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15.11.2021

Vergleichender Mischfuttertest Nr. 41/21 Ergänzungsfutter für Aufzuchtkälber aus Bayern und Baden-Württemberg

Vergleichender Mischfuttertest Nr. 41/21 Ergänzungsfutter für Aufzuchtkälber aus Bayern und Baden-Württemberg

Die Redaktion

Verein Futtermitteltest e.V.

Themen

Viehhaltung Rinder Futter und Fütterung Betriebsmittel

Zwischen März und Juni 2021 wurden in Bayern und Baden-Württemberg sieben verschiedene Kälberergänzungsfutter von sechs Herstellern bzw. Inverkehrbringern geprüft. Das Kälberergänzungsfutter Kälberkorn „KK“ von DEIKRA Thannhausen wurde doppelt beprobt, d.h. es wurden Proben aus zwei verschiedenen Partien gezogen. Insgesamt wurden somit acht Proben genommen. Mit dem Kälberkorn von Meika Großaitingen war ein Ökofutter vertreten. Die deklarierten Nährstoffgehalte wurden nach futtermittelrechtlichen Vorgaben in drei Fällen nicht erreicht. Bei vier Futterproben wurden die engeren Vorgaben des VFT (Richtwerte, Fütterungshinweis) voll erfüllt, ein Futter wies lediglich einen höheren Calciumgehalt auf, so dass diese Proben die höchste Bewertung „1“ erhielten. Bei drei Futterproben gab es im Rahmen der VFT-Beurteilung aber mehrere Auffälligkeiten, so dass diese mit „2“ bewertet wurden:

Kälberkorn „KK“ von DEIKRA Thannhausen und Oberpfälzer Pansenstarter von Hamburger Leistungsfutter wegen Energie-Überschreitung und Calcium-Untergehalt

Das Salvana Kälbermix von SALVANA Tiernahrung wurde wegen eines Rohprotein-Untergehalts und eines knappen Calcium-Gehalts in „3“ abgestuft. Bei drei der sieben geprüften Futter waren die Anteile der verwendeten Komponenten in Prozent angegeben, was zwar nicht vorgeschrieben, für die Einsatzplanung jedoch nützlich ist. Keines der sieben Futtermittel enthielt gentechnisch veränderte Organismen.

1) mit Phytase; 2) Summe aus nativem Methionin, DL-Methionin und Met-Äquivalenz-Wert von Methionin-Hydroxy-Analog (MHA); 3) äquivalenter Anteil aus MHA; 4) Zusatz des Wirkstoffs MHA; 5) Befund MHA

1) mit Phytase

 

Kommentierung der Ergebnisse

Fütterungshinweise und Deklaration – Fütterungshinweise sind für den Landwirt wichtig, um ihm Tipps auf Einsatzzeitraum und -mengen, Besonderheiten oder zu ergänzende Grobfuttermittel zu geben. Die empfohlenen Einsatzmengen erstreckten sich je nach Alter bis zu 3,0 kg pro Tier und Tag bzw. 50 % der Tagesmenge und wurden von allen Herstellern angegeben bzw. auf eine betriebsindividuelle Rationsberechnung verwiesen. Bei vier Futtermitteln sind die Gehalte an Stickstoff und Phosphat pro Kilogramm Futtermittel angegeben. Dies ist für die Erstellung einer Stoffstrombilanz im Sinne einer Hoftorbilanz durchaus hilfreich. Bei einem Ergänzungsfuttermittel für Kälber soll eine obere Begrenzung die zusätzliche Aufnahme von Heu oder Stroh fördern. Der Hinweis „zur freien Aufnahme“ ist bei einem Ergänzungsfutter daher nicht sinnvoll. Ebenso wenig ist es Aufgabe des Kraftfutters, durch einen hohen Rohfasergehalt/ Strukturgehalt für eine frühzeitige Pansenentwicklung zu sorgen. Wichtig ist dagegen der Hinweis auf ausreichende Wasserversorgung, da dies nicht nur nach Tierschutz Nutztierhaltungsverordnung bei Kälbern über zwei Wochen vorgeschrieben, sondern auch wichtig für eine Aufnahme von Kraftfutter und Heu ist und damit eine frühzeitige Pansenentwicklung des Kalbes fördert.

Energie – Das Futteraufnahmevermögen bei Kälbern ist noch sehr gering, weshalb für eine intensive Kälberaufzucht mindestens 10,8 MJ ME/kg (entspricht Energiestufe „3“) empfohlen wird und 10,2 MJ ME nicht unterschritten werden dürfen. Dies war bei allen Futtermitteln gegeben. Eine Überschreitung des angegebenen Energiegehaltes sollte vermieden werden, muss aber nicht nachteilig sein.

Protein – der angegebene Proteingehalt lag zwischen 16 und 18 % und wurde nach futtermittelrechtlichen Vorgaben mit einer Ausnahme auch eingehalten. Ein Kälberaufzuchtfutter sollte bei Einsatzmengen bis zu 2 kg pro Tag ca. 16 - 18 % Protein enthalten, um ein zügiges Wachstum zu gewährleisten. Nur bei der Ergänzung während der Tränkeperiode oder zu proteinreichem Grobfutter sind auch geringere Gehalte im Ergänzer möglich.

 

Der Einsatz von geschütztem Eiweiß (zwei Futtermittel) ist in der Kälberaufzucht im Regelfall nicht notwendig.

Mineralstoffe – von allen Entwicklungsphasen eines Rindes haben Kälber aufgrund des Wachstums den höchsten Mineralstoffbedarf. Die VFT-Richtwerte von 1,0 % Calcium und 0,45 % Phosphor im Kraftfutter sollten v.a. nach dem Absetzen der Tränke eingehalten werden. Niedrigere Gehalte, auch wenn so konzipiert, sind zu bemängeln und führen zur Abwertung. Ein niedrigerer Rohaschegehalt als angegeben ist natürlich keinesfalls schädlich.

Zusatzstoffe – Bei Kälberaufzuchtfutter wird ein Zusatz von mindestens 8.000 IE Vit. A und 1.000 IE Vit D pro kg Frischmasse empfohlen. Daneben ist auch noch ein ausreichend hoher Vitamin E Gehalt für Wachstum und Stärkung des Immunsystems wichtig. Auch diverse Spurenelemente wurden zugesetzt, bei vier Futtermittel u. a. Kobalt. Nach den rechtlichen Vorgaben ist der Einsatz nur bei voll entwickeltem Pansen zugelassen, was auch bei den betreffenden Herstellern auf dem Fütterungshinweis steht und zu beachten ist. Der Fütterungshinweis „der Kupfergehalt dieses Futtermittels kann bei Rindern, die auf Weiden mit hohem Molybdän- oder Schwefelgehalt gehalten werden, zu Kupfermangel führen“ sollte nicht dazu führen, Kupfer über Mineralfutter im Übermaß zuzusetzen, sondern dazu anregen, neben der Mengen- auch einmal die Spurenelementversorgung im eigenen Grobfutter untersuchen zu lassen.

Die hier aufgeführten Ergebnisse beziehen sich auf die geprüften Chargen und sind nicht auf andere Produkte oder Zeiträume übertragbar.