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25.11.2021

Huminsäuren als Futtermittelzusatz bei Milchziegen

Huminsäuren als Futtermittelzusatz bei Milchziegen

Jenny Gronostay

Humintech

Themen

Wachstumsregler Viehhaltung Milch Bio Futter und Fütterung Normen und Vorschriften Nachhaltige Landwirtschaft

Natürlicher Wachstumsregler, mehr Milchleistung, robuste Gesundheit und weniger Emissionen.

Die Milchziegensituation in Deutschland und weltweit

Knochenfunde aus dem Iran und Irak belegen, dass Ziegen und Schafe schon vor rund 10.000 Jahren als Haustiere gehalten wurden. Damit gehören sie mit dem Hund zu den ältesten Haus- und Nutztieren der Welt. Ziegen sind anpassungsfähig und genügsam und bieten neben Fleisch und Milch auch Leder und gelegentlich Wolle. Über 750 Millionen Ziegen werden weltweit gehalten, in Europa sind es rund 20 Millionen, hauptsächlich in Frankreich, Griechenland und Spanien. In Deutschland sind es rund 150.000 Ziegen, knapp die Hälfte davon in Bayern und Baden-Würtemberg. In Deutschland überwiegt die Milchziegenhaltung, gezüchtet werden dafür meist die Saanenziege, die Bunte Deutsche Edelziege und die Thüringer Waldziege.

Typische Probleme in der Milchziegenhaltung

Eine gesunde Ziege ist sauber, aufmerksam und sozial. Sie verbringt den Abend widerkäuend und scheidet über den Tag gut geformte Kotbällchen aus.

Schwerer zu erkennen ist die Ursache der kranken Ziege. Bei Durchfall kommen Endoparasiten wie Magen-Darm-Strongyliden, Bandwürmer oder Kokzidien infrage. Ektoparasitenbefall geht mit Juckreiz und Hautveränderungen einher, beispielsweise bei Haarlingen, Läusen oder Räudemilben. Schadbakterien können Pseudotuberkulose oder Listeriose auslösen, Haltungs- oder Fütterungsfehler machen die Ziegen anfällig für Lungenentzündungen oder die Weißmuskelkrankheit.

Lösungen dieser Probleme durch Mutter Natur

Diese Probleme sind auf ein Ungleichgewicht gesundheitserhaltender Faktoren zurückzuführen.

Neben der guten Stallhygiene (trockenes Streu, saubere Futtertröge und Tränken, gute Belüftung) und der guten Versorgung mit Mikro- und Makronährstoffen ist vor allem eine möglichst stressarme Umgebung wichtig. Da viele Erreger quasi überall vorhanden sind und über Monate und sogar Jahre überleben, kann nur bei der Gesundheitsprophylaxe in Form von Stressresistenz und einem intakten Immunsystem der Ziegen angesetzt werden; Salutogenese ist das Schlagwort dazu. Denn Krankheiten wie Lippengrind, Paratuberkulose oder Clostridien-Enterotoxämie treten besonders bei geschwächten oder gestressten Tieren auf.

Wissen der alten Römer

Natürliche Futtermittelzusätze gibt es wie Sand am Meer. Eines der ältesten kommt aus der Erde – Huminstoffe. Wenn Tiere die Gelegenheit haben, nehmen sie diese selbstständig auf. Die Erfolgsgeschichten, alt wie neu, sind vielfältig. Während schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts trächtigen und laktierenden Tieren Futterkohle gefüttert wurde, belegen heute wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Huminstoffe für Milchbildung und Gesunderhaltung. Übrigens: erstmalig erwähnt wurde Kohle als Futterzusatz ca. 150 v. Chr. – Senator Cato der Ältere lobte in seiner Schrift de agri cultura den gesundheitsförderlichen Einfluss von Kohle in der Rinderfütterung.

Mehr Milch, weniger Cholesterin

In der Milchziegenhaltung ist die Wirkung von Huminstoffen beispielsweise durch die Studie „Using humic acid in diets for dairy goats“ von Taskin Degirmencioglu für das Department of Feed Technology and Animal Nutrition untermauert. In einer randomisierten Studie mit zwei Testgruppen und einer Kontrollgruppe wurden Saanen-Ziegen während der Laktationsphase dreimal drei Monate lang beobachtet. Die Testgruppen erhielten ein oder drei Gramm Huminsäuren pro Kilo Körpergewicht, die Kontrollgruppe dementsprechend gar keine Huminsäuren. Die Milchbildung in den Testgruppen stieg signifikant an, während die Zusammensetzung gleich blieb. Der Cholesterinspiegel im Blut sank dafür – weniger LDL bedeutet auch eine geringere Anfälligkeit für Krankheiten.

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement durch schwarzes Gold

Huminsäuren sind eine Breitbandanwendung für Krankheitserreger aller Art – und dabei für die Gesundheit von Umwelt, Tier und Mensch förderlich. Beispielsweise hemmen Huminsäuren das pathogene Wachstum von Schimmelpilzen und Bakterien, binden Schwermetalle, Myko- und Endotoxine, gleichen den pH-Wert im Darm aus und fördern ein gesundes Mikrobiom. Sie bilden einen Schutzfilm, der die Anfälligkeit für Schädlinge wie Würmer oder Milben verringert.

Gesunde Kitze, resistente Muttertiere

Darüber hinaus können sie auch therapeutische Wirkung erzielen; Zugaben von aquatischen Fulvosäuren oder Huminsäuren können entzündungshemmend wirken und den gesamten Stoffwechsel in seinen Funktionen unterstützen – die Tiere werden dadurch widerstandsfähiger gegen Hitze, Wind oder Regen, sie verdauen besser, wachsen schneller und gebären größere Kitze. Wenn sie doch erkranken, kann die Zugabe von Huminstoffen die Genesung beschleunigen. Mit Huminstoffen konnten Heilungserfolge bei Maul- und Klauenseuche erzielt werden, ebenso zeigten Huminsäuren selektive blockierende Wirkung gegen die folgenden untersuchten Viren: Herpes simplex, Coxsackie A9, Influenza A, Rhinovirus 1B, Cytomegalovirus, HIV-1 und 2. Man geht davon aus, dass die Humate mit den Viren Komplexe bilden und diese daher nicht adsorbiert werden können.

Mikrobiom statt Antibiotika

Gesundheit erwächst aus einem gesunden Gleichgewicht. Huminstoffe regulieren jedes Mikrobiom zum Optimum hin – sei es nun das Stallklima, die Darm- und Hautflora, das Gleichgewicht im Futter oder die Verbesserung der Trinkwasserqualität. Gesunde Ziegen scheiden weniger Ammoniak, Stickstoff und Methan aus – das ist nicht nur gut für’s Klima, das riecht man auch (oder eben nicht mehr). Huminstoffe können prophylaktische Antibiotika ersetzen – das ist gut für den Geldbeutel, die Umwelt und den Endverbraucher. Ein ausgewogenes Mikrobiom bringt zudem Ruhe in den Stall: die Tiere sind gelassener – manchmal auch ausgelassener – und in jedem Fall glücklicher.

Wo kommen Huminsäuren her

Organische Materie im Boden kann drei Zustände haben: Lebende Pflanzen und Tiere, tote Pflanzen und Tiere sowie zersetze Pflanzen und Tiere. Letzteres bezeichnet man als Huminstoffe. Je nach Ausgangsmaterial und Dauer des Dekompostierens ergeben sich verschiedene Huminstoffgehalte und Funktionen. Während frischer Kompost Pflanzen als Nährhumus dient, können Torf und Biokohle bereits ihre ausgleichende Wirkung entfalten. Extrahierte Huminstoffe aus oxidierter Braunkohle, sogenanntem Leonardit, dienen als Dauerhumus und haben eine sehr hohe Wirksamkeit. Daher reichen sehr kleine Mengen aus, um einen bedeutenden Unterschied für die Gesundheit der Ziegen zu machen.

Anwendungsempfehlungen

Humedor® eignet sich für die Anwendung im Stall. In einem sauberen Stall regelmäßig aufgebracht verringert es die Geruchsbildung und das Auftreten von Stallparasiten wie Fliegen. Ein starkes Mikrobiom kann einen besseren Schutz vor der Entwicklung von Krankheitserregern als Desinfektionsmittel bieten. Humedor® verringert zudem die Geruchsemissionen von Methan, Lachgas, Schwefelwasserstoff und Ammoniak um 99 %.

Unsere hocheffektiven aquatischen Fulvosäuren und pulverisierten Huminsäuren können dem Trinkwasser und Futter beigemischt werden. Futterzusätze sollten individuell angepasst werden, Ihr Ansprechpartner für nähere Informationen ist Beny Varon, er spricht englisch.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Futterkohle oder gar Huminstoffen? Was sind die häufigsten Probleme oder größten Ängste in Ihrer Milchziegenhaltung? Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

Quellen:

Using Humic Acids in Diets for Dairy Goats

Milchziegenhaltung im Biobetrieb

Humic Acid Substances in Animal Agriculture