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19.12.2019

Sojasortenwahl den Reifebedingungen anpassen

Sojasortenwahl den Reifebedingungen anpassen

Ferenc Kornis

N.U. Agrar GmbH - Grünes Info

Topics

Allgemein Aussaat

Bei den Reifegruppen unterscheiden wir zwischen 000 (sehr früh bis früh), 00 (mittel bis spät) und 0 (sehr spät). Innerhalb der Reifegruppen gibt es weitere Reifeunterschiede.

Für eine sichere Ernte benötigen 000-Sorten eine Temperatursumme von 1450 bis 1600 °C. Innerhalb dieser Reifegruppe eignen sich die sehr frühen Sorten (z.B. Sculptor, Obelix, Merlin) für Grenzstandorte im Nordosten und in Höhenlagen bis 450 m. Im Süden (Südbayern) können diese Sorten auch bis 550 m angebaut werden.

Die etwas späteren 000-Sorten (z.B. RGT Shouna, RGT Sphinxa, ES Comandor, ES Gouvernor, Acardia) kommen für Grenzstandorte in Mittel- und Ostdeutschland, in der Lommatzscher Pflege, für Börde-Lagen in Sachsen-Anhalt und auch in Nord-Thüringen in Betracht. In den günstigen Lagen im Süden werden diese Sorten Anfang bis Mitte September gedroschen. 

Mit einer Temperatursumme von über 1600 °C bis 1800 °C werden die mittelspäten 00-Sorten (z.B. Coraline, RGT Sakusa, Atacama, ES Mentor, RGT Stumpa) reif. Diese Sorten sind für günstige Lagen im Süden (z.B. Gäulagen, Weinbauregionen, Rheintal) geeignet. Mit einem gewissen Ernterisiko können frühe 00-Sorten (z.B. Coraline und RGT Sakusa) auch auf den klimatisch begünstigten Lagen im Osten (Sachsen, Sachsen-Anhalt) angebaut werden. In kühlen Jahren verzögert sich die Ernte dieser Sorten jedoch bis Anfang Oktober. 

Sehr späte Sorten (über 1800 °C) der Reifegruppe 0 (z.B. PZO Silvia) sind nur für sehr günstige Lagen in Deutschland zu empfehlen. In Deutschland kommen nur die wärmsten Gunstlagen im Weinbauklima in Frage. Ansonsten wird die Ernte zu spät und dadurch problematisch.

Für den erstmaligen Anbau sollten Sie auf sicher reifende Sorten setzen. Auf einer Teilfläche können Sie die späteste Sorte für Ihre Region testen, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Das Ertragspotenzial steigt grundsätzlich mit der Reife der Sorten, deshalb steht die Wahl der für den Standort geeigneten, möglichst späten Sorte mit sicherer Abreife im Vordergrund.

Grenzlagen – 000-Sorten (z.B. Sculptor, Obelix, Merlin, RGT Shouna, ES Comandor, Acardia)

  • 1450 bis 1600 °C

  • Höhenlagen bis 450 m ü. NN, im Süden 550 m ü. NN

  • bei sehr frühen 000-Sorten, wie Sculptor, ist der Anbau auch im Norden bis Hannover und Hamburg möglich. Speziell auf sich schnell erwärmenden, leichten Böden. 

günstige Lagen – 00-Sorten (z.B. ES Mentor, RGT Stumpa, RGT Sakusa, Coraline)

  • 1600 bis 1800 °C

  • Gäulagen, Niederbayern

  • Weinbauregionen

  • Rheintal

sehr günstige Lagen – 0-Sorten (PZO Silvia)

  • über 1800 °C

  • wärmstes Weinbauklima (Oberrheingraben)

  • Österreich, Ungarn

 Auf feuchten Standorten sind hohe Standfestigkeit und weniger krankheitsanfällige Pflanzen gefragt. Sklerotinia spielt meist keine Rolle im Sojaanbau, kann jedoch in Rapsfruchtfolgen und bei feuchtem Wetter in der Blüte zu Infektionen führen. Die Gefahr ist am höchsten zu Beginn der Blüte Mitte bis Ende Juni. Weniger anfällig für Sklerotinia sind z.B. Sirelia (Grenzlagen) bzw. ES Mentor, RGT Siroca, Atacama. 

Auf Standorten mit hoher N-Nachlieferung (hoher Humus-Gehalt und/oder langjährige organische Düngung) müssen standfeste Sorten gewählt werden, z.B. ES Mentor, ES Gouvernor, Obelix, RGT Stumpa.

 Für sich langsam erwärmende kalte Böden sind Sorten mit einer zügigen Jugendentwicklung (z.B. Obelix, Sculptor und Merlin) zu bevorzugen. Für Standorte mit häufig kühlen (unter 10 °C) Temperaturen während der Hauptblüte Ende Juni kommen Sorten in Betracht, die eine höhere Kältesumme aushalten. Dazu gehören speziell die Sorten Merlin und Lissabon.

Unter trockenen Bedingungen schnitt Acardia als späte 000-Sorte in den letzten zwei Jahre am besten ab. Auf Grenzstandorten war Obelix im Vergleich zu Merlin im Schnitt der letzten Jahre regelmäßig besser. Auch die etwas späteren 000-Sorten Solena, ES Comandor und SY Livius sind für trockene Bedingungen gut geeignet. Das gilt auch für die 00-Sorten Atacama, Sigalia, ES Mentor, Coraline und RGT Siroca.

Neue Sojasorten (Auswahl)

 RGT Sphinxa (2019)

Neue Sorte aus Frankreich, wird dort seit zwei Jahren angebaut und erreichte als späte 000-Sorte Höchsterträge. 2019 war Sphinxa die beste Sorte in diesem Segment. Auch in Deutschland überzeugte sie in den Landessortenversuchen mit hohen Erträgen und hohen Proteingehalten. Diese Sorte kann eine geringe Pflanzenzahl über eine hohe Kornzahl je Pflanze kompensieren und hat eine gute Nebentriebleistung. Damit eignet sich RGT Sphinxa sehr gut für weite Reihen, wenn gehackt werden soll. RGT Sphinxa ist mittel-standfest.

RGT Sakusa (2019)

Die neue frühe 00-Sorte von RAGT erreicht eine sehr hohe Korndichte und eignet sich gut für weite Reihen. RGT Sakusa ist stärker haupttriebbetont und bildet viele Hülsen je Nodium bei geringem TKG.  

ES Governor (2019)

Die Semi-Determinierte späte 000-Sorte ist etwas später reif als ES Comandor, hatte auch in den LSV ein höheres Ertragspotenzial bei etwas geringerem Proteingehalt. Diese Sorte ist sehr standfest und eignet sich deshalb anders als ES Comandor gut für Standorte mit hoher N-Nachlieferung.

Yakari (2018)

Diese 00-Sorte erreichte in den letzten beiden Jahren sehr hohe Erträge bei durchschnittlichem Proteingehalt in den LSV-Versuchen. Sie ist jedoch nicht standfest und ging in diesem Jahr auf einigen Standorten ins Lager. Ein großer Vorteil ist der hohe Ansatz der untersten Hülsen. Dadurch lässt sich die Yakari gut dreschen.