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30.03.2021

Ertragsmessung

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DLG Mitteilungen

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Themen

Ernte Milch Digitalisierung, Arbeitswirtschaft und Prozesstechnik Futter und Fütterung Grünland Betriebsmanagement

Das leisten neue Technologien

Die Futterration lässt sich bis ins kleinste Detail berechnen, weil wir Menge und Inhaltsstoffe vieler konservierter Komponenten genau kennen. Aber was ist mit dem frischen Futter auf unseren Grünlandflächen? Die digitale Erfassung des Aufwuchses auf Mahd- und Weideflächen ist noch nicht in der breiten Praxis angekommen. Leonie Hart und Esther Paulenz berichten, was möglich ist.

Nicht nur im Stall, auch auf den Grünlandflächen ist eine präzise Futterplanung immens wichtig. Denn je nach Region, Jahreszeit, Wachstumsstadium und botanischer Zusammensetzung variieren die Futterqualität und der Ertrag. Deshalb sollten Sie die Aufwuchsmenge und Qualität Ihrer Grünlandflächen genau kennen. Neben der Messung von konserviertem Futter können immer mehr Daten über die frische Biomasse und Nährwerte unserer Grünlandbestände automatisiert erhoben und für eine präzisere Rationsgestaltung genutzt werden. Besonders bei der Weiterentwicklung von Platten-Herbometern und dem Einsatz von tragbaren Nahinfrarotspektroskopen wurden zuverlässige und praxistaugliche Lösungen gefunden. Solche Technologien unterstützen heute vor allem die Parzellenzuteilung auf der Weide und helfen Nährstoffmängel des Aufwuchses zu identifizieren, um eine bedarfsgerechte und ausgewogene Fütterung der Tiere sicherzustellen. So hat eine neuseeländische Studie gezeigt, dass eine weidebasierte Milchproduktion profita­bler ist, wenn regelmäßig Informationen über die verfügbare Aufwuchsmenge erhoben werden.

Messgeräte im Vergleich. Im Folgenden betrachten wir die Funktionsweisen von drei unterschiedlichen Technologien zur Weidefuttermessung genauer. Diese konkurrieren in ihrem Nutzungszweck nicht zwingend, sondern weisen unterschied­liche Potentiale auf.

Der Grasshopper

Der »Grasshopper« ist ein Platten-Herbometer, das anhand eines integrierten Sensors die komprimierte Bestandshöhe von Grünlandflächen misst und die Aufwuchsmenge schätzt. Zusätzlich verfügt das Gerät über GPS und ermöglicht die Ausmessung und Kartierung der zu bewirtschaftenden Flächen.

Mit Hilfe einer App können bei regelmäßiger und adäquater Messung der Zustand und das Wachstum der Pflanzenbestände langfristig verfolgt werden. Typischerweise läuft der Anwender im Zickzack über die Fläche und führt in regelmäßigen Abständen mindestens 35 Messungen pro Hektar durch. Dies kann je nach Anzahl und Flächengröße einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Grasshopper wurde in Irland von der Firma True North Technologies entwickelt und mit Daten irischer Flächen validiert, die sich durch einen hohen Anteil an Weidelgräsern und eine intensive Nutzung auszeichnen.

Wie gut funktionieren die Algorithmen auf deutschen Grünlandflächen? Das sollte 2019 in Norddeutschland ein Parzellenversuch zeigen. Vier Wochen alte Bestände wurden regelmäßig beprobt und die Aufwuchsmengen mit denen des Grass­hopper-Systems verglichen. Die vom Grasshopper geschätzten Aufwuchsmengen unterschieden sich zum Teil beachtlich von denen der klassischen Schnittproben. Neben gewissen Messunsicherheiten könnte dies an folgenden Gründen liegen:

  • Die Aufwuchsmengen von Pflanzenbeständen mit höheren Anteilen von Kräutern und Leguminosen stimmten weniger mit der Schätzung des Grasshopper-Systems überein.

  • Der Weiderest von 4 cm ist bei Grass- hopper und Schnittprobe nicht direkt vergleichbar. Während der Grasshopper die komprimierte Bestandshöhe misst, wurde die Schnittprobe von nicht komprimierten Pflanzenbeständen genommen.

  • Die Wetterverhältnisse spielen eine wichtige Rolle. Zum Beispiel wurde nach starkem Regenfall durch ein «Umliegen» der Gräser eine deutlich niedrigere Höhe gemessen und damit auch eine geringere Aufwuchsmenge geschätzt als noch vor Regenbeginn.

  • Zusätzlich können eine geringe Anzahl an Messpunkten und eine sehr heterogene Grünlandfläche, verursacht durch Graslücken oder auch Dung- und Trampelstellen, zu unterschiedlichen Messergebnissen führen.

  • Dennoch kann das kostengünstige System vor allem auf homogenen und grasbetonten Grünlandflächen einen brauchbaren Anhaltspunkt für die Entscheidungen im Weidemanagement bieten.