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08.06.2021

Vergleichender Mischfuttertest Nr. 95/2020 Milchleistungsfutter II aus Baden-Württemberg und Bayern

Vergleichender Mischfuttertest Nr. 95/2020 Milchleistungsfutter II aus Baden-Württemberg und Bayern

Lara-Sophie Huppertz

Verein Futtermitteltest e.V.

Themen

Viehhaltung Milch Rinder Futter und Fütterung

Zwischen Oktober und Dezember 2020 wurden in Baden-Württemberg und in Bayern elf Mischfutter für Milchkühe zur Ergänzung nach Leistung (MLF II) von insgesamt sieben Herstellern bzw. Werken geprüft. Eines der geprüften Milchleistungsfutter ist für den Einsatz im Öko-Betrieb vorgesehen.

Die getesteten Futtermittel wurden hinsichtlich der Energiekonzentration (NEL) und der Konzentrationen von Rohprotein, Rohfaser, Rohfett, Calcium, Phosphor sowie Stärke und ADFom überprüft. Im Mischfuttertest werden neben der Einhaltung der futtermittelrechtlichen Deklarationsvorgaben (Deklarationsprüfung) im Rahmen der fachlichen Bewertung auch rechtlich nicht relevante Abweichungen von der angegebenen Nährstoff- und Energiekonzentration bewertet. In die fachliche Bewertung fließen darüber hinaus die Aussagekraft der Einsatzempfehlung und das Entsprechen fachlicher Anforderungen ein.

Neun der getesteten Futtermittel wurden mit der Note 1 bewertet. Zweimal wurde die Note 3 vergeben.

Die Prüfung auf Einhaltung der Deklaration nach futtermittelrechtlichen Vorgaben ergab für alle elf Milchleistungsfutter eine Übereinstimmung mit den Angaben zur Energiekonzentration (NEL). Mit der Energiestufe 6,2 MJ NEL wurde ein, mit der Energiestufe 6,7 MJ NEL drei und mit der Energiestufe ≥ 7,0 MJ NEL sieben der getesteten Futtermittel korrekt deklariert.

Auch die Herstellerangaben zur Konzentration an Rohfett, Rohfaser sowie Calcium und Phosphor waren bei den elf getesteten Futtern futtermittelrechtlich korrekt.

Die Rohproteinkonzentration lag nach Angaben der Hersteller bei den elf Futtermitteln zwischen 16 und 20 %. Beim Produkt Energie 16/4 (ASAM Mangmühle, Weil) und dem Produkt Mifu MF - 18/4 (DEIKRA, Thannhausen) kam es zu einer rechtlich relevanten Abweichung von der deklarierten Rohrproteinkonzentration. Statt den deklarierten 16 und 18 % ergab die Überprüfung eine Rohproteinkonzentration von 12,5 und 15,4 %. Bei den anderen neun getesteten Futtermitteln war die Rohproteinkonzentration futtermittelrechtlich korrekt deklariert.

Ausführliche Erläuterungen des VFT, Richtwerte zur Nährstoffausstattung der Futter und weitere Anforderungen des VFT sind im Internet unter www.futtermitteltest.de erhältlich. Dort sind auch die Ergebnisse verschiedener Regionen und Futtertypen zu finden.

 

Kommentierung der Ergebnisse

Die Überschreitung der deklarierten Energie-Konzentration bei einem Milchleistungsfutter blieb ohne Konsequenz für die Bewertung (Note 1). Das Milchleistungsfutter war trotz höherer Energiekonzentration Rohprotein betont und konnte somit entsprechend des Fütterungshinweises dennoch zu Grundfutterrationen mit leichtem Eiweißmangel empfohlen werden. Die engeren Vorgaben des VFT (Richtwerte, Fütterungshinweis) erfüllten acht weitere Futterproben voll, so dass diese Proben die höchste Bewertung (Note 1) erhielten.

Die oben beschriebene Unterschreitung der deklarierten Rohproteinkonzentration bei zwei Produkten ist aus fachlicher Sicht kritisch zu bewerten. Beide Milchleistungsfutter sind somit nicht mehr wie ausgewiesen für den Einsatz bei ausgeglichenen Grundrationen zu empfehlen. Aus diesem Grund wurden beide Produkte mit der Note 3 bewertet. Um den Proteinbedarf der Milchkühe decken zu können, ist eine verlässliche Deklaration der Rohproteinkonzentration unabdingbar. Fachlich wünschenswert wären außerdem die Angabe der Konzentration von nutzbarem Rohprotein oder/und die Angabe der Ruminalen Stickstoffbilanz.

Nur bei sieben der elf getesteten Milchleistungsfutter wurden diese Angaben gemacht. Der Einsatz geschützter Proteine konnte der Deklaration bei zwei Milchleistungsfuttern entnommen werden. Futterharnstoff war in keinem der getesteten Futter enthalten.

Im Bereich der Kohlenhydrate variierten die Konzentrationen für ADFom (8,2 bis 14,9 %), Rohfaser (5,7 bis 10,9 %) und Stärke (18,7 bis 34,8 %) zwischen den getesteten Milchleistungsfuttern deutlich. Folglich wären für die Rationsplanung neben der verpflichtenden Deklaration der Rohfaserkonzentration auch die Angaben zur Konzentration von ADFom und Stärke wünschenswert. Bei sechs Futtermittel können hierzu indirekt über den angegeben, prozentualen Gemengeanteil der Einzelkomponenten Rückschlüsse gezogen werden.

Überschüsse in der Phosphorversorgung zu vermeiden ist in der Planung von Milchviehrationen so wichtig wie die Gewährleistung der Bedarfsdeckung. Um wie beabsichtigt mit dem Einsatz eines kg Milchleistungsfutter, den Phosphorbedarf für zwei kg Milch zu decken, ist eine Konzentration von 0,3 bis 0,4 % Phosphor notwendig. Sowohl die deklarierten (0,45 bis 0,75 %) als auch die analysierten Phosphorkonzentrationen (0,50 bis 0,78 %) lagen bei allen Produkten höher. Die geringste Phosphorkonzentration wies neben dem öko Milchleistungsfutter (Milchviehfutter M 18/4 von meika, Großaitingen) die Sondermischung HEMO 18/4 Schnitzel (Likra West, Ingolstadt) auf. Beide Produkte enthielten, wie auch sieben weitere Milchleistungsfutter die phosphorreichen Komponenten Rapskuchen (im Öko-Produkt) bzw. Rapsextraktionsschrot. Auch die beiden Produkte ohne Raps-Komponenten wiesen eine hohe Phosphorkonzentration auf. Hierzu trugen bspw. die Komponenten Weizenkleie, Weizentrockenschlempe und Sonnenblumenextraktionsschrot bei. Daher ist eine genaue Deklaration bzgl. Phosphor wichtig, um dies ggf. im Rahmen der Rationsoptimierung berücksichtigen zu können.

Angaben zu Stickstoff und Phosphat für die Stoffstrombilanz wurden bei acht Mischfuttern gemacht. Neun der zehn Milchleistungsfutter für den Einsatz im konventionellen Milchviehbetrieb wurden VLOG-geprüft.

Die Testergebnisse gelten nur für die geprüften Futter. Sie gelten nicht für das übrige Produktionsprogramm der beteiligten Hersteller und sind nicht auf längere Zeiträume übertragbar.

Die Prüfung von Mischfutter durch den Verein Futtermitteltest e.V. wird insbesondere durch Zuschüsse des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMEL) gefördert.