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27.07.2020

Corona-Ausbruch in Bayern

Corona-Ausbruch in Bayern

Emilio Matthaei

Corona: COVID - 19

Themen

Allgemein

174 Erntehelfer haben sich auf einem Gemüsehof im niederbayerischen Mamming mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt soll es freiwillige Tests für alle Einwohner geben. Die Opposition sieht eine Mitverantwortung der Regierung.

Nach einem Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof in Mamming mit 174 infizierten Erntehelfern will die bayerische Staatsregierung eine Covid-Teststation in der niederbayerischen Gemeinde aufbauen.

Den 3300 Einwohnern werde die freiwillige Testung in einem mobilen Testzelt angeboten, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Gerade in einer Situation wie dieser sei dies ein sehr wichtiges Angebot an die Bevölkerung.

Neben Tests für die Bevölkerung hatte die Staatsregierung bereits eine "Test-Offensive" angekündigt, in deren Zuge Erntehelfer auf anderen großen Höfen untersucht werden sollen. Schwerpunkte der Tests sind zunächst die Höfe der Umgebung und im Landkreis.

Gestern hatte die Gesundheitsministerin erklärt, bislang seien keine Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Landkreis geplant. Die 50 zu 100.000-Inzidenz werde sich aber vermutlich nicht mehr halten lassen. Falls Reisen geplant seien, sei es daher wichtig, dass sich die Bevölkerung testen ließe, um mit einem negativ bescheinigten Test reisen zu können.

Gesamter Hof unter Quarantäne

Am Wochenende hatte das Landratsamt Dingolfing-Landau bekannt gegeben, dass sich auf einem großen Gemüsehof in Mamming mehr als ein Drittel der dort arbeitenden Erntehelfer mit dem Corona-Erreger angesteckt hatte. Die Saisonarbeiter aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine wurden bei der Gurkenernte eingesetzt. Einer der Infizierten wird im Krankenhaus behandelt, einige weitere weisen nach Ministeriumsangaben Symptome auf.

Da die positiv getesten Erntehelfer wenig Kontakt zur ortsansässigen Bevölkerung hatten, geht das zuständige Landratsamt bisher davon aus, dass sich die Infektionen nicht über den Hof hinaus verbreitet haben. Inzwischen steht der Hof unter Quarantäne: Das Landratsamt hat einen Bauzaun um das Gelände errichtet, ein Sicherheitsdienst überwacht das Ausgehverbot, Lebensmittel werden angeliefert und die Ernte ist ausgesetzt.

Auf dem Hof war das vorgeschriebene Hygienekonzept nach Angaben von Landrat Werner Bumeder (CSU) nicht vollständig umgesetzt worden. Grüne und SPD werfen der Staatsregierung vor, die Kontrolle von Saisonarbeiter-Unterkünften vernachlässigt zu haben. SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn sagte: "Gerade die Hygienebedingungen am Arbeitsplatz und die Wohnverhältnisse müssen aus unserer Sicht scharf kontrolliert werden. Das ist offensichtlich nicht passiert. Dieser Ausbruch kam mit Ansage. Markus Söder und die zuständige Ministerin Huml tragen deshalb eine Mitverantwortung."

Im Morgenmagazin von ARD und ZDF verteidigte Huml das Vorgehen der Regierung. Man habe, sobald am Freitag die ersten Infektionen auf dem Hof festgestellt worden seien, sehr schnell und konsequent gehandelt. Mit Verweis auf die neue Test-Offensive sagte sie, man werde nun "sehr zügig" mehr testen und kontrollieren.

Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/mamming-corona-ausbruch-101.html