Zurück zur Übersicht

27.12.2021

Vergleichender Mischfuttertest Nr. 56/21: Ergänzungsfutter für Lämmer, Ergänzungsfutter für Mutterschafe und Lämmer, aus verschiedenen Regionen Deutschlands

Vergleichender Mischfuttertest Nr. 56/21: Ergänzungsfutter für Lämmer, Ergänzungsfutter für Mutterschafe und Lämmer, aus verschiedenen Regionen Deutschlands

Redaktion VFT e.V.

Verein Futtermitteltest (VFT) e.V.

Themen

Viehhaltung Futter und Fütterung

Im ersten Halbjahr 2021 wurden vom Verein Futtermitteltest e.V. im Rahmen des vorliegenden bundesweiten Warentests acht Proben Ergänzungsfutter für Lämmer sowie fünf Proben Ergänzungsfutter zur Fütterung sowohl von Mutterschafen als auch Lämmern untersucht und beurteilt.

Die Energiegehalte der Testfutter bewegten sich nach Herstellerangaben zwischen 10,2 und 11,0 MJ ME/kg, die deklarierten Rohproteingehalte betrugen 16,0 bis 19,0 %. Bei einem Ergänzungsfutter wurde die Zusammensetzung der Einzelkomponenten auf freiwilliger Basis zusätzlich mit den jeweiligen prozentualen Anteilen ausgewiesen.

Hinweise zur Vorgehensweise bei der Prüfung und zu den Kriterien der Bewertung der Futtermittel durch den Verein Futtermitteltest (VFT) sowie die Ergebnisse weiterer Testreihen sind im Internet unter www.futtermitteltest.de abrufbar.

Kommentierung der Ergebnisse

Die Prüfung der Inhaltstoffe ergab im Rahmen der Deklarationsüberprüfung (Tabelle A) die Einhaltung der Herstellerangaben für Nährstoffe und Energie bei allen Futtern der vorliegenden Testreihe.

Im zweiten Teil der Warentestprüfung werden die Nährstoffgehalte der Ergänzungsfutter den in den Bewertungsschemata zugrunde gelegten Richtwerten gegenübergestellt und beurteilt. Außerdem erfolgt eine fachliche Bewertung der Fütterungsempfehlungen der Hersteller (Fütterungshinweis auf dem Sackanhänger) auf Basis des vorgegebenen Einsatzgebietes.

Der Nährstoffbedarf der Mutterschafe und Lämmer ist abhängig vom jeweiligen Leistungsniveau. Für eine ausreichende Deckung des Nährstoff- und Energiebedarfes in Verbindung mit einer optimalen Ausnutzung des Leistungsvermögens der Tiere wird sowohl in der Laktation als auch in der intensiven Lämmermast der Einsatz von Mischfutter mit einer höheren Energiedichte empfohlen. Im vorliegenden Test bestand mit deklarierten Energiegehalten von 10,2 bis 11,0 MJ ME/kg Futter ein gutes Angebot an Ergänzungsfuttern für niedrige, mittlere und hohe Leistungsbereiche. Beim Ergänzungsfutter für Lämmer (BKF BELZIGER, Belzig) wurde bei einer von drei sowie beim Kombiprodukt L160 (PAFAHG, Auma) wurde bei einer von zwei geprüften Chargen der vom Hersteller angegebene Energiegehalt gemäß Untersuchungsbefund der Labore überschritten. Dies führte zwar zu keiner Abwertung der Futter, dennoch sollte der deklarierte Energiegehalt vor dem Hintergrund einer bedarfsgerechten Rationsgestaltung entsprechend eingehalten werden. Der für Ergänzungsfutter für Mutterschafe und Mastlämmer fachlich geforderte Mindestrohproteingehalt von 16 % wurde bei allen geprüften Ergänzungsfuttern der Testreihe erreicht.

Neben den absoluten Gehalten an Calcium und Phosphor ist bei Schafen auch das Verhältnis von Calcium zu Phosphor von Bedeutung, da männliche Schafe bei einem zu engen Ca:P-Verhältnis zur Bildung von Harnsteinen neigen. Deshalb sollte im Lämmermastfutter ein weites Ca:P-Verhältnis von mindestens 2,5:1, besser noch 3:1 angestrebt werden. Diese Vorgabe ist auch bei Kombiprodukten zur Fütterung von Mutterschafen und Lämmern zu erfüllen. Dementsprechend kritisch ist anzumerken, dass drei der geprüften Mischfutter (ATR Lämmermast 18 % Golzern gepr. (ATR, Golzern), eine Charge L160 (PAFAHG, Auma) und das Futter Schaf-Kombi Pell (AGRAVIS, Neuss) diesen Anforderungen nicht entsprachen, was zur Abwertung dieser Futter bzw. der in Rede stehenden Charge auf Note 2 führte. Des Weiteren wurde bei letztgenanntem Ergänzungsfutter mit einem deklarierten Ca-Gehalt von 1,10 % der fachlich geforderte Mindestgehalt von 1,25 % je kg unterschritten.   

Beim Schaf ist der Bereich zwischen Kupferbedarf und toxischer Konzentration im Futter sehr eng gefasst. Als maximal tolerierbarer Bereich werden in der Fachliteratur 12-15 mg Kupfer je kg Futtertrockenmasse in Abhängigkeit von der Empfindlichkeit der Schafrasse angegeben. Für Alleinfutter für Schafe wurde deshalb vorsorglich ein Maximalwert von 15 mg/kg Kupfer im Falle einer zusätzlichen Kupferergänzung gesetzlich vorgeschrieben. Lämmer gelten als noch empfindlicher im Vergleich zu ausgewachsenen Tieren. Deshalb enthalten Kraftfutter für Mutterschafe und Lämmer in der Regel kein zusätzlich zugesetztes Kupfer, so auch in der vorliegenden Testreihe. Beachtet werden muss jedoch auch die nativ im Futter enthaltene Kupferkonzentration. Die Analysenwerte der nativen Kupfergehalte bewegten sich bei den untersuchten Mischfuttern innerhalb einer sehr weiten Spanne von 6,1 bis 41,6 mg/kg. Der Spitzenwert von 41,6 mg/kg wurde beim Schaffutter-NON-GMO, LEIKRA, Leipzig festgestellt. Dieser Wert überschreitet die beim Schaf maximal tolerierbaren Gehalte von 12-15 mg Kupfer je kg Futtertrockenmasse um fast das Dreifache, womit das Futter auf Note „3“ abgestuft wurde.

Bei der fachlichen Bewertung werden auch Angaben zum Einsatzzweck berücksichtigt, die aus dem Fütterungshinweis und den Herstellerangaben hervorgehen. Größtenteils konnten die Fütterungshinweise der geprüften Futter als ausreichend für den Einsatzzweck bewertet werden.

Neben dem eigentlichen Fütterungshinweis weisen einige der geprüften Mischfutter einen zusätzlichen Warnhinweis zur maximalen täglichen Einsatzmenge aufgrund der enthaltenen höheren Zusatzstoffgehalte auf. Als maximale Einsatzmenge wird beispielsweise für ein Kombiprodukt in der vorliegenden Testreihe 50 % der Tagesration angesetzt, was praxisüblichen maximalen Einsatzmengen bei hochleistenden Mutterschafen entspricht. Bei einem Ergänzungsfutter für Lämmer liegt die maximale tägliche Einsatzmenge gemäß Warnhinweis bei 90 %, bei zwei anderen bei 40 bzw. 45 % der Tagesration. Die bei den letzten beiden Produkten hieraus folgende angenommene Grundfutteraufnahme der Lämmer von etwa 55-60 % entspricht nicht den Praxisbedingungen bei einer intensiven Lämmermast, da diese unter üblichen Mastbedingungen geringere Anteile an Grundfutter in der Tagesration aufweist. Dies sollte zukünftig in der Mischfutterkonzeption entsprechend berücksichtigt werden, um überhöhte Aufnahmen an Zusatzstoffen zu vermeiden.   

Die Testergebnisse und ihre Interpretationen gelten ausschließlich für die geprüften Chargen und sind auf andere Produkte oder Zeiträume nicht übertragbar.