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15.07.2020

Getreidebeizung 2020 im Überblick

Getreidebeizung 2020 im Überblick

Team N.U. Agrar

N.U. Agrar GmbH - Allgemein

Themen

Aussaat

Der in den Nährstoffbeizen enthaltene Stickstoff wird in einigen Bundesländern als wesentlich angesehen und die Beizung untersagt. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Bitte erkundigen Sie sich über die aktuelle Auslegung in Ihrem Bundesland.

 

Wann ist welche Beize erforderlich?

In diesem Jahr wurden wie bereits im Vorjahr (2019) Flugbrandähren, v.a. in der Wintergerste häufiger beobachtet. Die Beize ist eine Absicherung gegen samen- und bodenbürtige Pathogene. Zu den wichtigsten Krankheiten, die nicht durch Pflanzenschutzmaßnahmen im Herbst kontrolliert werden können, zählen Brande, Fusarien und Schneeschimmel. In der Gerste kommen Typhula und die Streifenkrankheiten hinzu. Im Stoppelweizen und bei Frühsaaten sollte zusätzlich zu einer herkömmlichen Beize auch Latitude gegen Schwarzbeinigkeit gebeizt werden.

Achten Sie beim Saatgetreide auf ein homogenes Beizbild und sparen Sie nicht an der falschen Stelle.

 

Neue Beizen

Difend Extra enthält zusätzlich zum Fludioxinil das Difenoconazol, das die Wirkung gegen Zwergsteinbrand absichert. Latitude XL ist auch in Wintergerste gegen Schwarzbeinigkeit zugelassen. Die carboxamidhaltigen Beizen Rubin Plus und Vibrance Trio (Zulassung wird verlängert) decken ein breiteres Erregerspektrum ab, sind aber wie Latitude XL mit einer Reihe bußgeldbewährter Auflagen versehen. Für Rubin Plus ist aktuell die Windauflage entfallen. Diese betreffen insbesondere die Kennzeichnung der Verpackungen und den Umgang mit gebeiztem Saatgut. Bitte informieren Sie sich vor der Aussaat, wenn Sie Saatgut mit den o.g. Beizen aussäen. Der Widerruf der Zulassung des Wirkstoffes Prochloraz in Wintergerste betrifft nicht die Beizen Orius Universal und Rubin TT.   

 

Elektronische Saatgutbehandlung

Neben der chemischen ist auch eine elektronische Saatgutbehandlung (Handelsnamen: e-vita, e-ventus, e-pura) möglich. Die Energie der Elektronen wird so dosiert, dass sie nur geringfügig in das Saatgut eindringen können. Somit werden die auf der Oberfläche und in der Samenschale haftenden Erreger von samenbürtigen Krankheiten (i.d.R. außen anhaftende Fusarien, Schneeschimmel, Septoria nodorum) abgetötet, während der weiter innen liegende Embryo nicht geschädigt wird. Bis dahin eingedrungene Erreger (Flugbrand, Hartbrand, Zwergsteinbrand, Drechslera-Arten, Fusarium culmorum) allerdings auch nicht. Eine vorbeugende Behandlung gegen bodenbürtigen Pathogene ist mit diesem Verfahren nicht möglich.

 

Biologische Beizen

Die biologischen Saatgutbeizen Cedomon und Cerall (Pseudomonas chlororapis) enthalten Bakterienstämme, die sich auf der Saatgutoberfläche vermehren und dadurch Schaderreger verdrängen sollen. Sie sollen auch Substanzen freisetzen, die Schadpilze abtöten.

Cedomon ist in Gerste gegen Fusarium, Netzflecken- und Streifenkrankheit und in Dinkel gegen Steinbrand zugelassen. Cerall ist in Roggen gegen Fusarium-Arten, in Weizen und Triticale auch gegen Septoria nodorum und Steinbrand zugelassen.

Die Wirkung der biologischen Beizen ist stark abhängig von der Bodenfeuchte. Die Wirkungsgrade (nach Literaturangaben unter 30 %) können sich mit der Wirkung chemischer Beizen nicht messen. Die Aufwandmenge beträgt 1 l je 100 kg Saatgut.