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03.08.2019

Raps muss in der Fruchtfolge weiter gestellt werden!

Raps muss in der Fruchtfolge weiter gestellt werden!

Ferenc Kornis

N.U. Agrar GmbH - Grünes Info

Topics

Allgemein

Teilweise extreme Ertragsschwankungen des Winterraps auf vergleichbaren Standorten, aber mit unterschiedlichem Anteil an Raps in der Fruchtfolge. Und die im letzten Jahrzehnt erkenn-bare Rückläufigkeit der Rapserträge auf den Versuchsstandorten in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit enger, vorwiegend 3-jähriger Rapsfruchtfolge im Vergleich zu den Versuchsstandorten in Bayern und Baden-Württemberg, auf denen mit 4- bis 6-jährigem Raps-anbau regelmäßig über 50 dt/ha geerntet werden, lassen nur einen Schluss zu: Wir müssen den Raps in der Fruchtfolge weiter stellen.

Die Probleme, die sich durch die engen Rapsfruchtfolgen ergeben, sind zum einen der Durch-wuchsraps, der sich zwangsläufig mit dem häufigeren Rapsanbau einstellt, aber auch die stärkere Belastung mit Verticillium und Kohlhernie.

Durch die hohe Anbaudichte in einer Region steht häufiger auch Raps neben einem vorjährigen Rapsschlag. Dadurch steigt der Druck durch Schädlinge, vorwiegend mit Erdfloh, Kohlfliegen und Rapsglanzkäfern. Eine große Entlastung wird in dieser Hinsicht schon durch die Rayonierung des Anbaus erreicht, wenn mehrere Schläge mit Raps in einem Bereich (Gewann) zusammengefasst werden und zum vorjährigen Raps einen größeren Abstand eingehalten wird. Das widerspricht den Vorstellungen einer bunten Landschaft, bewirkt aber eine signifikante Reduktion des Insektizid-Aufwandes. Dazu gibt es Beispiele aus der Praxis.

Wir werden uns von den reinen Winterungsfruchtfolgen und vor allem vom engen, 3-jährigen Rapsanbau verabschieden müssen, wenn in den letzten 20 Jahren sechs- bis siebenmal Raps auf der gleichen Fläche bestellt wurde.

Bei einer aktuellen Belastung von 30 % Verticillium ist kurzfristig die Umstellung auf einen wenigstens 4-jährigen, besser 5-jährigen Rapsanbau dringend angeraten. Drei, selbst vier Jahre Anbaupause reichen aber nicht, um einen vorhandenen, massiven Besatz mit Kohlhernie oder eine stärkere Verticillium-Belastung signifikant einzudämmen.

Wenn Sie die Stoppeln bonitieren und mehr als 60 % weiße Stängel mit schwarzen Wurzeln zählen, die sich ganz leicht aus dem Boden ziehen lassen, hat das wenigstens 30 % Ertrag durch den Befall mit Verticillium gekostet. Bei einem derart stark mit Verticillium belasteten Schlag ist eine Anbaupause von mehr als 8 Jahren notwendig, um den Befall unter 10 % zu drücken. Um Kohlhernie einzudämmen, sind wenigstens 12 Jahre Anbaupause notwendig. Dann dürfen aber auch keine anderen Kreuzblütler als Zwischenfrucht oder als Unkraut vorhanden sein.

Winterraps bringt den Schlagkarteiauswertungen der N.U. Agrar GmbH zufolge in einer

4-jährigen Fruchtfolge um 4 bis 7 % mehr Ertrag als in 3-jährigen Rapsfruchtfolgen.

Bei 4-jähriger Anbaupause, also bei 5-jährigem Rapsanbau, ist gegenüber dem 3-jährigen Raps mit 8 bis 12 % höheren Erträgen zu rechnen.

Wurde allerdings über einen längeren Zeitraum von 20 Jahren alle 3 Jahre Raps angebaut, dann war der Ertragszuwachs durch die Umstellung von 3- auf 4-jährigem Rapsanbau mit 2 % Ertragszuwachs gering. Auch die Umstellung auf 5-jährigen Rapsanbau wirkte sich mit einem Ertragsplus von 4 % kurzfristig nicht so stark aus, wie erhofft wurde. Erst nach einer 5- bis 6-jährigen Anbaupause trat ein eklatanter Ertragsanstieg um 12 bis 18 % ein.

Was kommt als Alternative in Betracht?

Winter-Ackerbohnen oder Winter-Erbsen sind als Alternative für den Raps weniger geeignet, da sie zum einen die Winterungsfolge nicht unterbrechen und damit keinen Vorteil im Hinblick auf die Eindämmung von Ackerfuchsschwanz bieten. Zum anderen werden auch Leguminosen durch Verticillium und Sklerotinia befallen. Das Risiko ist beim Herbstanbau erheblich größer.

Eine signifikante Verminderung der Belastung mit Verticillium wird durch den Anbau von Getreide, Mais oder Zuckerrüben erreicht. Daraus ergibt sich statt bisher Raps – Getreide – Getreide (– Getreide) folgende mögliche 5-feldrige Fruchtfolge:

Raps – Getreide – Getreide – Sommerung (Mais, Hafer, Zuckerrüben) – Getreide

oder

Raps – Getreide – Sommerung (Mais, Hafer, Zuckerrüben) – Getreide – Getreide

Bei einem Verticillium-Besatz unter 30 % können auch Leguminosen (Ackerbohnen, Erbsen, Soja) als Sommerung angebaut werden. In diesem Fall sollte aber nach den Leguminosen Contans WG gespritzt werden, um den Besatz mit Sklerotinia einzudämmen.

Die Einschränkungen durch die DüV erfordern, dass wir den Reststickstoff nach Raps effektiv nutzen. Das wird durch folgende Fruchtfolge möglich:

Raps – Wintergerste - [ZwF] – Weizen – [ZwF] – Sommerung – Weizen oder Gerste

Vorteil dieser Fruchtfolge:

  • Die Wintergerste kann die Rücklieferung der Ernterückstände mit dem Rapsstroh besser verwerten.

  • Die Gerste muss nicht unter den Nachwirkungen von ALS-Hemmern im Weizen leiden.

  • Das Ramularia-Risiko ist nach Winterraps geringer.

  • Nach der Wintergerstenernte ist das Gerstenstroh bis zur Weizenaussaat zum Großteil abgebaut.

  • Nach der Wintergerste kann auch eine Zwischenfrucht vor Weizen angebaut werden.

  • Sinnvoll ist es, den Weizen nach Gerste mit Silthiofam (Latitude) zu beizen.

  • Nach dem Weizen kann eine Zwischenfrucht vor der nachfolgenden Sommerung angebaut werden, ohne dass sich diese zu üppig entwickelt.

Nachteile sind:

  • Möglicher Gerstendurchwuchs im Weizen.

  • Keine Ausbringung organischer Dünger zu Gerste nach Raps und zu Weizen möglich.

  • Betriebe mit hohem Anfall an Wirtschaftsdünger und der Notwendigkeit diesen im Herbst auszubringen, sind deshalb zum Fruchtfolgeglied Raps – Weizen – Gerste gezwungen. Diese Betriebe bauen i.d.R. Mais an. Dadurch ergibt sich die 5-feldrige Fruchtfolge Raps – Weizen – Wintergerste – [ZwF] – Mais – Getreide oder sogar als 4-jährige Fruchtfolge Raps – Weizen [ZwF] – Mais.

Fruchtfolge kurzfristig umstellen!

Bei einem Verticillium-Befall von mehr als 50 % ist es sinnvoll, noch in diesem Jahr zu handeln. Nach zwei- oder dreimal Getreide, statt der vollen vorgesehenen Rapsfläche nur die Hälfte mit Raps zu bestellen und die andere Hälfte im Frühjahr mit Mais, Hafer, Zuckerrüben oder auch Leguminosen, wenn der Verticillium-Befall unter 30 % lag.

Muss kein Wirtschaftsdünger ausgebracht werden, bietet es sich an, nach Raps bis zu 50 % der Fläche mit Wintergerste zu bestellen und auf den restlichen 50 % normal Weizen nach Raps anzubauen. Als Getreide nach Getreide kommt nach wie vor Wintergerste oder Weizen bzw. Roggen und Triticale in Betracht:

Jahr

Schlag 1

Schlag 2

Schlag 2

Schlag 4

Schlag 5

17/18

Getreide

Getreide

Getreide

Getreide

Raps

18/19

Getreide

Getreide

Raps

Raps

Getreide

19/20

Raps

Sommerung

Weizen

Gerste

Getreide

20/21

Gerste

Getreide

Sommerung

Weizen

Raps

21/22

Weizen

Raps

Getreide

Sommerung

Gerste

22/23

Sommerung

Gerste

Raps

Getreide

Weizen

23/24

Weizen

Weizen

Gerste

Raps

Sommerung

24/25

Raps

Sommerung

Weizen

Getreide

Getreide

Verticillium longisporum

Verticillium überdauert über 8 bis 10 Jahre als Mikrosklerotium im Boden. Auch andere Kreuzblütler, z.B. Zwischenfrüchte (Senf, Ölrettich) oder Unkräuter (Hirtentäschel, Hederich, Rauke-Arten), tragen als Wirtspflanzen zur Verbreitung von Verticillium bei. Erst durch drei-, besser noch 4jährige Anbaupause von Raps und konsequentes Heraushalten bzw. Bekämpfung von Kreuzblütlern in der Rapsfruchtfolge wird das Inokulum im Boden so weit verringert, dass das Schadrisiko abnimmt.

Verticillium keimt als Myzel aus den Mikrosklerotien. Das Myzel dringt durch Beschädigungen oder Schwachstellen der Wurzelrinde in die Rapswurzel ein und wächst in den Leitbahnen hoch. Solange die Rapspflanze noch fit ist und genug Cytokinine produziert, wird ein Befall nicht augenscheinlich, kann aber mit dem ELISA-Test nachgewiesen werden.

Erst wenn die Alterung der Rapspflanze einsetzt, durchbricht das Myzel die Leitbahnen in der Wurzel und im Stängel und durchdringt das Gewebe nach außen. Der Pilz bewirkt das Absterben der Feinwurzeln und bildet auf dem Stängel die typischen schwarzen Mikrosklerotien. Der Ertragsschaden wird durch die vorzeitige Abreife der befallenen Rapspflanzen hervorgerufen. Die Unterscheidung zwischen Phoma- und Verticillium-Befall ist möglich, wenn die Stoppeln aus dem Boden gezogen werden:

  • Reißt der Stängel über der Bodenoberfläche ab und bleibt die Wurzel im Boden verankert, hat Phoma zur Vermorschung des Stängelgrundes beigetragen.

  • Lässt sich dagegen die Stoppel mitsamt der Wurzel ganz leicht aus dem Boden ziehen, weil die Feinwurzeln abgestorben sind, ist Befall mit Verticillium die Ursache.

Gegen Verticillium gibt es bislang weder Sorten mit ausreichender Resistenz noch Fungizide, die in die Wurzel hinein verlagert werden. Bei spätreifen Rapssorten treten die Symptome nur später auf. Befallen werden sie trotzdem mit Verticillium. Kalkstickstoff, in das Saatbett eingearbeitet, hat eine hemmende Wirkung auf das Myzel, das aus den Mikrosklerotien auskeimt. Dadurch ist eine 50 bis 70 % Befallsminderung zu erreichen, die bei massivem Besatz mit Mikrosklerotien im Boden aber nicht ausreicht.

Somit bleibt derzeit nur die wenigstens 3- besser 4-jährige Unterbrechung des Rapsanbaus mit entsprechenden Hygienemaßnahmen (keine anderen Wirtspflanzen), um eine Verringerung des Verticillium-Besatzes zu erreichen.

Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet. Wir können jedoch keine Gewährleistung für die Richtigkeit, insbesondere bei Veränderungen der aktuellen Zulassungssituation für Pflanzenschutzmittel übernehmen. Die Anwendungen erfolgen auf eigenes Risiko.

Letzte Änderung: 04.08.2019