Back to the overview

27.05.2020

Rübenmotten – Zuflug überprüfen

Rübenmotten – Zuflug überprüfen

Team N.U. Agrar

N.U. Agrar GmbH - Grünes Info

Topics

Insektizid

In den beiden vergangenen Jahren trat in einigen Regionen, z.B. in der südlichen Magdeburger Börde, in der Leipziger Tieflandbucht und in der Köln-Aachener Bucht, aber auch in Unterfranken und im Rhein-Main-Gebiet teilweise starker Befall mit der Rübenmotte (Scrobipalpa ocellatella) auf.  Trockenheit und überdurchschnittliche Temperaturen im April und Mai führten zu einem frühen Zuflug der Rübenmotten und richteten in den stark unter Trockenheit leidenden Rüben große Schäden an. Wo die Rüben bereits frühzeitig zu „schlafen“ begannen, war der Schaden besonders groß. Durch den frühen Zuflug bildeten die Rübenmotten eine zusätzliche Generation.

Die Symptome sehen auf den ersten Blick wie Bormangel aus. Die Fraßgänge in Blättern, Blattstielen und im Rübenkopf sind ein Hinweis auf den Befall mit den Larven der Rübenmotte. Kotkrümel und kleine Raupen im Kopfe der Rübe bilden weitere Hinweise auf den Schädling. Die nachfolgende Fäulnis führt bis zum Totalausfall, der noch im Rübenhaufen erfolgen kann.

Die Rübenmotten sind über Winter nicht verschwunden. Bei der Untersuchung alter Rübenköpfe auf letztjährigen Rübenschlägen wurden Anfang April noch lebende Larven gefunden.

Aufgrund der niedrigen Temperaturen in der ersten Maihälfte ist erst mit dem Anstieg der Temperaturen ab Mitte der letzten Maiwoche mit dem Zuflug von Rübenmotten zu rechnen. Dieser kann mit Pheromon-Fallen überwacht werden. Pheromon-Fallen können in Deutschland und Ungarn bzw. in der Slowakei erworben werden. Die Eiablage dürfte dann ab Ende der ersten Juniwoche erfolgen.

Entscheidend für das Schadausmaß ist die Witterung während der Eiablage der Rübenmotten. Regen wäscht die Eier ab. Dadurch können sich die Larven der Motte nicht im Rübenkopf festsetzen. Regen in der ersten Juniwoche würde das Befallssrisiko verringern.

 

Entwicklung der Rübenmotte:

Mit dem Anstieg der Temperaturen über 20 °C schlüpfen die verpuppten Rübenmotten auf den letztjährigen Rübenschlägen und fliegen in die neuen Rübenschläge ein. Nach einer Paarungszeit von einer guten Woche legen die Weibchen kleine, ovale Eier (ca. 0,5 mm lang) an den Blattstielen der Herzblätter der Rüben ab. Bereits nach 7 bis 10 Tagen schlüpfen die Larven.

Die Larven minieren in den Herzblättern der Rübe, bevor sie dann ins Herz der Rüben wandern. Die Larve frisst Gänge in die Stiele der inneren Rübenblätter. Zu erkennen sind die schwarzen Kotkrümel im Rübenherz und an den zerfressenen Blattstielen. Später umspinnen die Raupen die Herzblätter mit einem feinen Gespinst. Die Raupen durchwandern im Zeitraum von 2,5 bis 4 Wochen vier Larvenstadien, bevor sie sich zum Verpuppen in den Boden zurückziehen.

Durch die Fraßverletzungen und durch die Verunreinigung mit dem Kot kommt es zu Sekundärinfektionen mit Pilzen (z.B. Rhiopus arrhizus) und Bakterien. Trocken-warme Witterung unterstützt die Entwicklung der Sekundärinfektionen. Das Symptom des Befalles mit den Larven der Rübenmotte ähnelt der Herz- und Trockenfäule. Bei frühzeitigem Befall kann es auch zu Totalausfällen der Rüben kommen.

Es fällt auf, dass vor allem die Bereiche innerhalb der Schläge stärker betroffen waren, die durch Wassermangel, Nährstoffmangel (insbesondere an Bor, Kalzium und Kalium), aber auch durch Blattverluste infolge von Blattkrankheiten stärker gestresst sind.

 

Bekämpfung der Rübenmotte:

Für unsere Beratungskollegen in Tschechien, Ungarn und in der Slowakei ist die Rübenmotte in trocken-warmen Jahren kein unbekannter Schädling. In der Slowakei, wo die Rübenmotte regelmäßig eine größere Rolle spielt, wird der Zuflug der Rübenmotte mit Pheromon-Fallen kontrolliert. Wenn mehr als 10 Motten in der Falle gefangen werden, erfolgt eine Bekämpfung der Motten vor der Eiablage durch Pyrethroide bzw. Insektizide, die auch gegen Zünsler oder Wickler (z.B. Indoxacarb (Avaunt/ Steward) oder Chlorantraniliprole (im Coragen) wirken.

Die Bekämpfung der Eier oder der Larven mit Pyrethroiden hat einen geringen Erfolg, vor allem wenn die Larven durch den eigenen Kot geschützt oder bereits ins Herz eingewandert sind.

Regen oder auch eine Beregnung während des Zufluges der Falter bzw. während der Eiablage bewirkt ebenfalls eine deutliche Befallsminderung.

Im Hinblick auf die Verminderung des Schadens durch die Rübenmotte wirkten sich auch eine hohe Kaliumversorgung und die Blattdüngung mit 450 g/ha Bor im 8-Blattstadium aus.

 

Blattspritzung zur Verminderung der Schäden durch Rübenmotte ab dem 8 Blattstadium

  • 450 g/ha Bor

  • 3,0 kg/ha Ca-Chlorid

 Direkte Bekämpfung der Rübenmotte vor der Eiablage in der ersten Juniwoche)           

  • gegen Blattläuse oder Rübenfliegen zugelassene Pyrethroide 

Wünschenswert ist die Zulassung von Indoxacarb oder Chlorantraniliprole in Zuckerrüben.

Wie können wir auf den bereits eingetretenen Befall mit Rübenmotten reagieren?

Die Bekämpfung der Rübenmotte im fortgeschrittenen Larvenstadium ist nicht möglich. Deshalb sollten Sie die Rübenschläge intensiv kontrollieren und stark befallene Schläge bereits frühzeitig roden. Befallenen Flächen sollten möglichst mit Vorschäler gepflügt werden, damit der Schädling im Folgejahr nicht an die Bodenoberfläche gelangen kann.