Zurück zur Übersicht

28.08.2020

Investitionsvorbereitung: das Beispiel der Milchproduktion

Investitionsvorbereitung: das Beispiel der Milchproduktion

Martin Schneider

IAK Agrar Consulting GmbH

Themen

Allgemein

Die Milchpreiskrise 2015/16 und die witterungsbedingten Ernteausfälle in den Jahren 2018 und 2019 haben den Milchviehbetrieben schwer zugesetzt. Wer nicht vor und verständlicherweise erst recht nicht in der Milchpreiskrise investiert hat, steht jetzt möglicherweise vor der Herausforderung eine größere Modernisierung oder Neubau zu planen. Dabei sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass Produktionsstandorte mit angreifbarem Umweltschutz- und Tierwohlniveau über kurz oder lang ins Visier von Behörden gelangen werden. Die einen breiten Konsens findenden Empfehlungen des Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung geben u.a. eine Richtschnur für die Investitionsplanung. Eins haben die letzten Jahre ebenfalls gezeigt. Die finanzierenden Banken schauen bei Investitionen in die Milchproduktion jetzt noch intensiver auf die Investitionsplanung und deren Ergebnisse, zumal sich die Investitionskosten in den letzten Jahren wesentlich erhöht haben. Neubaukosten je Kuhplatz inkl. Ausrüstung und Melktechnik von 10.000 € und mehr sind leider nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Der guten Vorbereitung der Investition kommt somit eine große und steigende Bedeutung zu.

Vor der Investition steht die Analyse

Als erstes muss eindeutig geklärt werden, was der Betrieb mit der Investition erreichen will. Je genauer die Zielstellung, umso besser lassen sich Angebote einordnen und später der Erfolg der Investition messen.

Bezieht sich das Investitionsvorhaben nur auf Teile der Milchproduktion, so ist das mit den weitergenutzten Produktionsanlagen abzustimmen. Wird beispielsweise nur der Neubau eines Produktionsstalles mit mehr Kuhplätzen als bisher geplant, so ist die Frage zu beantworten, ob der Platz im Repro- und Kälberbereich dann noch ausreicht oder auch hier Investitionen notwendig sind.

Fester Bestandteil der Analyse muss der Blick auf die aktuelle und zukünftige Verfügbarkeit von geeigneten Arbeitskräften sein. Ein Neubau mit ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen, verringerter körperlicher Belastung und attraktivem Sozialtrakt kann, muss aber nicht zwingend, für die die erforderliche Mitarbeiterqualität sorgen.

Optionen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit prüfen

Bei einer Entscheidung für die Investition werden als nächstes die Investitionskosten zu klären sein. Diese muss über eine einfache grobe Kostenschätzung hinausgehen und sollte in fachmännischen Händen liegen. Die billigste Variante muss auf Dauer nicht die wirtschaftlichste sein. Diese Phase der Investitionsvorbereitung kann zudem sehr gut dazu genutzt werden, um Lösungsvarianten zu vergleichen. Wer beispielsweise in die Automatisierung des Melkens investieren will, hat heute ein breites Spektrum an Alternativen zur Umsetzung des Vorhabens. Die Erfahrung zeigt zudem, dass sich die Betriebe bisher i. d. R. zwar intensiv mit den Investitionskosten beschäftigen, sich aber zu wenig mit den Investitionsfolgekosten auseinandersetzen. Bei Melktechnik definieren sich diese über die laufenden Bewirtschaftungskosten, die mit den Anbietern im Vorfeld der Investition zu klären sind. Wieviel Personal wird gebraucht, wie hoch sind Energie und Wasserverbrauch, welche regelmäßigen Serviceleistungen fallen an und was beinhalten diese.

„Fluch und Segen“ der Förderung

Wer größere Investitionen plant wird dafür, wenn möglich, Fördermittel beantragen wollen. Fakt ist: wer mit Fördermitteln bauen will, muss sich den Förderbedingungen stellen. Ob diese immer im vollen Umfang sinnvoll erscheinen, liegt dabei nicht im Ermessen des Antragstellers. Klar ist auch, dass die Fördermittelbeantragung, die Umsetzung der Maßnahme meist verzögert. Aufgrund der hohen Investitionskosten ist eine wirtschaftliche Darstellung der Investition ohne Förderung jedoch kaum mehr möglich. Die Erkenntnis, dass die Förderung ihren Beitrag zur Kostenexplosion leistet, nützt aber auch demjenigen nichts, der auf die Förderung verzichtet.

Aktuell stehen die Betriebe bei Neubauinvestitionen vor der Entscheidung Basisförderung oder Premiumförderung. Einige Bundesländer bieten die Basisförderung bereits nicht mehr an. Aufgrund der höheren Bezuschussung neigen viele Betriebe dazu, die Premiumförderung zu nutzen, auch wenn damit höhere Auflagen und somit höhere Investitionskosten verbunden sind. Vor diesem Hintergrund wird die Alternative Basisförderung häufig gar nicht erst geprüft. Somit ist auch nicht bekannt, welchen zusätzlichen Investitionsaufwand die Premiumförderung verursacht. Und auch hier gilt es die laufenden Bewirtschaftungskosten nicht zu vergessen. Bei einer Nutzungsdauer von 20 – 30 Jahren, können so schnell Summen zusammenkommen, die den höheren Zuschuss bereits nach wenigen Jahren aufzehren.

Es bewährt sich, wenn in den Angebotsvergleich (Investition und Investitionsfolgekosten) der Betriebsberater einbezogen wird. Denn dieser wird es i. d. R. auch sein, der das Investitionsvorhaben gegenüber der Bank bzw. dem Förderinstitut begründet. Die dargestellten Beispiele dürfen nicht verallgemeinert werden. Die langjährige Beratungspraxis der IAK Agrar Consulting GmbH zeigt, dass jeder Betrieb und jedes Investitionsvorhaben für sich betrachtet werden müssen.

FAZIT:

Trotz hoher Investitionskosten ist die Investitionsbereitschaft der Milchviehbetriebe ungebrochen. Um die Wirtschaftlichkeit der Investition zu sichern, ist eine intensive Investitionsvorbereitung erforderlich. Diese beginnt bei einer ehrlichen Analyse der eigenen Milchproduktion und einer klaren Definition der Zielstellung der Investition. Angebote müssen nicht nur hinsichtlich der Investitionsausgaben und der bestehenden Fördermöglichkeiten, sondern auch in Bezug auf die Investitionsfolgekosten geprüft werden. Es kann sich durchaus herausstellen, dass ein zunächst in der Anschaffung teureres Projekt im späteren Betrieb das wirtschaftlichere ist und umgekehrt.

 

Die IAK Agrar Consulting GmbH führt in diesem Jahr wieder eine „Milchmanagerschulung“ durch, worin auch das Thema der Investitionsvorbereitung / Auswirkung von Investitionsentscheidung prominent behandelt wird. Weitere Details unter:

http://www.iakleipzig.de/de/milchmanagerschulung.html