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10.02.2021

EEG 21: Biogasbranche sieht dringenden Nachbesserungsbedarf

EEG 21: Biogasbranche sieht dringenden Nachbesserungsbedarf

Gudrun Kramer

Fachverband Biogas e.V.

Themen

Energie Biogas Erneuerbares-Energien-Gesetz

Die Freude ist bei den Biogasfirmen gedämpft. Lange sah es im vergangenen Jahr nach verbesserten Rahmenbedingungen für die Branche aus. Am Ende ist das EEG 2021 doch eher Bremse als Motor.

Gestern begann die EnergyDecentral digital, eine der wichtigsten Messen für die Biogasbranche. 188 Biogasfirmen werden in den kommenden vier Tagen ihre Produkte und Dienstleistungen im virtuellen Raum vorstellen. Nach wie vor ist deutsche Anlagentechnik und deutsches Know How weltweit gefragt. Circa 46.000 Personen arbeiten in der Biogasbranche und erwirtschaften ein jährliches Umsatzvolumen von knapp neun Milliarden Euro (die kompletten Branchenzahlen finden Sie hier).

Doch die Lage der Firmen wird zunehmend schwieriger. Nachdem es im vergangenen Jahr lange so aussah, als ob die Bundesregierung die Bremse beim Ausbau der Biogasnutzung in Deutschland endlich lösen würde, kamen kurz vor der Verabschiedung des EEG noch Passagen ins Gesetz, die in der Branche für großen Unmut sorgen.

Der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide, bringt es bei der Pressekonferenz im Rahmen der EnergyDecentral auf den Punkt: „Mit den in letzter Sekunde eingebrachten Änderungen konterkariert die Bundesregierung alle kleinen positiven Schritte, die sie im Laufe des letzten Jahres bei der EEG-Novelle gegangen ist.“

Zu den positiven Schritten zählt Seide unter anderem die Streichung des Flexdeckels und die Erhöhung des Flexzuschlags wie auch die Anhebung der Gebotshöchstwerte und der Ausschreibungsvolumina. Dies seien positive Signale, die bei den Branchenteilnehmern zur Überzeugung geführt haben: wir werden gebraucht, es geht weiter.

Wenn aber der Flexzuschlag für Bestandsanlagen nicht mehr für die Leistung gezahlt wird, die bereits die Flexprämie erhalten hat, wie es die finale EEG-Fassung vorsieht, sei die Erhöhung des Zuschlags Makulatur, kritisiert Seide. Und es blockiere den so wichtigen Umbau des Biogasanlagenparks hin zu maximaler Flexibilität.

Die ebenfalls auf den letzten Drücker eingebrachte endogene Mengensteuerung bei der Ausschreibung verunsichere die Betreiber zusätzlich und mache eine reelle Planung zum Weiterbetrieb der Biogasanlage schwer möglich. Denn wenn weniger Leistung geboten als ausgeschrieben wird, erhalten nur die günstigsten 80 % der Anlagen einen Zuschlag.

Wobei der Wert, mit dem an der Ausschreibung teilgenommen werden darf, ohnehin schon gedeckelt ist. Darüber hinaus vermisst Seide eine passende Anschlussförderung für Güllekleinanlagen, die einen ganz wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

„Die Betreiber brauchen jetzt eine klare Perspektive“, fordert Seide. Ansonsten gehe der bereits begonnene Rückbau des Anlagenparks immer weiter. Mit dem Inkrafttreten des EEG im Jahr 2000 hat sich die Zahl der Biogasanlagen kontinuierlich erhöht. Würden die Biogasanlagen zurückgebaut drohe ab 2030 eine Versorgungslücke von 40 – 50 Gigawatt flexibler Leistung, mahnt der Präsident.

„Trotz Pandemie ist und bleibt der Klimaschutz die zentrale Menschheitsaufgabe“, betont Seide. Dafür brauche man die Erneuerbaren Energien und den Erhalt und Ausbau der flexiblen und speicherbaren Biogasanlagen. Gerade jetzt, in trüben und windstillen Wintertagen, könne Biogas Wind- und PV-Anlagen ergänzen. Dafür müssten jetzt die Weichen gestellt bzw. nachjustiert werden.