von klimafreundlichen Energielösungen richtet. Ziel ist es, deutsche Technik und Know-how weltweit zu positionieren und den Export deutscher Unternehmen in ausgewählte Zielregionen zu forcieren.

Erreicht werden soll das durch die geförderte Teilnahme an mehrtägigen Geschäftsreisen, in die immer eine Fachkonferenz integriert ist. Sie werden durch die jeweilige deutsche Auslandshandelskammer (AHK) organisiert. Die Fachkonferenz in Thessaloniki zog 80 Teilnehmer an. Diese kamen vorrangig aus Betrieben der Lebensmittelindustrie, des Energieconsultings und -managements sowie der Ver- und Entsorgung.

Sie zeigten sich äußerst zufrieden mit den bei der Veranstaltung vermittelten Inhalten und brachten dies auch mit positiven Rückmeldungen zum Ausdruck, die im Nachgang bei der AHK Nordgriechenland eingingen. So ist die Geschäftsstelle in Thessaloniki zuversichtlich, dass auf dieser Basis deutsch-griechische Kooperationen entstehen werden.

Die folgenden Abschnitte sollen einen Überblick über den nationalen Energiemarkt und die aktuelle Situation der energetischen Nutzung von Biomasse in Griechenland geben. Der Fokus liegt dabei auf Biogas.

Der griechische Energiemarkt

Die Wirtschaftskrise, die im Jahr 2009 begann, führte in Griechenland dazu, dass sich die heimische Wirtschaft wieder auf ihre Kernkompetenzen Agrar- und Tourismuswirtschaft fokussiert. Trotz anhaltender Wirtschaftskrise sind die Lebensmittelexporte in den vergangenen Jahren gestiegen und der Tourismus in Griechenland boomt – bereits im sechsten Jahr in Folge.

Die daraus resultierenden hohen Besucherzahlen lassen erahnen, dass auch die Abfallwirtschaft jährlich zu den Saisonmonaten an ihre Grenzen stößt. Vor diesem Hintergrund befindet sich auch zurzeit die energiepolitische Strategie Griechenlands im Wandel, bei der eine Neuausrichtung hin zur effektiveren Nutzung erneuerbarer Energien erkennbar ist.

Der größte Teil des Stroms – zwei Drittel – wird derzeit durch die Verbrennung von Kohle in Kraftwerken erzeugt. Am gesamten Primärenergieverbrauch stellt in Griechenland das Verfeuern fossiler Energieträger (hauptsächlich Erdöl) mit einem Anteil von über 80 Prozent die Nummer Eins dar. Den zweiten Platz belegen mit etwa 15 Prozent die erneuerbaren Energiequellen. Griechenland ist trotz zunehmender Nutzung von regenerativen Energien noch immer in erheblichem Umfang auf Energieimporte angewiesen.

Energetische Nutzung von Biomasse Ende

2017 waren in der Hellenischen Republik sieben Biomasse-Verbrennungsanlagen mit einer installierten Leistung von 2,1 Megawatt in Betrieb. Dort werden Rückstände aus der Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Baumwollverarbeitung, Holzverarbeitung, dem Reisanbau sowie Oliventrester und Obstkerne thermisch verwertet.

Die Bioenergiebranche stellt in Griechenland im Vergleich zu den weiteren Sektoren der erneuerbaren Energien die Branche mit dem größten Wachstumspotential dar. Obwohl die griechische Wirtschaftskrise die Entwicklung des Marktes verlangsamt hat, kann das natürliche Potenzial des griechischen Bioenergiemarktes als hoch bezeichnet werden. Das ist besonders für deutsche Anlagenbauer und Komponentenhersteller interessant.

Biogasnutzung in Griechenland

Trotz eines enormen Rohstoffpotenzials befindet sich der griechische Biogasmarkt noch im Anfangsstadium seiner Entwicklung. Dieser Umstand ist auch der griechischen Wirtschaftskrise geschuldet. Sie hat in den vergangenen Jahren zu einem allgemeinen Finanzierungsengpass geführt, worunter auch Investitionen in erneuerbare Energien litten.

Ende 2017 waren in Griechenland 37 Biogasanlagen in Betrieb. 30 davon sind Deponie- oder Klärgasanlagen. Auch das größte Biogasprojekt des Landes, das bereits im Jahr 2004 in Betrieb ging, ist einer Abwasserbehandlungsanlage angeschlossen.

Sie befindet sich auf der Insel Psyttalia in der Bucht vor Athen und der Hafenstadt Piräus. Die Abwässer aus dem Großraum Athen werden über eine 1,5 Kilometer lange Pipeline vom Festland zur Kläranlage auf der Felsinsel gepumpt.

Die technischen Daten muten gigantisch an: Die biologische Klärstufe umfasst unter anderem zwölf Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von nahezu 300.000 Kubikmetern und einer Durchflussrate von 1.000.000 Kubikmetern pro Tag.

Das bei der anaeroben Behandlung des Klärschlamms entstandene Biogas wird in vier Gasmotoren zu Strom und Wärme umgewandelt. Die installierte elektrische Leistung beträgt 5,04 Megawatt.

Lediglich sieben der griechischen Biogasanlagen werden mit tierischen Exkrementen, Schlachtabfällen sowie vergärbaren Abfällen aus der Agrar- und der Lebensmittelindustrie betrieben. Vier von ihnen befinden sich in Nordgriechenland. Jeweils eine ist an der Westküste, in der Nähe von Athen sowie auf der Insel Kreta, der größten aller 3.000 griechischen Inseln, zu finden.

Die installierte elektrische Gesamtleistung aller 37 Biogasanlagen beträgt 59,1 Megawatt.

Vergütungssystem für Strom aus Biogas

Erzeugung und anschließende Einspeisung von Biogasstrom in das öffentliche Netz ist von der Politik – die alleinige Zuständigkeit für erneuerbare Energien liegt beim Umwelt-und Energieministerium – aus mehreren Gründen gewollt:

Aufbau eines zukunftsfähigen Wirtschaftszweigs, Beitrag zur Lösung des vorhandenen Entsorgungsproblems, Nutzbarmachung des vorhandenen Rohstoffpotenzials und Beitrag zum Klimaschutz.

Die für 20 Jahre staatlich fixierten Einspeisetarife sind im Gesetz 4414/2016 verankert. Sie unterscheiden sich nach installierter Leistung des Kraftwerks und nach der Art des Substrats.

Im Bereich Biogas ist diese Untergliederung folgendermaßen:

  • Vergärbare Abfälle sowie organischer Klärschlamm aus der Abwasserbehandlung:

    Für Kraftwerke mit einer installierten elektrischen Leistung von unter zwei Megawatt beträgt die Vergütung 12,29 Cent je Kilowattstunde, für Kraftwerke über zwei Megawatt sind es 10,60 Cent je Kilowattstunde.

  • Organische Rückstände und Abfälle aus der Viehhaltung und Landwirtschaft:

    Für Kraftwerke mit einer installierten elektrischen Leistung von unter drei Megawatt beträgt die Vergütung 22,50 Cent je Kilowattstunde, Kraftwerke über drei Megawatt erlösen 20,40 Cent je Kilowattstunde.

Um die Entwicklung des Biogasmarktes zu beschleunigen, wurde eine Höchstgrenze für neuinstallierte Anlagen gesetzt, die die oben dargestellten Einspeisetarife erhalten. Diese Tarife gelten lediglich für eine neu installierte elektrische Anschlussleistung von 50 Megawattpro Jahr.

Nach dem Erreichen dieses Wertes während des Kalenderjahres sollen die Einspeisetarife für Biogasstrom dann bis zum Jahresende durch ein Ausschreibungsverfahren ermittelt werden, wie es in Griechenland bereits für Photovoltaik- und Windenergieanlagen seit dem Jahr 2017 angewendet wird.

Chancen vorhanden, Risiken beachten

Der Biogasmarkt in Griechenland stellt aufgrund der Tatsache, dass er noch weitestgehend unerschlossen ist, eine Chance für deutsche Unternehmen dar. Allerdings bestehen trotz positiver Marktaussichten, starken Wachstumspotenzialensowie guten Wettbewerbsbedingungen Marktrisiken, die zu berücksichtigen sind.

So kann die gesellschaftliche Akzeptanz gerade gegenüber Biogasanlagen ein nicht zu unterschätzendes Hindernis darstellen. Für am Markteintritt interessierte deutsche Unternehmen empfiehlt sich grundsätzlich die Zusammenarbeit mit einem griechischen Partner.

Zentrale Anlaufstelle ist dabei die Deutsch-Griechische Industrie- und Handelskammer (DGIHK). Als offizielle Repräsentanz der deutschen Wirtschaft in Griechenland verfügt sie über weitreichende Expertise in der Einleitung bilateraler Geschäftsbeziehungen.

Achim Kaiser, FnBB e.V. / IBBK