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13.01.2021

Interview mit Michael Reber zum Thema innovative und regenerative Landwirtschaft

Interview mit Michael Reber zum Thema innovative und regenerative Landwirtschaft

David Zistl

Meinungsfeld

Themen

Bodenbearbeitung Düngung Fungizid Insektizid Artenvielfalt Bodenmarkt Biogas Gärprodukte Energiepflanzen Nachwachsende Rohstoffe Schweine Ackerbau Grundlagen Digitalisierung, Arbeitswirtschaft und Prozesstechnik Grünland Betriebsmanagement Smart Farming Nachhaltige Landwirtschaft

"Es kommt alles vom Boden und geht letztendlich auch wieder in den Boden zurück"

Michael Reber ist seit 1997 tätig im eigenen Betrieb, welcher ursprünglich als reiner Schweinebetrieb von den Eltern übernommen wurde. Im Jahre 2009 kam eine Biogasanlage hinzu und seit 2016 ist die Schweinhaltung komplett eingestellt. Heute setzt sich Michael Reber für regenerative Landwirtschaft ein und leistet vor allem auf seiner Website und auf Instagram viel Aufklärungsarbeit.

 

Was bedeutet für dich innovative Landwirtschaft?

Innovation bedeutet ja immer etwas Neues zu erschaffen, das ein Stück weit auch Verbesserung bringt. Dementsprechend soll die Innovation Verbesserung für den Betrieb und für diejenigen, die an dem Betrieb mit dranhängen, bringen. Da wir immer offen für Neues sind und nachhaltigere Ansätze vertreten, haben wir auch unsere Website “innovativelandwirtschaft.de“ genannt.

 

Was war für dich ausschlaggebend, um der konventionellen Landwirtschaft immer mehr den Rücken zu kehren?

Wir sind nach wie vor per Definition ein konventioneller Betrieb, weil wir weiterhin Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz einsetzten, jedoch nur noch in sehr geringen Maßen. Das ist zum einen durch die Gesetzgebung bedingt, aber insbesondere aus Überzeugung, da vor allem Insektizide und Fungizide das Bodenleben massiv schädigen.

Das Bewusstsein für das Thema Böden kam bei mir auch erst innerhalb der letzten Jahre, wobei wir bereits seit 35 Jahren pfluglose Bodenbearbeitung betreiben. Das hat auch mit nur den Schweinen gut funktioniert, aber als bei uns 2009 die Biogasanlage hinzukam, ist mir stetig aufgefallen, dass ich mit meinem damaligen Wissen zum klassischen konservierenden Ackerbau an meine Grenzen gekommen bin. Die Erträge gingen rückwärts, da sich die Klimaveränderungen bei unseren schweren Tonböden schneller bemerkbar machen. Ab 2013 habe ich dann verschiedene Kurse und Feldtage zum Thema Boden besucht und bin seither mit dem “Boden-Virus“ infiziert (lacht).

 

Welche Rolle spielen für dich die Böden?

Es kommt alles vom Boden und geht letztendlich auch wieder in den Boden zurück! Daher gäbe es ohne fruchtbare Böden auch uns Menschen und die Tiere nicht. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man gemeint mit chemischen Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger können wir die Natur beherrschen und natürlich auch den Ertrag enorm gesteigert. Dennoch sind wir mit unserem heutigen Wissensstand viel weiter, um damit ein Stück zurück zu gehen, ohne auf Erträge verzichten zu müssen.

 

Wie spiegelt sich dein Umdenken wirtschaftlich wider?

Man fängt natürlich oft erst an umzudenken, wenn es wirtschaftlich nicht mehr so gut läuft und das war bei uns nicht anders. Wir hatten einen krankheitsbedingten Einbruch in der Schweinehaltung und mussten zusehen, wie wir wieder mehr Liquidität schaffen können. Diese kann ich entweder verbessern, indem ich die Erträge steigere, oder den Input mit Betriebs-externen Mitteln senke. Für mich war der Fokus klar auf zweiterem Punkt und die Biogasanlage ist heute unsere “Cash-Cow“ geworden.

Wir haben in den letzten Jahren natürlich erst mal in den Boden investiert in Form von vielfältigen und teureren Zwischenfrüchten, andere Bodenuntersuchungen und mehr Spurennährstoffe, dafür weniger N-Dünger (nach DüngeVO gefordert) und weniger chemischem PS. Ab diesem oder nächstem Jahr werden wir dann aber auch wirklich von der Investition ernten können. Der Prozess dauert selbstverständlich seine Zeit (mindestens 5 Jahre), bis man die Investitionen in den Boden wirklich merkt.

 

Welche Botschaft möchtest du mit deinen Seminaren und der Arbeit auf Social Media kommunizieren?

Der ursprüngliche Anreiz, auf Social Media zu gehen, war der Bevölkerung wieder mehr zu zeigen, wie wir Landwirtschaft machen und damit mehr Transparenz rüber zu bringen. Ebenso wollte ich durch den Blog auf der Website das Leben als Bauer darstellen und auch zeigen, wie man sich fühlt und wie man damit umgeht, wenn beispielsweise gesellschaftliche Angriffe kommen. Mittlerweile und im Zuge der Seminare von mir und meiner Frau zum Thema Bodenfruchtbarkeit, fokussiert sich meine Arbeit auf Social Media mehr darauf, den Kolleginnen und Kollegen zu zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, mit dem was uns gesellschaftlich und gesetzgeberisch abverlangt wird, klar kommen zu können. Das ist für mich aktuell der Antrieb, zu zeigen, dass es möglich ist und dass es Lösungen gibt für die Betriebe da draußen! Von politischer Ebene bekommen wir leider nur Einschränkungen aber keine Lösungsansätze. Alleine in den letzten eineinhalb Jahren hatten wir 500 Menschen live bei unseren Seminaren dabei, wovon die Hälfte unter 30 war. Das motiviert mich auch, dass die nächste Generation bereit ist, etwas zu verändern und ich möchte dabei unterstützen.

 

Wo und von wem wünschst du dir mehr Aufklärung in der Landwirtschaft?

Von Jedem! Jeder kann etwas beitragen und jeder kann etwas gut, vor Ort oder auf Social Media. Auch wenn Anfragen von Kindergärten, Schulen oder der der Zeitung kommen, sowas muss man wahrnehmen und seinen Beitrag leisten. Unsere Verbände haben leider auch lange geschlafen, aber so langsam tut sich da auch mehr. Bei der Politik habe ich leider wenig Hoffnung (lacht laut). Die Politik ist gefordert, die Ausbildung zu verändern, denn es wird noch immer das gleiche Wissen gelehrt, wie vor 30 Jahren. In der Zwischenzeit hat sich aber so viel verändert und wir müssen die Leute auch darauf vorbereiten, was draußen passiert. Daher muss auch das Thema Kommunikation in die Ausbildung mitaufgenommen werden, was leider nur vereinzelt (je nach Motivation der Lehrkräfte) vorkommt.