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03.06.2021

Resistenzen bei Ackerfuchsschwanz: wieso benötigen wir nicht-chemische Maßnahmen?

Resistenzen bei Ackerfuchsschwanz: wieso benötigen wir nicht-chemische Maßnahmen?

Johannes Herrmann

Agris42

Themen

Pflanzenschutz Ackerbau Getreide Pflanzen Hackfrüchte

Immer mehr Landwirte müssen sich mit Herbizidresistenzen auf ihren Anbauflächen auseinandersetzen. Welche Möglichkeiten gibt es, ohne Einsatz von Herbiziden den Ackerfuchsschwanz zurückzudrängen? Dies ist keine Frage, die generell und einfach beantwortet werden kann. Warum, werden wir Ihnen in diesem Artikel erklären.

Die Herbizidresistenz ist eine natürliche Anpassungsstrategie. Nur die stärksten Pflanzen, die eine Herbizidbehandlung überleben, haben auch die Möglichkeit, sich fortzupflanzen. In diesem speziellen Fall ist der natürliche Feind des Unkrauts das Herbizid. Pflanzen, die keine Herbizidresistenz aufweisen, können eine Behandlung nicht überleben. Es entsteht ein natürliches Ausleseverfahren, mit dem die Natur sich gegen alle äußeren Einwirkungen wehren kann.

Jede Anbaufläche stellt dabei ein eigenes Mikrosystem dar, in dem sich unterschiedliche Resistenzen bilden können. Die Unkräuter können verschiedene Resistenzen gegen verschiedene Herbizide aufbauen und dies auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Deshalb müssen die entsprechenden Resistenzsituationen klassifiziert werden, bevor wir Landwirten Handlungsoptionen zur Verfügung stellen können. Es ist nur möglich, praktische Alternativen anzubieten, wenn der Resistenztyp einwandfrei identifiziert wurde.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich eine Herbizidresistenz nicht wieder zurückbilden wird – auch dann, wenn der Landwirt über Jahre hinaus keine Herbizide mehr verwendet und der Vorteil der herbizidresistenten Pflanzen nicht mehr besteht. Die herbizidresistenten Pflanzen werden sich auch weiterhin fortpflanzen. Ihr Vorteil, resistent zu sein, erweist sich in diesem Fall nicht als nachträglich für die Fortpflanzung und spielt bei der natürlichen Aussortierung keine Rolle mehr. Wenn der Landwirt wieder Herbizide einsetzt, haben sie ihre Resistenz nicht verloren. Es gibt dadurch auch keine Möglichkeit, eine Herbizidresistenz auf den Feldern wieder rückgängig zu machen.

Wenn der genaue Resistenztyp festgestellt wurde, können gezielte chemische Maßnahmen ergriffen werden. Dadurch kann verhindert werden, dass die Selektion der resistenten Unkräuter beschleunigt wird. Der Landwirt kann dadurch noch länger profitablen Ackerbau betreiben. Mit den Ergebnissen aus dem Resistenztest können die Kulturen identifiziert werden, für die noch Bekämpfungsmöglichkeiten der entsprechenden Unkräuter bestehen. Abseits der chemischen Bekämpfungsmaßnahmen bieten sich aber noch weitere, nicht-chemische Möglichkeiten an, den Ackerfuchsschwanz zu bekämpfen. Diese sollten für einen langfristigen erfolgreichen Ackerbau unbedingt berücksichtigt werden.

Welche nicht-chemischen Maßnahmen das genau sind und wie effektiv diese sind, stellen wir Ihnen in unserem nächsten Artikel vor.

Quellen:

1) Lutman et.al 2014, A review of the effects of crop agronomy on the management of Alopecurus myosuroides, Weed Research, DOI: 10.1111/wre.12024 

2) Herrmann, J. 2016, Analysis of the spatial and temporal dynamics of herbicide resistance to ACCase- and ALS-Inhibitors in Alopecurus myosuroides Huds. and their causes, Dissertation an der TU Braunschweig, 2016