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18.09.2020

Der Boden ist noch zu warm für die Getreideaussaat

Der Boden ist noch zu warm für die Getreideaussaat

Team N.U. Agrar

N.U. Agrar GmbH - Allgemein

Themen

Aussaat

Die Bodentemperaturen, bis Saattiefe erreichen mit Ausnahme des Nordens Schleswig-Holsteins und des nördlichen Vorpommerns tagsüber noch 20 bis 25 °. Die Weizenaussaat in den aktuell noch sehr warmen Boden (um 18 °C) ist mit einigen Risiken verknüpft:

  • Die Wurzeln wachsen im warmen Boden in die Tiefe, wo es kühler ist, und bilden weniger Feinwurzeln aus. Das bedeutet eine geringere Cytokinin-Produktion, die sich nachteilig auf die Trieb- und Ährenausbildung auswirken kann. Trotz früher Saat bildet die Weizenpflanze nicht genug Ähren. Das ist der Fall, wenn der Weizen vor dem Ende des Langtages (zu Beginn der letzten September-Dekade) aufläuft. Das Risiko ist groß, dass der Weizen vorzeitig noch vor Winter schosst. Damit steigt auch das Auswinterungsrisiko.

  • Im warmen, trockenen Boden ist die Gefahr der Infektion der Wurzeln mit Gaeumannomyces graminis (Erreger der Schwarzbeinigkeit) und der Halmbasis mit Rhizoctonia graminis besonders hoch, solange noch Bodentemperaturen über 12 °C herrschen.

  • Mit einsetzenden Niederschlägen ist noch mit intensiver Nitrat-Bildung und in der Folge mit höherem Krankheitsbefall zu rechnen.

  • Vor allem steigt das Risiko der Übertragung von Verzwergungsvirosen.  Benachbartes Ausfallgetreide dient als „Grüne Brücke“. Auch wenn Nützlinge zu einer Dezimierung der Blattläuse beitragen, ist eine Kontrolle der auflaufenden Bestände angebracht, zumal wenn in der Nachbarschaft Mais oder Grünland gehäckselt wird, aus dem Blattläuse aufgescheucht werden.

  • Wo Zwergzikaden auf benachbarten Grasflächen in stärkerem Umfang auftreten, ist ein Insektizid-einsatz (Pyrethroid + Haftmittel in den Abendstunden spritzen) auf den ersten 100 m neben den möglichen Infektionsquellen (Grünland, Rasen, mit Gras durchsetzte Böschungen) ab dem 2-Blattstadium als Vorsichtsmaßnahme angebracht, um die Ausbreitung des Virus durch Zikaden über den Schlag zu unterbinden.

 

Vorfrüchte für den frühgesäten Weizen

  • Aufgrund des Krankheitsrisikos scheidet Weizen als Vorfrucht vor frühem Weizen aus.

  • Sehr gut eignet sich dagegen Hafer vor einer Weizenfrühsaat. Hafer gibt über die Wurzeln Cumarin und Skopoletin ab. Beide Wirkstoffe wirken fungistatisch und hemmen die Ausbreitung des Erregers der Schwarzbeinigkeit. Zudem vermindert das Skopoletin auch die Aufnahme von Stickstoff. Dadurch überwächst sich der Weizen weniger stark.

  • Aus phytosanitären Überlegungen kommt als Vorfrucht in jedem Fall auch Raps in Betracht, allerdings mit hohem Stickstoff-Pool. Deshalb sind auch Leguminosen mit Ausnahme der Sojabohnen weniger für die Weizenfrühsaat geeignet.

  • Weizen kann auch nach früh gehäckseltem Mais sehr früh bestellt werden.

  • Auch nach Sommergerste ist eine frühe Weizenaussaat möglich.

 

Wann kommt eine sehr frühe Weizenaussaat weniger in Betracht? 

  • massiver Queckenbesatz (Belastung mit Gaeumannomyces),

  • starke Ackerfuchsschwanzbelastung,

  • regelmäßiges Auftreten des Weizenverzwergungsvirus (WDV, Zikaden),

  • wintermilde Standorte mit spät (nach dem 20.11.) einsetzender Vegetationsruhe,

  • hohes Kahlfrostrisiko,

  • zu hohe pH-Werte (begünstigen die Ausbreitung der Schwarzbeinigkeit),

·      hoher N-Pool im Boden.