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04.05.2019

Blattlaus- und Schädlingsbekämpfung in Zuckerrüben

Blattlaus- und Schädlingsbekämpfung in Zuckerrüben

Ferenc Kornis

N.U. Agrar GmbH - Allgemein

Topics

Pflanzenschutz Insektizid

Durch den Wegfall der Neonicotinoid-Beizen bedeuten vor allem virusübertragende Blattläuse

eine nicht unerhebliche Gefahr für die Zuckerrüben. Vom Auflaufen an ist der Blattlauszuflug mit geeigneten Mitteln (Gelbschalen, Klebetafeln) zu kontrollieren. Insbesondere die Grüne Pfirsichblattlaus als potentester Virusvektor muss konsequent bekämpft werden.

Dafür haben mittlerweile drei Produkte eine Notfallzulassung erhalten. Die Neonicotinoide „Carnadine“ und „Mospilan“ (Acetamiprid) sowie das „Teppeki“ (Flonicamid):

  • Carnadine darf zweimal eingesetzt werden. Die zugelassene Aufwandmenge beträgt je nach Intensität des Befalls jeweils 200 bis 250 ml/ha.

  • Mospilan ist mit 250 ml/ha zugelassen. Es darf allerdings nur eine Spritzung erfolgen, die zudem als „Bandbehandlung“ (Bandspritzung) durchgeführt wird.

  • Teppeki darf ebenfalls nur einmal eingesetzt werden.

Die Aufwandmenge beträgt 140 g/ha.

Alle genannten Präparate haben eine systemische Wirkung, werden aber nur akropetal, d.h. in Richtung Blattrand verteilt. Nicht getroffene neuzuwachsende Blätter bleiben ungeschützt, sodass bei anhaltendem Zuflug auch mit systemischen Spezialprodukten wiederholt behandelt werden muss. Weiterhin steht mit dem Pirimicarb (Pirimor Granulat) ein zusätzlicher Wirkstoff (noch) zur Verfügung, dessen Wirksamkeit je nach Resistenzsituation der örtlichen Myzus-Population stark variieren kann. Nach einer Pirimor-Spritzung sollte der Erfolg der Maßnahme dringend kontrolliert werden, um bei etwaiger Resistenz noch reagieren zu können. Pirimicarb wirkt über eine kurze Dampfphase und ist nicht systemisch. Der Einsatz erfolgt mit 300 g/ha. Die Ausbringung sollte mit wenigstens 200 l/ha Spritzbrühe erfolgen.

Von Spritzungen mit Pyrethroiden gegen Blattläuse ist dagegen abzuraten, da aufgrund der fortgeschrittenen Resistenzsituation keine Wirkung mehr gegen die Pfirsichblattlaus zu erwarten ist. Der L��usedruck wird durch das Ausschalten der nicht Pyrethroid resistenten Gegenspieler eher noch verschärft.

Zudem sitzen sowohl die Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) als auch die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) versteckt im Herz der Rübe oder unter den Blättern, wo sie von Kontaktinsektiziden (wie z.B. Pyrethroiden) ohnehin nur unzureichend getroffen werden.

Eine Spritzfolge gegen Läuse könnte demnach folgendermaßen aussehen:

1. 300 g/ha Pirimor

2. 200 l/ha Carnadine (oder: Mospilan SG, wenn eine Bandspritzung möglich ist)

3. 140 g/ha Teppeki

Bei warmer Witterung könnte der Erstzuflug noch in die Phase der Herbizidbehandlungen fallen. Von Mischungen von Insektiziden mit Herbiziden ist in Zuckerrüben aber abzuraten.

Im Rahmen einer integrierten Bekämpfungsstrategie ist auch phytosanitären Aspekten Rechnung zu tragen. So geht eine dauerhafte Infektionsgefahr von alten Rübenköpfen aus, da sich die zufliegenden Läuse dort mit Viren beladen können. Eine konsequente Beseitigung ist mechanisch (vor Sommerungen) oder chemisch (in bereits etablierten Winterungen) dringend erforderlich.

Problem: Lebendüberwinterung der Blattläuse

Teile einer Myzus-Population überwintern nicht im Eistadium am Winterwirt (Holozyklus), sondern als Imago (ausgewachsene Laus) an krautigen Pflanzen und im Boden (Anholo-zyklus). Aufgrund der milden Winterwitterung haben diese Läuse zum größten Teil überlebt. Das ist aus zweierlei Hinsicht problematisch. Zum einen erfolgt der Zuflug in die Rüben früher, da die zeitraubende Entwicklung auf dem Winterwirt entfällt. Zum anderen besteht die Gefahr, dass sich lebendüberwinternde Läuse bereits im Herbst mit Viren beladen haben. Aus dem Ei am Winterwirt schlüpfende Läuse sind dagegen „sauber“ und müssen sich erst neu beladen.

Auflaufschädlinge in Zuckerrüben

Schaderreger

Vorläufige Bekämpfungsrichtwerte (nach JKI)

Moosknopfkäfer (Atomaria linearis)

20 % geschädigte Pflanzen bis BBCH 14

Rübenerdfloh (Chaetocnema sp.)

20 % Blattfläche vernichtet oder 40% geschädigte Pflanzen bis BBCH 12

Rübenfliege (Pegomyia hyoscyami)

Anteil mit Larven (Minen) befallener Pflanzen

10 / 20 / 30 % befallene Pfl. in BBCH 12 / 14 / 16

Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae)

Nach Erstfunden in Gelbschalen:

bis BBCH 39: 10 % befallene Pflanzen

Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae)

Rübenaaskäfer (Blitophaga sp., Silpha sp)

Gammaeule (Autographa gamma)

20 % Blattschaden

Erdraupen (Agrotis/ Euxoa/ Noctua spp.)

Mehr als eine angefressene Pflanze je 2 m²

Rübenmotte (Scrobipalpa ocellatella)

Mehr als 10 % Pflanzen mit Befall

Abgesehen von den virusübertragenden Läusen geht ohne systemische Beizkomponente auch eine höhere Gefährdung der Zuckerrüben von den typischen Auflaufschädlingen aus. Gegen den unterirdischen Fraß von Drahtwürmern, Tausendfüßlern oder Jungkäfern des Moosknopf-käfers kann nichts unternommen werden. Die Hauptlast liegt auf der verbliebenen Pyrethroid-Beize (Force 20 CS). Der Wirkstoff Tefluthrin wirkt nicht nur über direkten Kontakt, sondern bildet auch eine Dampfphase aus.

Zufliegende Schädlinge wie die Altkäfer des Moosknopfkäfers oder Rübenerdflöhe schädigen oberirdisch und können durch Insektizidspritzungen nach Übertreten der Schadschwelle bekämpft werden. Achtung: Gegen Moosknopfkäfer ist nur Decis forte zugelassen.

Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet. Wir können jedoch keine Gewährleistung für die Richtigkeit, insbesondere bei Veränderungen der aktuellen Zulassungssituation für Pflanzenschutzmittel übernehmen. Die Anwendungen erfolgen auf eigenes Risiko.

Letzte Änderung: 05.05.2019