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08.04.2021

Isofluran-Narkosegerät MS Pigsleeper

Isofluran-Narkosegerät MS Pigsleeper

Redaktion DLG

DLG Prüfberichte

Themen

Schweine Technik Technik Tierhaltung

DLG-GÜTEZEICHEN "Gesamtprüfung"

Beurteilung – kurz gefasst

Im vorliegenden Test wurde das Narkosegerät MS Pigsleeper der Firma MS Schippers auf seine Funktionalität im Labor und im praktischen Einsatz untersucht. Das Gerät wurde dabei nach Herstellervorgaben betrieben, ein Tierarzt und ein Firmenvertreter begleiteten die Untersuchungen in den Praxisbetrieben. 

In den Betrieben wurden die tiergerechte Gestaltung der drei bzw. vier Narkosestationen und die Betäubungstiefe bei der eingestellten Betäubungsdauer begutachtet, Isofluranverbrauch und Sättigungskurve des Abluftfilters bestimmt und Hygieneaspekte im Rahmen der Reinigung und Desinfektion untersucht. In einem der Betriebe wurden zudem Arbeitsplatzmessungen für Isofluran durch Eurofins, ein akkreditiertes und DGUV-gelistetes Messinstitut, durchgeführt. 
Im Labor wurde die Isofluran-Konzentration an den Narkosestationen bei verschiedenen Temperaturen gemessen, die Überwachungsfunktionen des Gerätes und seine Manipulationssicherheit überprüft sowie die Arbeitssicherheit und das Hygienic Design des Gerätes durch das Sachverständigenbüro Ahlendorf, Kempen, begutachtet. Nach technischen Änderungen fanden weitere Labor- und Praxismessungen zur Sicherung der Ergebnisse statt. 

Die Ferkel werden bei 70 Sekunden Narkoseeinleitung zuzüglich weiteren 15 Sekunden fortgesetzter Narkosedauer ausreichend sicher betäubt, vereinzelte Abwehrreaktionen unter der Kastration sind vorwiegend einem zu späten Operationsbeginn geschuldet. Die Labormessungen zeigen einen zunächst schnellen, ab 4 % aber verlangsamten Anstieg der Isoflurankonzentration an den Masken, die dann über die Betäubungszeit konstant gehalten wird. Bei tiefen Temperaturen bleibt die Isoflurankonzentration deutlich unter dem eingestellten Wert, sodass von einem Betrieb des Gerätes unter +10 °C abgeraten wird. Das überschüssige Isofluran wird in zwei parallele Aktivkohlefilter abgeführt, durch eine Zusatzabsaugung unterhalb der Narkosemasken werden etwaige Isofluranverluste beim Einlegen und Herausnehmen der Ferkel verringert. Die beiden Abluftfilter müssen zeitgleich gewechselt werden, bei paralleler Sättigung verdoppelt sich das Wechselintervall auf 1300 Kastrationen. Der im DLG-Prüfrahmen festgelegte Arbeitsplatzgrenzwert von 15 mg/m³ Stallluft wird sicher eingehalten. Der Isofluranbedarf lag in den Praxisversuchen je kastriertem Ferkel zunächst bei durchschnittlich 0,74 ml/Ferkel bei 75 Sekunden Narkosedauer. Nach Verbesserung der Gaszuführung verringerte sich der Verbrauch auf 0,45 ml/Ferkel trotz Verlängerung der Isofluranzufuhr auf 85 (70+15) Sekunden.

Tabelle 1: Ergebnisse im Überblick

PrüfmerkmalPrüfergebnisBewertung*

Technische Kriterien

 
Narkosegaskreislauf  
Konstanz der Narkose-gas­konzentrationbei 21 °C 20-25 sec bis Erreichen konstanter Konzentration von 5,5 % (eine Station in Betrieb), bzw. 4,9/4,5 % Isofluran (alle Stationen in Betrieb – 3er/4er-Gerät), leichte Abweichungen zwischen den Narkosestationeno
o/–
 bei 30 °C Abweichung gegenüber den 21 °C-Werten < 5 %o
 bei 5 °C ohne Temperaturkompensation > 10 %(– –) 1)
IsofluranbedarfØ 0,45 ml/Ferkel bei 70+15 Sekunden Anflutungk.B.
Restgasabsaugunglineare Zunahme des Filtergewichts, Abweichungen < 5 %+
Umweltrelevanz  
Narkosegasverlusteleichte Verluste an den Masken, geringe Verluste im Verdampfergehäuse und hinter dem Abluftfilter messbark.B.
Abluftfilterung2 Aktivkohlefilter ohne sensorische Sättigungsüberwachung; Abwärtszähler: Warnung Filterwechsel nach 1300 Narkosen, Sperrung des Gerätes nach +10 Narkosen+
Arbeitsplatzsicherheit  
Isofluran-ArbeitsplatzkonzentrationGrenzwert von 15 mg/m³ wird eingehalten; 6,8 bzw. 1,8 mg/m³ an den arbeitenden Personenk.B.
Arbeitssicherheitüberprüft durch Fachkraft für Arbeitssicherheit; Mängel am Gerät wurden beseitigt, Bedienungsanleitung gutk.B.
Geräuschentwicklungmax. Schallleistungspegel 78 dB(A)
max. Schalldruckpegel am Bedienerohr 58 dB(A)
k.B.
Hygiene  
Reinigung und DesinfektionDemontage der Ferkelhalter und Maskenmanschetten: einfach, werkzeuglos; Entfernung der Versorgungseinheit mit integrierter Absaugeinrichtung und
Filtern sowie des Kompressors; Reinigung der Versorgungseinheit mit feuchtem Lappen; HD-Reinigung von Maskenkonsole, Wagen und Kisten unter Verwendung von MS Reinigern
+
Hygienic DesignKapselung der kritischen Bauteile, Edelstahloberflächen mit weitgehend gerundeten Kanten; Kastrationshalterung mit Toträumen; begrenzter Reinigungserfolg, v. a. an Kastrationshalterung und Versorgungseinheit
Energiebedarf  
 durchschnittlich 2,05 Wh/Kastration (Stand vor Überarbeitung)k.B.
Betriebssicherheit  
Überwachungsfunktionen des Gerätesalle geforderten Anzeigen vorhanden; Isofluranfüllstand und Abluftfilter mit Abwärtszählerk.B.
Betriebsstörungenkeine während der Labor- und Praxisversuche 
Handhabung  
 bedienerfreundlich, Geräteanzeigen am Display auf der Versorgungseinheit gut sichtbar; Sichtkontrolle Isofluranfüllstand außerhalb des Blickfelds seitlich am Gerät+
 Verarbeitung der Kastrationshalterung (z. T. scharfkantig) im Prototyp
Wartung und Kalibrierung  
 Serviceintervall 25.000 Kastrationen, max. 2 Jahreo
Schutz vor Manipulationen  
 Gesamtzähler für durchgeführte Narkosen und Narkosegaskonzentration nicht veränderbar; per USB-Stick auslesbare, detaillierte Aufzeichnung jeder einzelnen Kastrationk.B.
   

Tierbezogene Kriterien

 
Tiergerechtheit  
Gestaltung und Dimensionierung der Ferkelhalteruniverselle Größe, für Ferkel von 2 bis 7 Tagen geeignet, schwere Ferkel etwas beengt; waagerecht angeordnete runde Ferkelschale aus Edelstahl mit seitlich hochgezogenen Wänden, Fixierbügel mit Doppelgummi; optional gezahnte Außenschale zum Einhaken von Fixiergummiso
Passgenauigkeit der NarkosemaskenMaske mit hinten liegender geschlossener Atemkammer in universeller Größe, gute Passform+
 Achtung:
Bei Stromausfall keine Luftzufuhr – sofortige Entnahme der Ferkel notwendig!
Narkosetiefeausreichend tiefo
Tierverhalten  
– beim EinlegenStressreaktion durch Lautäußerung und Abwehrbewegungen bei Ø 94 % der Ferkelk.B.
– unter der KastrationØ 9 % leichte Abwehrbewegungen, v.a. bei verzögertem Kastrationsbeginnk.B.
Tiergesundheit  
Verletzungenkeine nach Ersatz der Metall-Querstrebe mit Spreizern an den Fixierbügeln durch flexible Gummisk.B.
narkosebedinge Tierverlustewährend der Praxisversuche keinek.B.

 * Bewertungsbereich: + + / + /o / – / – – (o = Standard, k.B. = keine Bewertung)
1)     Ein Betrieb unter +15 °C wird vom Hersteller nicht empfohlen.
 

Das Produkt

Beschreibung und Technische Daten

Beim MS Pigsleeper handelt es sich um ein Isofluran-Narkosegerät, das entweder mit drei oder mit vier Narkosestationen ausgestattet ist und zur kurzzeitigen Betäubung und Kastration männlicher Saugferkel bis zu einem Alter von sieben Tagen bestimmt ist. Das im Verdampfer erzeugte Narkosegasgemisch wird aktiv und mit konstantem Volumenstrom an die Narkosemasken herangeführt. Zur Erzeugung des notwendigen Drucks wird ein Kompressor verwendet.

Das Gerät verfügt über eine Restgasabsaugung an der Rückseite der Narkosemasken, die überschüssiges Narkosegasgemisch in zwei parallele Aktivkohlefilter abführt. Außerdem ist eine Zusatzabsaugung im Boden der Ferkelschalen am Maskenausgang installiert.

 

Tabelle 2: Technische Daten: Messwerte und Herstellerangaben

MS Pigsleepermit 3 Narkosestationenmit 4 Narkosestationen
Länge ohne Zubehör1500 mm1500 mm
Tiefe450 mm450 mm
Gesamthöhe1400 mm1400 mm
Arbeitshöhe (gemessen)1150-1220 mm in 2 cm-Schritten 
Gewicht inkl. Standardzubehör (gemessen)93,5 kg95,1 kg
Verdampfervolumen350 ml350 ml
Zulässige Umgebungstemperatur beim Betrieb+16 bis +35 °C
keine Temperaturkompensation
 
Stromanschluss230 V-Stecker, Ein-/Aus-Schalter vorhanden 
ZusatzausstattungKabeltrommel, Konfiskateimer, gezahnter Schaleneinsatz mit Gummiband 

Gewährleistung

Der Hersteller weist ein Jahr Gewährleistung für das Isofluran-Narkosegerät MS Pigsleeper aus.

Entsorgung und Recycling

Der Hersteller nimmt das Isofluran-Narkosegerät MS Pigsleeper zur Entsorgung zurück und führt die Wertstoffe dem Recycling zu.
Ein Recyclingkonzept für die Aktivkohlefilter gibt es bislang nicht.

Die Methode

Tiergerechte Gestaltung

Auch wenn vor allem die Maßnahmen vor der Kastration entscheidend für das Stresslevel der Ferkel sind, trägt auch die Gestaltung der Narkosestationen und das Handling beim Einlegen der Ferkel dazu bei. Das Stresslevel der Tiere wiederum beeinflusst die Narkosetiefe und damit das Schlafverhalten: durch den erhöhten Cortisolspiegel und die eher flache Atmung unter Stress wird Isofluran schlechter aufgenommen – die Ferkel schlafen weniger tief. 

Eine gute Passgenauigkeit der Narkosemasken sorgt dafür, dass das anflutende Isofluran auch wirklich vollständig am Tier ankommt. In den beiden Praxisbetrieben wurden daher an jeweils 100 Ferkeln Abwehrreaktionen während des Einlegens in die Narkosestationen erhoben und die Narkosetiefe anhand des Zwischenklauenreflextestes und Abwehrreaktionen unter der Kastration beurteilt.

Konstanz der Narkosegaskonzentration

Gemäß der Anleitung des für die Ferkelkastration zu verwendenden Isoflurans der Firma Baxter soll der Anteil Isofluran im Narkosegasgemisch etwa 5 % betragen. Um eine sichere Betäubung der Ferkel unabhängig von der Entfernung der Narkosemasken zum Verdampfer und von der Umgebungstemperatur zu gewährleisten, soll die an den Masken anflutende Isoflurankonzentration möglichst nahe an den empfohlenen 5 % sein und konstant bleiben. In einem Laborversuch wurde daher unter Verwendung eines VAMOS Gasmonitors der Firma Dräger überprüft, wie sich die Isoflurankonzentration an den Narkosemasken über die eingestellte Narkosedauer über jeweils zehn Narkosen hinweg und unabhängig davon, ob eine oder alle Masken in Betrieb waren, verhält. Die Messungen wurden bei drei Temperaturen, und zwar bei +5, +21 und +30 °C in einer begehbaren Klimakammer durchgeführt. Desweiteren wurde für jede Temperatur der Verlauf der Narkosegasanflutung vom Auslösen bis zur Beendigung des Gasflusses aufgezeichnet, wenn eine Maske bzw. alle Masken in Betrieb waren. 

Funktionalität der Restgasabsaugung 

Überschüssiges und ausgeatmetes Isofluran muss zum Schutz der Anwender und der Umwelt in einem Aktivkohlefilter aufgefangen werden. Um zu prüfen, ob dies unter Praxisbedingungen gelingt, wurde während eines mehrstündigen Praxiseinsatzes die Gewichtszunahme der beiden Aktivkohlefilter in Intervallen gemessen und statistisch auf Linearität ausgewertet.

Potenzielle Verluste z. B. am Aktivkohlefilter wurden im Rahmen der Arbeitsplatzmessungen erfasst und ebenfalls zur Bewertung herangezogen. 

Bilder 2 und 3: Messung der Narkosegaskonzentration in der Klimakammer

Isofluran-Arbeitsplatzkonzentration 

Im Hinblick auf potenziell gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen von Isofluran muss die Sicherheit der mit der Kastration unter Isoflurannarkose betrauten Personen gewährleistet sein. Im Rahmen einer genormten Arbeitsplatzmessung, wie sie z. B. auch in Operationssälen von Krankenhäusern durchgeführt wird, wurden in einem Praxisbetrieb durch die Eurofins GmbH, Münster, als dafür akkreditierter und DGUV-gelisteter Messstelle die Isoflurankonzentrationen während der Kastration an den arbeitenden Personen gemessen. Die an einer Pumpe angeschlossenen Proberöhrchen wurden im Schulterbereich des Kastrateurs und einer zuarbeitenden Person, vornehmlich des mit dem Transport der Ferkel befassten Mitarbeiters befestigt. Gemessen wurde über einen Arbeitszeitraum von mindestens zwei Stunden im Abferkelabteil. Die Proberöhrchen wurden anschließend in einem chemischen Labor auf ihren Isoflurangehalt analysiert und die Werte auf die Messdauer und das Raumvolumen des Abferkelabteils im Testbetrieb umgelegt. Die resultierenden Werte durften den durch den DLG-Prüfrahmen vorgegebenen Wert von 15 mg/m³ Raumluft nicht überschreiten. 

Arbeitssicherheit

Die Arbeitssicherheit einschließlich der elektrischen Sicherheit des Narkosegerätes wurde durch Sicherheitsexperten des Sachverständigenbüros Klaus Ahlendorf, Kempen, begutachtet. Dabei wurden auch die Angaben in der Betriebsanleitung überprüft. Die Hinweise zum Umgang mit Isofluran – in der Betriebsanleitung und auf dem Gerät selbst – wurden dabei besonders berücksichtigt. Für eine DLG-Anerkennung muss das Gerät frei von Sicherheitsmängeln sein.

Zusätzlich wurden im Rahmen der Sicherheitsbegutachtung in einer Klasse 1 Schallmesskabine der Schallleistungspegel, der die Geräuschabstrahlung in alle Raumrichtungen angibt, und der Schalldruckpegel am Bedienerohr zur Einordnung der Geräuschentwicklung des Narkosegerätes gemessen. Die angegebenen Werte sind die während des Betriebs maximal auftretenden Lärmemissionen, z. B. bei laufendem Kompressor.

Das Prüfzeichen

Ein Prüfzeichen „DLG-ANERKANNT GESAMTPRUFUNG“ wird für landtechnische Produkte verliehen, die eine umfassende Gebrauchswertprüfung der DLG nach unabhängigen und anerkannten Bewertungskriterien erfolgreich absolviert haben. In dieser Prüfung werden neutral alle aus Sicht des Praktikers wesentlichen Merkmale eines Produkts bewertet. Die Prüfung umfasst Untersuchungen auf Prüfstanden und unter verschiedenen Einsatzbedingungen, zusätzlich muss sich der Prüfgegenstand bei der praktischen Erprobung im Einsatzbetrieb bewahren. Die Prüf­bedingungen und -verfahren wie auch die Bewertung der Prüfungsergebnisse werden von einer unabhängigen Prüfungskommission in einem Prüfrahmen festgelegt und laufend den anerkannten Regeln der Technik sowie den wissenschaft­lichen und landwirtschaftlichen Erkenntnissen und Erfordernissen angepasst. Die erfolg­reiche Prüfung schließt mit der Veröffent­lichung eines Prüfberichtes sowie der Vergabe des Prüfzeichens ab, das fünf Jahre ab dem Vergabedatum gültig ist.

Zur Erlangung des Prüfzeichens wurden technische Messungen, Einsatzuntersuchungen einschließlich Verhaltensbeobachtungen in drei Praxisbetrieben sowie einem weiteren Betrieb im Rahmen von Nachmessungen durchgeführt. Grundlage für die Prüfung war das DLG-Prüfverfahren für Narkosegeräte für die Ferkelkastration, Stand Dezember 2019, sowie Erweiterungen, die 2020 abgestimmt wurden.