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06.08.2020

Mäuse, Mäuse, Mäuse

Mäuse, Mäuse, Mäuse

Team N.U. Agrar

N.U. Agrar GmbH - Grünes Info

Topics

Allgemein

Nach dem milden Winter und trockenen Frühjahr vermehren sich Mäuse auf dem Acker immer mehr auf.

Auf Stoppeln und Feldrändern lässt sich die Verbreitung der Mäuse aktuell gut beobachten. Unter weiter trockenen Bedingungen werden sie sich schnell vermehren und massenhaft auftreten, wenn genug Futter zur Verfügung steht. Das ist auf jeden Fall dort der Fall, wo das Ausfallgetreide zu finden ist und auflaufen kann.

Eine Feldmaus verzehrt im Laufe seines Lebens 600 bis 1000 g Biomasse (TS). Mäuse sind tag- und nachaktiv und fressen Pflanzenteile wie Gras, Kräuter, Samen und Wurzeln und können je nach Besatzdichte und Fraßdauer auch Totalausfälle verursachen.  

Mäuse sind bereits 11 bis 13 Tagen nach der Geburt geschlechtsreif und können 4 bis 12 Würfe mit 4 bis 6 Tieren produzieren. Somit sind ab jetzt bis in den Herbst hinein noch 3 bis 5 Würfe möglich. Bei 4 bis 6 Nachkommen je Wurf kann ein Mäusepaar im Jahr bis zu 1.000 Nachkommen produzieren. Bis Winter sind das von jetzt an noch bis zu 300 Nachkommen. Überleben von diesen nur 10 % den Winter, ist im kommenden Jahr mit einer Mäuseplage zu rechnen. Deshalb dürfen selbst einzelne Mäuselöcher, die vor allem im Randbereich der Schläge zu finden sind, nicht unterschätzt werden.

Die Mäuse leben in dichten Kolonien in 25 bis 40 cm tiefen Bauten. Diese sind über ein verzweigtes System von Laufgängen miteinander verbunden. 30 % einer Population sind „Wanderer“ die den Mäusebesatz verbreiten. Die Einwanderung findet vom Feldrand statt. Die Erstbesiedlung erfolgt im Schutz von dichten Pflanzenbeständen, auch Unkrautnestern und Strohhaufen. Ab Ende August fangen die Mäuse an Vorräte in den Bauten anzulegen.

Mäusebekämpfung

Präventive Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Mäuse

Die beste Vorsorge ist den Acker schwarz zu halten und den Boden tief lockern (Grubber, Pflug). Strohschwade, Ausfallgetreide und – raps, die als Schutz und Nahrungsgrundlage dienen, müssen möglichst schnell beseitigt werden. Dabei sollte auf die mechanische Beseitigung durch Bodenbearbeitung und nicht auf chemische Maßnahmen mit Glyphosat gesetzt werden. Durch die Bodenbearbeitung werden zusätzlich der Lebensraum (Bauten) und die Laufwege der Mäuse zerstört. Dadurch fallen diese verstärkt den Raubvögeln zum Opfer. Bei starkem Befall empfiehlt es sich auch vom Schlaginneren aus nach außen zu arbeiten, um die Mäuse von innen nach außen zu drängen. Sitzkrücken für Raubvögel sind durchaus hilfreich.  

Zur indirekten Bekämpfung tragen auch repellent wirkende Stoffe bei, die zum Vergrämen der Mäuse genutzt werden, z.B.  organische Dünger (Gülle, HTK) oder Netzschwefel (25 kg/ha) wirken geruchsbelästigend, Kalkstickstoff verletzt über die Cyanamid-Phase die Schleimhäute der Tiere.

Chemische Bekämpfung

Für die chemische Bekämpfung ist der Wirkstoff Zinkphosphid zugelassen. Zinkphosphid (Giftweizen/Giftlinsen) wird im Magen zum Nervengift Phosphin (Phosphorwasserstoff) umgesetzt. Der Tod tritt innerhalb von 1 bis 3 Stunden ein. Das Phosphin wird sehr schnell abgebaut. Eine Sekundärvergiftung von Tieren, die die getöteten Mäuse fressen, ist deshalb nicht zu befürchten.

Vor einer Bekämpfung muss die Befallsdichte durch die „Lochtretmethode“ festgehalten werden. Dafür werden 250 m2 (16 x 16 m) auf jeweils zwei Kontrollflächen erst alle Mäuselöcher zugetreten. Sind am nächsten Tag mehr als 8 Löcher wieder offen, ist eine Bekämpfung angebracht.

Generell gilt, mit der Mäusebekämpfung so früh wie möglich nach dem Erreichen der Besatzdichte anzufangen und konsequent durchzuführen.

Zugelassene Mittel

Mittel

Zulassung

Wirkstoff

Gehalt g/kg

Aufwandmenge

Maximal pro Jahr

Arvalin

04.03.22

Zinkphosphid

25

5 Stück je Loch

50 g/Köderstation

2,0 kg/ha

2,5 kg/ha

Ratron Giftweizen

04.03.22

Zinkphosphid

25

5 Stück je Loch

2,0 kg/ha

Ratron Giftlinsen

04.03.22

Zinkphosphid

8

5 Stück je Loch

100 g/Köderstation

2,0 kg/ha

2,0 kg/ha

 

Für die Anwendung von Zinkphosphid sind seit Herbst letztem Jahr neue Regelungen hinzugekommen. Nach wie vor müssen die Löcher nach der Anwendung verdeckt werden oder die Köder über geeignete Köderstationen angewendet werden.

Zinkphosphid Produkte dürfen in Naturschutzgebieten nicht angewendet werden (Pflanzenschutzmittelanwendungsverordnung, unter §4 PflSchAnwV in Verbindung mit Anlage 2).

  • NT820-1: Zum Schutz von Kleinsäuger und Vögel gilt statt der Auflage NT820 jetzt die NT820-1: Keine Anwendung in aktuell nachgewiesenen Vorkommensgebieten des Feldhamsters zwischen 1. März und 31. Oktober.

  • NT820-2: Keine Anwendung in aktuell nachgewiesenen Vorkommensgebieten der Haselmaus im Umkreis von 25 m um Bäume, Gehölze oder Hecken zwischen 1. März und 31. Oktober.

  • NT820-3: Keine Anwendung in aktuell nachgewiesenen Vorkommensgebieten der Birken-maus zwischen 1. März und 31. Oktober.

  • NT802-1: Vor einer Anwendung in Natura 2000 Gebieten (FFH- und Vogelschutzgebieten) ist nachweislich sicherzustellen, dass die Erhaltungsziele oder der Schutzzweck maßgeblicher Bestandteile des Gebietes nicht erheblich beeinträchtigt werden. Der Nachweis ist bei Kontrollen vorzulegen.

  • NT803-1: Keine Anwendung auf nachgewiesenen Rastplätzen von Zugvögeln während des Vogelzuges.

  • Bei Zinkphosphid-haltige Mäuseköder die in speziellen Köderstationen (nach NT680) verwendet werden, sind die Auflagen NT802-1, NT803-1 und NT820-1 nicht erforderlich.