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05.10.2020

4. Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“

4. Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“

Nicole Paul

FNR - Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe

Themen

Angepasste Düngeverordnung erfordert neue Lösungen für das Gärresthandling

Rund 160 Teilnehmer folgten der Einladung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) zur 4. Fachtagung „Pflanzenbauliche Verwertung von Gärrückständen aus Biogasanlagen“ am 15. September 2020, die erstmals virtuell durchgeführt wurde. Unterstützt wurde die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder vom Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin (IASP). Im Fokus der Tagung stand die Frage, wie sich die Branche den steigenden Anforderungen an das Gärresthandling stellen kann. Herausforderungen im Hinblick auf eine nachhaltige Verwertung von Gärrückständen ergeben sich dabei zum einen aus dem Problem der Nährstoffüberschüsse in Veredlungsregionen, zum anderen im Hinblick auf die jüngsten Änderungen der Düngeverordnung (DüV). Dafür präsentierten Experten aus Wissenschaft und Praxis mögliche Konzepte und technische Lösungen.  

In seinem Grußwort verdeutlichte Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der FNR, den steigenden Bedarf an neuen Lösungen für Aufbereitung, Handling und bedarfsgerechte Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärprodukten. „Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nimmt sich bereits seit 15 Jahren intensiv der Forschungsförderung zur Thematik Boden und Nährstoffe an. Aktuell sucht das BMEL im Rahmen des Förderaufrufs „Energetische und emissionsmindernde Nutzung von Wirtschaftsdüngern“ nach Ideen zur Entwicklung praxisorientierter Technologien und Konzepte. Ziel ist es, das große Potenzial der Biogaserzeugung und anderer energetischer Nutzungspfade zur Minderung von Treibhausgas-Emissionen aus Wirtschaftsdüngern noch stärker zu erschließen“, so Schütte. Der Förderaufruf ist Teil der Maßnahmen im Bereich Land- und Forstwirtschaft des Klimaschutzprogramms 2030 zur Verringerung von Emissionen aus der Tierhaltung.

Als Vertreter des BMEL verdeutlichte Stefan Hüsch (Referat 711 Pflanzenbau, Grünland), dass zur Einstellung der laufenden EU-Klage gegen Deutschland wegen zu hoher Nitrateinträge ins Grundwasser allen Punkten des EUGH-Urteils entsprochen werden muss und somit neben der Reduzierung der Nitratgehalte in roten Gebieten auch Regelungen zur Düngung gefrorener Böden, Abstände zu Gewässern und die Streichung des Nährstoffvergleichs bedeutend seien. Die Absenkung des Düngebedarfs in belasteten Gebieten um 20 %, das Verbot der Herbstdüngung von Zwischenfrüchten und der verpflichtende Zwischenfruchtanbau vor Sommerungen spielten hier ebenfalls eine Rolle, so Hüsch. Hüsch ging auch auf den Stand der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift ein. Sie soll der Vereinheitlichung zur Vorgehensweise bei der Ausweisung roter Gebiete dienen. Die unterschiedliche Ausweisung der belasteten Gebiete in Deutschland durch die Länder hatte die Europäische Kommission ebenfalls deutlich kritisiert. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift wurde im Entwurf bereits verabschiedet und soll bis Ende September 2020 verkündet werden, sodass die Länder noch ausreichend Zeit haben, belastete Gebiete neu auszuweisen.

Im Anschluss zeigte Dr. Ulrich Lehrke (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) konkrete Anpassungsmöglichkeiten der Anbausysteme auf. Die Anforderungen in den roten Gebieten können nur durch die Anpassung der Fruchtfolge gemindert werden, so Lehrke. Ertragsverluste seien vor allem auf schwachen Böden zu befürchten. Weitere Anpassungen wie Zweitfruchtanbau, Leguminosen als Haupt- und Zwischenfrucht oder die Intensivierung der Bodenbearbeitung seien nötig.

Nachdem Dr. Christine von Buttlar (IGLU - Ingenieurgesellschaft für Landwirtschaft und Umwelt) auf die Vorzüge des Energiepflanzenanbaus mit Blick auf den Gewässerschutz einging und Holger Beßler von der Humboldt-Universität zu Berlin eine Bewertung der Humus- und Nährstoffwirkung von organischen Reststoffen vornahm, wurden im Rahmen einer sogenannten Speed Pitch Session die neuen Projekte des BMEL aus dem Förderaufruf „Nachhaltige Aufbereitung und Verwertung von Gärrückständen“ vorgestellt. So soll in einem Projekt der Technischen Universität Darmstadt untersucht werden, ob durch die gezielte Zugabe von Lachgas-reduzierenden Bakterien zu den Gärresten Lachgasemissionen während der Lagerung und Ausbringung verringert werden können. In einem anderen Projekt strebt das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und System in Dresden (IKTS) die Veränderung der Stickstoffgehalte in den Wirtschaftsdüngern an, sodass einzelne Teilströme mit unterschiedlichen Stickstofffrachten bedarfsgerecht und entsprechend den Anforderungen der DÜV ausgebracht werden können.

Abschließend wurden Gärrestaufbereitungs- und –ausbringungstechnologien sowie Best-Practice-Beispiele präsentiert. Dr. Andreas Gurgel von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern (LFA) berichtete über die Möglichkeit der Ansäuerung von Wirtschaftsdüngern. Durch die pH-Wert-Absenkung vor der Ausbringung ließen sich der Dampfdruck des Ammoniaks und damit auch die Emissionen reduzieren, so Gurgel. Unklar sei bislang, wie sich die angesäuerte Gülle in Biogasanlagen einsetzen lässt, wie hoch die Minderungseffizienz bei der Düngung mit angesäuerten Gärresten ist und welche Effekte auf die Bodenfunktion entstehen. Das Projekt soll zudem Daten für praktische Handlungsempfehlungen liefern. Dr. René Casaretto von der Niersberger Wohn- und Anlagenbau GmbH & Co. KG berichtete über die Möglichkeit der Gärrestverwertung mittels Pyrolyse, wobei die Biokohle im Gegensatz zur reinen landwirtschaftlichen Verwertung zunächst als Filtermaterial zur Aufreinigung der flüssigen Gärrestphase dient und anschließend z. B. als Bodenverbesserer oder als Filtermaterial vermarktet wird.

In seinem Schlusswort betonte Dr. Andreas Muskolus, stellvertretender Geschäftsführer des IASP, dass es bei allen dargestellten Lösungsansätzen im Wesentlichen darauf ankomme, die Nährstoffe im Kreislauf zu halten und nicht langfristig in den Boden oder in die Luft zu verlagern.

Die Tagung wurde von einer Online-Posterausstellung begleitet. Die Kurzfassungen der Beiträge sind in den Tagungsunterlagen zusammengestellt und als Download verfügbar.

Ansprechpartner: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. Jessica Hudde Tel.: +49 3843 6930-206 E-Mail: j.hudde(bei)fnr.de

Pressekontakt: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. Nicole Paul