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18.03.2020

Vegetative Entwicklung des Getreides ist um 3 Wochen früher als normal

Vegetative Entwicklung des Getreides ist um 3 Wochen früher als normal

Team N.U. Agrar

N.U. Agrar GmbH - Grünes Info

Topics

Pflanzenschutz

Die Getreidebestände sind infolge der hohen Temperatursumme (seit Oktober 330 bis 400 °C mehr als normal) vegetativ (= Blatt- und Stängelwachstum) im Vergleich zur Ausbildung der Ertrags-anlagen (= generative Entwicklung) wesentlich weiterentwickelt. Die vegetative Entwicklung wird stärker durch Temperatur und Licht beeinflusst, während die generative Entwicklung vorwiegend von der Tageslänge und Vernalisation abhängt.  

 

Wintergerste

Die frühen Gerstenbestände, die bis Anfang Oktober aufgelaufen waren, befanden sich am 10. März meist schon in EC 30/31 (F-4 spitzt). Diese Bestände werden das 2-Knoten-Stadium (EC 32, F-3) bis Ende März erreichen und in diesem Jahr einen 3. Knoten (EC 33, F-1, ca. 10. April) bilden, bevor das Fahnenblatt (14.04., F) erscheint. Das Fahnenblatt wird die Wintergerste ab dem 17. April geschoben haben. Insgesamt wird die Gerste wie der frühe Weizen in diesem Jahr einen Knoten bzw. ein Internodium mehr bilden als normal und allein deshalb schon wesentlich länger werden und stärker lagergefährdet sein. In begünstigten Lagen wird die Gerste noch im April die Grannen spitzen. 

Die Ährchenanlage der Wintergerste befindet sich derzeit bereits im „Tannenzapfen-Stadium“ (VE 7). Mit dem Abschluss der Ährenanlage (Spitzenmeristem, VE 8) ist schon in den letzten Märztagen zu rechnen. Die „Große Periode“, d.h. das Strecken der Ähre, wird ab dem 8. April eintreten.

Der hohen Temperaturen über Winter beschleunigten die physiologische Alterung der früh gesäten Getreide-Bestände beigetragen. Durch Förderung der Cytokinine können wir dagegenwirken, um zu vermeiden, dass die Kornausbildung leidet.

  • Relativ hohe NH4-N-Versorgung zu Beginn der Schossphase, um dem vorzeitigen Wurzelabbau und damit der Wurzelspitzen entgegenzuwirken. In den Wurzelspitzen werden die Cytokinine gebildet.

  • Vermeidung von Toxin bildenden Krankheiten (fakultative Parasiten, z.B. Ramularia, DTR, Fusarien, Netzflecken, S. tritici, Ascochyta), die den Alterungsprozess beschleunigen

 

N-Düngung zu Wintergerste 

 Nach verhaltener bzw. unterlassener Startgabe sollte die 2. N-Gabe (Ertragsdüngung) bis Ende März fallen, wenn die zuletzt gebildeten jüngeren, schwachen Triebe nur noch zwei intakte Blätter aufweisen, um ein zu starkes Zurücksetzen des Bestandes, vor allem aber auch der Spindelstufen zu vermeiden. Die Gefahr ist jetzt hoch, dass die Gerste in dieser Phase zu stark reduziert.

Lässt die Gerste nach einer (höheren) Startgabe keine Anzeichen der Triebreduktion erkennen, sollte die 2. + 3. N-Gabe zusammengefasst und erst in EC 33/37 gedüngt werden, um nicht zu viele Kornanlagen und später Schmachtkörnern zu produzieren.

 

Krankheiten ausräumen

Zur Absicherung der Bestandesdichte (Ährenzahl) und um die Leitbahnen intakt zu halten, ist es angebracht, Krankheiten an der Halmbasis frühzeitig zu bekämpfen, meist M. nivale, das sich später nicht mehr sicher bekämpfen lässt. Damit werden auch Mehltau und Netzflecken, vereinzelt auch Zwergrost ausgeräumt werden. Ende März erscheint bereits das viertletzte Blatt, Anfang April das drittletzte Blatt, das bis zur Blüte intakt bleiben soll.

Leider steht Prochloraz in der Gerste nicht mehr zur Verfügung. Als Alternative bietet Input classic an, das durch Tebuconazol (Folicur) gegen Zwergrost ergänzt werden kann. 

Konsequente Kürzung

Ende März wird sich bereits der 2. Knoten vom 1. abheben, damit ist eine konsequente Kürzung mit 0,4 – 0,6 l/ha Prodax oder 0,2 – 0,4 l/ha Moddus (+ 0,4 l/ha Medax Top) angebracht. Diese Kürzung ist mit 60 % der Aufwandmenge auch auf schwächeren Böden dringend notwendig.

Ethephon sollte in der Gerste erst in EC 39/49 (in Kombination mit Medax Top) nach Abschluss der Ährenstreckung gespritzt werden, um den Alterungsprozess nicht zusätzlich zu forcieren.

 

Mangan-Blattdüngung

Auf Standorten mit starker Manganfestlegung (nicht genügend rückverfestigter Boden, hohe pH-Werte, keine SSA-Düngung) ist es in diesem Jahr angebracht, nach Schossbeginn noch Mangan zu spritzen. Dabei sind 0,5 bis 1,0 l/ha Mn-Chelat in der Spritze einfacher zu handhaben als 2 bis 3 kg/ha Mangan-Sulfat oder 1,0 bis 2,0 l/ha Mangan-Nitrat. Die Kombination mit 30 g/ha Bor (0,2 l/ha Bor fl) ist möglich.

 

Winterroggen

Aufgrund des größeren Standraums (geringe Saatstärke) stellen sich die Triebe im Roggen langsamer auf, vorzugsweise beginnt der Roggen dort zu schossen, wo die Pflanzen in Häufchen abgelegt enger stehen. Schneidet man die Halmbasis der Länge nach durch, beginnt sich auch in den noch „kriechenden“ Pflanzen bereits der zweiten Knoten vom ersten zu lösen. Das untere Internodium ist bereits 1 - 2 cm lang. Dieser Roggen hat EC 31/32 erreicht. Die generative Entwicklung des Roggens ist aber nur um 8 bis 10 Tage weiter vorangeschritten als in normalen Jahren. Der im September gesäte Roggen wird die Ährenanlage Anfang April abschließen. Die Ähre wird sich im Halm in der 2. April-Woche strecken (Große Periode).

 

N-Düngung und Bestandessicherung in Roggen 

Ist noch keine Startgabe erfolgt bzw. nach verhaltener Startgabe, kann auf Standorten mit geringer N-Nachlieferung die Anschlussdüngung mit stabilisierten N-Düngern (Piagran Pro oder Alzon Neo N) schon in den letzten Märztagen ausgebracht werden, um ein zu starkes Zurücksetzen der Bestände zu verhindern, wenn der Roggen sich voll streckt. 

Bis dahin sollte auch ein vorhandener Ausgangsbefall mit Krankheiten unter Kontrolle gebracht und die unteren Internodien konsequent eingekürzt worden sein.

Der im September gesäte Roggen ist mit Mehltau, nach Roggen oder Gerste auch mit M. nivale befallen. Bei intensiver Kontrolle sind Braunrost-Pusteln zu finden, immer wieder auch Rhynchosporium.

  

Winterweizen

Der bis Anfang Oktober aufgelaufene Weizen, vor allem Sorten mit früher bis mittlerer Schossneigung (Kurztags- und tagneutrale Sorten), hat schon zu schossen begonnen und befindet sich bereits in EC 31, teils schon in EC 31/32. Dieser Weizen setzt z.T. schon Triebe zurück. Auf Standorten mit hohem pH-Wert und bei nicht ausreichend rückverfestigtem Boden verstärkt Manganmangel die Triebreduktion.

Manganmangel verhindert den Abbau von Auxinen, die infolge der warmen Witterung im Überschuss produziert wurden. Auxine führen zum Vergeilen von Pflanzen und zur verstärkten Triebreduktion. Frühgesäte, früh schossende Sorten wie Axioma, Campesino, Euclid, Faustus, Findus, Folklor, Lemmy, Partner, Porthus, Solehio oder Spontan sind davon stärker betroffen. Wurde im Herbst Mangan gespritzt, sehen die Bestände wesentlich besser aus.

In den frühen Weizenbeständen bzw. in den frühen (= kurztagsorientierten) Sorten ist deshalb das Augenmerk auf den Trieberhalt und auf die Absicherung der Ährenausbildung zu legen. Ab Schossbeginn sollte der frühe Weizen „in Stickstoff baden“ können, gleichzeitig sollte durch Gibberellin-Synthese-Hemmer (CCC, Moddus, Medax Top, ALS-Hemmer) die weitere Entwicklung gebremst werden, um mehr Spindelstufen und eine bessere Bekörnung der Ährchen zu erzielen.

Lief der Weizen bis Mitte Oktober auf, entwickelte er sich im kurzen Tag ebenfalls ausgesprochen gut. Dieser Weizen wird 8 bis 14 Tage nach dem Übergang in den Langtag (ab dem 05.04.) verstärkt Triebe reduzieren. Trotzdem war eine knappe Andüngung mit Stickstoff angebracht.

Mit der 2. N-Gabe sollte gewartet werden, bis die Reduktion der im Übermaß angelegten Seitentriebe in Gang ist. Das dürfte ab dem 10. April der Fall sein.

Selbst die erst im Dezember aufgelaufenen Weizenbestände sind bereits voll in der Bestockung und erreichen in diesen Tagen das Doppelring-Stadium. Wenn die Spätsaaten bis 25. März weniger als 600 Triebe mit wenigstens drei Blättern gebildet haben, muss die Nachdüngung umgehend erfolgen, um die Bestandesdichte abzusichern, vor allem wenn die 1. N-Gabe verhalten ausfiel (unter 80 kg/ha N abzgl. Nmin in der Krume bis 30 cm).

Wurden diese Bestände stärker angedüngt bzw. haben sie weit mehr als 600 kräftige Triebe, ist es besser mit der Nachdüngung zu warten, bis die Ähre im Halm etwa 1 cm lang geworden ist, das wird in diesen Beständen ab dem 15. April der Fall sein.