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14.07.2021

Genom-Editierung bei Lebensmitteln – wie reagieren Bürger? Studie der Universitäten Göttingen und British Columbia

Genom-Editierung bei Lebensmitteln – wie reagieren Bürger? Studie der Universitäten Göttingen und British Columbia

Leopold Tafel

idw - Informationsdienst Wissenschaft

Themen

Politik Gesellschaft Markt Technik

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit

Georg-August-Universität Göttingen

Ein Forschungsteam der Universität Göttingen und der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) hat untersucht, wie Bürgerinnen und Bürger in fünf verschiedenen Ländern auf verschiedene Anwendungen der Genom-Editierung in der Landwirtschaft reagieren, welche Anwendungen akzeptiert werden und wie Risiken und Nutzen der neuen Züchtungstechnologien eingeschätzt werden. Die Ergebnisse zeigen nur geringe Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern (Deutschland, Italien, Kanada, Österreich und USA). In allen Ländern werden Veränderungen des Genoms bei Nutzpflanzen eher akzeptiert als bei Nutztieren. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Agriculture and Human Values erschienen.

Relativ neue Züchtungstechnologien wie die Gen-Editierung, zum Beispiel mittels der sogenannten Genschere CRISPR-Cas/9, ermöglichen viele neue Anwendungen in der Pflanzen- und Tierzucht. In der EU fällt die Technologie unter die Gesetzgebung der Gentechnik und ist damit starken Einschränkungen unterworfen. Diese Entscheidung wird jedoch kontrovers diskutiert. Zwischen Juni und November 2019 befragte das Forschungsteam rund 3.700 Menschen aus fünf Ländern online zu dieser Thematik. Dazu wurden fünf verschiedene Anwendungsbeispiele der Gen-Editierung analysiert. Drei Anwendungen beziehen sich auf Krankheitsresistenz in den drei Spezies Mensch, Pflanze, Tier; zwei Anwendungen beziehen sich auf unterschiedliche Ziele bei gleicher Spezies (Veränderung der Produktqualität beziehungsweise -quantität beim Rind). 

„Wir konnten beobachten, dass der Zweck der Genänderung eine große Rolle für die Bewertung spielt“, sagt Erstautorin Dr. Gesa Busch von der Universität Göttingen. „Wird die Technologie eingesetzt, um Tiere resistent gegen Krankheiten zu machen, ist die Zustimmung größer als wenn die Technologie eingesetzt wird, um Leistung der Tiere zu erhöhen.“ Insgesamt reagierten die Befragten aber sehr unterschiedlich auf die Anwendung der neuen Züchtungsmethode. Es lassen sich vier verschiedene Gruppen identifizieren: stark Befürwortende, Befürwortende, Neutrale und Ablehnende der Technologie. Die Gruppe der Ablehnenden (24 Prozent) empfindet starke Risiken und plädiert für ein Verbot der Technologie, unabhängig von möglichen Vorteilen. Die stark Befürwortenden (21 Prozent) sehen wenig Risiken und viele Vorteile, die Befürwortenden (26 Prozent) sehen viele Vorteile aber auch Risiken und die Neutralen (29 Prozent) zeigen keine pointierten Meinungen zu der Thematik.

Quelle: idw