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18.12.2020

Nitrat: Nach Kritik an Messstellen äußert sich das Ministerium

Nitrat: Nach Kritik an Messstellen äußert sich das Ministerium

Redaktion

gruuna.com

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Das Agrarministerium Mecklenburg-Vorpommern äußerte sich nach der Kritik des Landesbauernverbandes am Nitrat-Messstellennetz.

Nachdem der Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern kritisiert hatte, dass die neue Landesdüngeverordnung auf falschen Messergebnissen beruhe, widerspricht nun Landwirtschaftsminister Till Backhaus. „Der Bauernverband ist nicht aufrichtig, wenn er immer wieder betont, die Grundwasser-Messstellen allein seien ausschlaggebend für die Gebietskulisse – also die sogenannten ,Roten Gebiete‘“, sagte Backhaus. Er betonte, dass der Bauernverband darauf gepocht habe, genau festzulegen, wo erhöhte Nitrat-Werte im Grundwasser durch landwirtschaftliche Nutzung auftreten. „Dieser Aufforderung kommen wir unter anderem mit den 559 Messstellen im Land nach. Aber das Verfahren ist dreistufig“, so der Minister.

Drei Stufen der Nitrat-Auswertung

In einem ersten Schritt werden laut Ministerium die Nitratgehalte ausgewertet. Weiterhin werden Boden- und Wetterdaten herangezogen, um zu berechnen, wie viel Stickstoff gedüngt werden kann. So soll gewährleistet werden, dass im Bodensickerwasser nicht mehr als 50 Milligramm je Liter Nitrat entstehen. „Diese Modellrechnung wird im dritten Schritt mit der Karte verschnitten, die die tatsächlich anhand von Datensätzen aus landwirtschaftlichen Betrieben gedüngten Stickstoff­mengen ausweist“, heißt es aus dem Ministerium.

Dieses Verfahren sei mehrfach mit den Vertretern des Berufsstandes erörtert worden. Im Vergleich zur Gebietskulisse der Düngeverordnung 2019 gilt laut Agrarministerium 30 Prozent weniger Fläche als nitratbelastet. Aktuell sind 13 Prozent der Agrarfläche in Mecklenburg-Vorpommern als „Rote Gebiete“ gekennzeichnet. Backhaus befürchtet, dass der Bauernverband am liebsten gar keine „Roten Gebiete“ will und weist darauf hin, dass es auf 87 Prozent gar keine Einschränkungen durch die neue Düngeverordnung gibt.

„Wir brauchen keine gegenseitigen Schuldzuweisungen. Was wir brauchen, ist ein gemeinsamer Lösungsweg. Wasser ist Leben – und wir haben nicht das Recht, auf Kosten späterer Generationen mit diesem wichtigen Lebensmittel Schindluder zu treiben. Die Belastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft muss deutlich heruntergefahren werden“, sagte Backhaus.

Gemeinsame Positionen

Das Ministerium und der Bauernverband haben auch gemeinsame Positionen. Beide vertreten die Auffassung, dass die vom Bund erlassene Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung (AVV GeA) keine ausreichend präzisen Anforderungen für die Verwendung von Messstellen für die Gebietsausweisung vorgibt. Auch eine konkrete Vorgabe, an welchen Positionen eines Grundwasserleiters ein Filter gesetzt sein sollte, um Nitratwerte im Grundwasser zu ermitteln, fehlt. Minister Backhaus hat die Bundesministerinnen Klöckner und Schulze schriftlich aufgefordert, die bundesweite Vereinheitlichung und Konkretisierung von bisher nicht eindeutig definierten Anforderungen an Parameter für Messstellen zu koordinieren.