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16.10.2020

Grassilagen in Bayern: Zuckersüß und saftig

Grassilagen in Bayern: Zuckersüß und saftig

Christiane Pietsch

DigiMilch

Themen

Ernte Viehhaltung Rinder

Bis Ende September 2020 wurden rund 2800 Grassilagen im bayerischen LKV-Futtermittellabor am Standort Grub auf Rohnährstoffe untersucht und ausgewertet. Die Energiegehalte sind auf Vorjahresniveau, die Eiweißgehalte jedoch vor allem bei den Folgeschnitten niedriger. Die hohen Zuckergehalte müssen bei der Rationsplanung berücksichtigt werden.

Wenig bis ausbleibende Niederschläge im Winter und in den Monaten März und April ließen dieses Jahr das verfügbare Bodenwasser für die Pflanzen knapp werden. Gleichzeitig lagen die Tagestemperaturen und die Sonneneinstrahlung in Bayern weit über dem langjährigen Schnitt. Die Niederschlagssituation besserte sich im Laufe des Jahres, was sich im südlichen Teil Bayerns positiv auf die Erntemengen auswirkte.

Hohe Zuckergehalte im ersten Schnitt

Die Trockenheit im Frühjahr bremste das Wachstum vom ersten Aufwuchs stark. Gleichzeitig verzögerte die kühlere Witterung im Mai den Alterungsprozess der Grasbestände. Die durchschnittlichen Trockenmassegehalte (TM) von 372 g/kg Frischmasse (FM) bewegen sich im Bereich des Orientierungswertes (300 – 400 g/kg TM). Ideale Erntebedingungen beim ersten Schnitt trugen dazu bei, dass der Gehalt an Rohasche bei rund 88 g/kg TM lag und damit deutlich unter dem Orientierungswert von 100 g/kg TM. Der Rohproteingehalt lag im ersten Schnitt durchschnittlich bei 150 g/kg TM und bleibt damit unter den Werten von 2019. Im Mittel mähten die bayerischen Landwirte 3 Tage früher als im Jahr 2019.

In Folgeschnitten bleibt Eiweiß knapp

Die Folgeschnitte konnten mit durchschnittlichen Trockenmassegehalten von 377 g/kg Frischmasse eingebracht werden. Die Rohaschegehalte lagen mit 99 - 105 g/kg TM nur knapp über dem Orientierungswert.

Die Zuckergehalte aller Folgeschnitte liegen mit durchschnittlich 76 g/kg TM deutlich unter dem Niveau des ersten Schnitts. Im Energiegehalt liegen die Folgeschnitte in diesem Jahr mit durchschnittlich 5,9 MJ NEL/kg TM etwas über dem Mittelwert des Vorjahres (5,8 MJ NEL/kg TM).

Wider Erwarten liegt der durchschnittliche Rohproteingehalt aller Folgeschnitte mit 155 g/kg TM nur leicht über dem des ersten Schnitts: Der zweite und dritte Schnitt weisen mit 151 und 157 g/kg TM einen nur mäßigen Rohproteingehalt auf (Orientierungswert: 160 – 170 g XP/kg TM). Erst der vierte Schnitt liegt bei durchschnittlich 171 g/kg TM, wobei der Gehalt an nutzbarem Rohprotein lediglich von 131 auf 134 g/kg TM steigt.

Fütterung anpassen

Die Grassilagen aus diesem Jahr weisen hohe Zuckergehalte auf. Kommt noch ein hoher Trockenmassegehalt hinzu, ist auf eine vollständige Silierung und genügend Vorschub zu achten. Die Silage sollte mindestens für 6 bis 8 Wochen geschlossen bleiben, bevor sie verfüttert wird.

Bei der Fütterung sollten die hohen Zuckergehalte ebenfalls berücksichtigt werden. In der Gesamtration dürfen nicht mehr als 7,5 % Zucker und 25 % im Pansen abbaubare Kohlenhydraten enthalten sein. Deswegen müssen Anpassungen vorgenommen werden, z.B. Körnermais oder Trockenschnitzel statt Getreide. Rohprotein ist in den Grassilagen bis einschließlich des dritten Schnitts 2020 knapp. Das Protein aus Grassilage wird im Pansen relativ schnell abgebaut. Sollte im Rahmen der synchronen Bereitstellung von Eiweiß und Energie bei der Rationsberechnung ein Mangel an schnellem Eiweiß bestehen, so kann dieser mit Erbsen oder Ackerbohnen ausgeglichen werden.