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23.08.2020

Raps - Herbstschädlinge

Raps - Herbstschädlinge

Team N.U. Agrar

N.U. Agrar GmbH - Grünes Info

Topics

Insektizid

Gewitterregen der letzten Woche und das ab Ende der Woche angekündigte unbeständige, vor allem kühlere Wetter begünstigt den Aufbau der Population der Herbstschädlinge. In den beiden Vorjahren führte die Trockenheit zu erhöhter Ei-Mortalität der Kohlfliege und dadurch zu einer geringen Belastung des Rapses durch deren Larven.

Im Nordosten ist nach der Abkühlung ein verstärktes Auftreten von Rapserdflöhen zu erwarten. Der Kühlbrüter hat die Sommerruhe an kühlen und schattigen Plätzen verbracht. Teile der Population werden in diesem Jahr frühzeitig mit dem Reifungsfraß beginnen. Im Ausfallraps sind jetzt schon Fraßlöcher von unterschiedlichem Ausmaß festzustellen. 

Im Nordosten ist nach der Abkühlung ein verstärktes Auftreten von Rapserdflöhen zu erwarten. Der Kühlbrüter hat die Sommerruhe an kühlen und schattigen Plätzen verbracht. Teile der Population werden in diesem Jahr frühzeitig mit dem Reifungsfraß beginnen. Im Ausfallraps sind jetzt schon Fraßlöcher von unterschiedlichem Ausmaß festzustellen. 

Während gegen den Rapserdfloh Spritzapplikationen mit Pyrethroiden möglich sind, die je nach Resistenzentwicklung noch eine ausreichende bis gute Wirkung haben, kann in gefährdeten Lagen gegen Kohlfliegen nur noch mit Lumiposa (Wirkstoff: Cyantraniliprole) gebeizt werden. Aufgrund der geringen Wasserlöslichkeit hat dieser Wirkstoff aber keine Wirkung gegen oberirdische Schädlinge (Rapserdfloh, Blattläuse). Die Anwendung von Saatgut, das mit Lumiposa gebeizt ist, ist auf leichten, sandigen Standorten und bei früher Aussaat zu empfehlen. Gefährdet sind vor allem Standorte, auf denen in den Vorjahren schon Kohlfliegen aufgetreten sind und Schläge in deren Umkreis Kohl angebaut wurde (auch Gärten).

Kleine Kohlfliege (Delia radium)

Schadwirkung

hoch – sehr hoch (Pflanzenausfälle, Folgebefall durch Wurzelkrankheiten)

Schadsymptom

befallene Pflanzen bleiben im Wuchs zurück, welken,

wintern durch Frosteinwirkung schnell aus.

Bestände werden dadurch ausgedünnt.

Zuflug

2. Generation Anfang August im Ausfallraps,

3. Generation ab Ende August bis 2. Septemberdekade,

bei milder Witterung 4. Generation möglich, Befall bis Oktober.

Entwicklung

Eiablage im Bereich des Wurzelhalses,

in lockerem Boden leichter möglich,

1 Woche später schlüpfen weiße, bis 1 cm lange Larven, diese fressen an Wurzelhals und Wurzeln und

bohren sich tiefer ein, je trockener es ist und je kleiner die Rapspflanze ist.

Verkorkt die angefressene Wurzel, bevor Schadpilze infizieren, hält sich der Schaden in Grenzen. Nachfolgende Nässe verstärkt Schaden.

Maßnahmen

Kreuzblütler in Getreide-Vorfrucht konsequent bekämpfen,

Ausfallraps rechtzeitig mechanisch beseitigen, um Vermehrungspotential zu verringern.

Boden tief lockern und rückverfestigen, bei früher Saat besser nicht pflügen.

Nicht zu früh säen, ab dem 10. September kaum mehr Zuflug,

früh einkürzen, kurzer Wurzelhals verringert Schadrisiko.

Bekämpfung

Beizung mit Cyantraniliprole (Lumiposa), keine Wirkung der Spritzapplikation mit Pyrethroiden

Kalkstickstoff hemmt den Larvenschlupf (50 bis 70 % Wirkung)

Bekämpfungsschwelle

nicht relevant

Resistenzsituation

derzeit keine Diskussion

 

 Minderwirkung von Pyrethroiden gegen Rapserdfloh

Die Minderwirkungen von Pyrethroiden ist vielfach auf die Kombination aus Target-site-Resistenz (kdr, Wirkortresistenz) und metabolischer Resistenz zurückzuführen. Die metabolische Resistenz äußert sich in einem beschleunigten Abbau der Pyrethroide, wahrscheinlich infolge erhöhter Enzymaktivität. Der Abbau erfolgt durch P450-Mono-Oxygenasen, Azole mit wachstumsregulatorischer Wirkung wie Tebuconazol sind als P450-Inhibitor bekannt. Das kann man sich bei bereits aufgetretenen Bekämpfungsschwierigkeiten von Schädlingen zunutze machen. Durch den Zusatz von 50 – 100 g/ha Tebuconazol wird die Pyrethroidwirkung gegen Erdfloh verstärkt.

Pyrethroide der Klasse I haben gegen den Rapserdfloh keine bessere Wirkung als Klasse-II-Pyrethroide. Tau-Fluvalinat-haltige Produkte (Mavrik Vita, Evure) dürfen nur einmal zum Einsatz kommen, deshalb ist die Anwendung vorzugsweise auf die Frühjahrsanwendung (Glanzkäfer, Schotenschädlinge) zu beschränken. 

Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala)

Schadwirkung

Lochfraß mittel – sehr hoch (bei verzögertem Auflauf)

Larven – sehr hoch (Folgekrankheiten)

Schadsymptom

Käfer verursacht ab Keimblattstadium Lochfraß an Blättern Hauptschaden durch Larven, diese bohren sich nach dem Schlüpfen in die Blattstiele und Stängel bis in Wurzelhals,

Eintrittspforten für Phoma und Wasser im Stängel, Auswinterungsgefahr

Risikoflächen – Zuflug

aus Windrichtung von vorjährigen Befallsflächen

sonnige Tage über 12 °C

Entwicklung

Herbst Eiablage in den Boden direkt neben den Rapspflanzen.

Larven bohren sich in Blätter und Stängel.

Maßnahmen

nicht zu früh säen,

2 km Abstand zu vorjährigem Raps

Bekämpfung

bei massenhaftem Zuflug kleine Rapspflanzen vor Fraßschäden schützen Spritzapplikation gegen Käfer, bevor Eier ablegt werden

Larven bekämpfen, bevor sie sich einbohren

verzettelter Käferzuflug erfordert u.U. Mehrfachbehandlung

Bekämpfungsschwelle

10 % der Blattfläche bis 2-Blattstadium zerstört

ab Keimblatt Zuflug von mehr als 50 Käfer in 3 Wochen in (Gelb)-Schale

Aus Resistenzgründen unnötige Behandlungen vermeiden

Resistenzsituation (derzeit)

Resistenz gegen Erdfloh verbreitet in Mecklenburg, Holstein, Nordost-niedersachsen, hat sich in den letzten Jahren nicht verstärkt.

 

Kohlmotten (Plutella xylostella) und Rübsenblattwespen (Athalia rosae)

Schadwirkung

mittel bis hoch bei frühem Befall

30 Raupen je m² können Raps im 2-Blattstadium an einem Tag vernichten.

Schadsymptom

grüne Raupen (Kohlmotte)

graugrüne bis schwarze längsgestreifte Raupe (Rübsenblattwespe),

bis auf die Blattader ausgefressene Blätter

Zuflug

nach hohen Temperaturen im Juli/August verstärktes Auftreten

Zuflug im September bei trocken-warmer Witterung.

Entwicklung

Beide Falter machen 3 bis 4 Generationen durch.

Die Raupen der 3.(4.) Generation schädigen den Raps im Herbst.

Maßnahmen

Vorbeugend wenig Möglichkeiten,

da Insektizidmaßnahmen im Ausfallraps nicht zulässig sind.

Bekämpfung

Spritzanwendung mit Insektiziden ab 2-Blattstadium des Rapses.

werden durch Erdflohbekämpfung erfasst.

Bekämpfungsschwelle

2-Blattstadium: 1 Raupe pro 5 Pflanze separate Spritzung

4-Blattstadium: 1 Raupe auf jeder Rapspflanze

Resistenzsituation (derzeit)

Bislang keine Resistenzen bekannt.

Kohlmotten und Rübsenblattwespen 

Die hohen Temperaturen der letzten Woche lassen ein verstärktes Auftreten von Kohlmotten bzw. Rübsenblattwespen erwarten. Typisch sind die bis auf die Blattadern ausgefressenen Blätter. Das Schadrisiko ist im später gesäten Raps mit langsamer Jugendentwicklung höher. Die Bekämpfung von Larven der Rübsenblattwespe oder Kohlmotte kann, nachdem Biscaya nicht mehr zugelassen ist, nur noch durch Pyrethroide erfolgen. Meist werden die Schädlinge mit der Bekämpfung des Rapserdflohs miterfasst.

 

Grüne Pfirsichblattlaus mit ausgeprägter Resistenzentwicklung

Die Schadwirkung der Blattläuse beruht neben der Übertragung des Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) auch auf der reinen Saugtätigkeit. In den vergangenen Jahren wurden in Brandenburg und in den angrenzenden Gebieten in Polen Rapsbestände infolge eines Starkbefalls mit Blattläusen noch im Herbst umgebrochen. Auf die Blattlausbekämpfung kann also auch beim Anbau einer TuYV-resistenten Sorte bei massivem Blattlausdruck nicht grundsätzlich verzichtet werden.

 

Blattläuse (Aphidoidea)

Schadwirkung

Saugschaden eher gering,

Schaden als Virusvektor (TuYV = Wasserrübenvergilbungsvirus)

Schadsymptom

verkümmernde Einzelpflanzen

(Saugschaden vor allem durch Schwarze Bohnenlaus)

Virusschaden: Rote Einzelblätter („Winker“)

Anthocyanbildung durch Störung des Assimilat-Transportes im Phloem,

später gestauchte Pflanzen mit kleinen Blättern.

Bei 50 % Befall bis zu 12 % Ertragsausfall

Zuflug

bis in den Spätherbst bei Temperaturen über 10 °C

Entwicklung

Schwarze Bohnenlaus, Grüne Pfirsichblattlaus

mit mehreren Generationen im Jahr,

Leguminosen und Zwischenfrüchte verstärken das Risiko.

Maßnahmen

Verringerung der Rapsanbaudichte,

Sorten (z.B. Architect, Ambassador, DK Excited, Ludger, Smaragd u.a.)

Bekämpfung

wichtigster Vektor  Grüne Pfirsichblattlaus

Ausgeprägter Pyrethroidresistenz + „Verhaltensresistenz“

(versteckter Sitz unter den Blättern)

 Teppeki mit Herbst-Indikation, Biscaya (Aufbrauchfrist bis 03.02.21)

Bekämpfungsschwelle

noch keine entwickelt

bei 1 von 5 Rapspflanzen (20 %) mit Befall 5 % Ertragsausfall

Resistenzsituation (derzeit)

sehr hoch, wird durch Zulassungssituation verstärkt

Die in den meisten Rapsbeständen zu findende „Grüne Pfirsichblattlaus“ ist „multiresistent“, auch gegen Pyrethroide. Aus Südeuropa ist auch eine Neonicotinoid-Resistenz bekannt.

Eine gute Wirkung gegen die Grüne Pfirsichblattlaus ist nur noch durch das Spezialprodukt Teppeki (Wirkstoff: Flonicamid) zu erwarten, nachdem das Biscaya (Aufbrauchfrist bis zum 03.02.2021) demnächst nicht mehr zugelassen ist.

Unabhängig von der Resistenzsituation werden auch versteckt unter dem Blatt sitzende Läuse nicht getroffen und damit durch die als Kontaktmittel wirkenden Pyrethroide nicht erfasst.

Schwarzer Kohltriebrüssler (Ceutorhynchus picitarsis)

Wie sieht der Käfer aus?

glänzend schwarzer 2 bis 3 mm großer Rüsselkäfer mit roten Füßen, an der Unterseite helle Schuppen Larve 5 mm lang, weiß, ohne Beine Kopfkapsel der Larve gelblich, bekommt später einen Braunton

Schadwirkung

Vegetationskegel wird durch Larven zerfressen - Pflanzenausfälle Haupttrieb stirbt ab - weniger Schoten je Pflanze ungleichmäßige Blüte und Abreife - geringeres TKG, verminderter Ölgehalt

Schadsymptom

befallene Rapspflanzen verkümmern, kein Haupttrieb, mehr Seitenäste Larven im Stängel oberhalb der Wurzel Pflanzen haben einen zerfressenen Vegetationspunkt besenartige Rapspflanzen beginnen später zu blühen ungleichmäßige Abreife

Risikoflächen – Zuflug

Rapsflächen mit Befall im Vorjahr Zwischenfrüchte mit Kreuzblütlern Kreuzblütler als Unkräuter in Wintergetreide

Entwicklung

Zuflug ab Mitte September langer Reifefraß (3 bis 4 Wochen) Eiablage ab Mitte Oktober bis ins Frühjahr Eiablage oben auf Blattstielen Larven bohren sich dort ein und fressen bis zum Vegetationskegel

Bekämpfung

Zuflug von 10 Käfern in der Gelbschale ab Mitte September Pyrethroide vor der Eiablage in der ersten Oktoberdekade CZ, Ungarn, (Süd-) Polen: Organophosphate + Pyrethroide

 Der Schwarze Kohltriebrüssler fliegt ab Mitte September in die neu angesäten Rapsfelder ein. Mitte Oktober beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Diese kann bis Ende März andauern und wird durch Frostgrade unterbrochen. Das Weibchen legt jeweils 3 bis 12 Eier in eine ausgefressene Eikammer auf der Innenseite der Blattstiele. Der Minierfraß der Larven in der Sprossknospe der Rapspflanzen verstärkten das Auswinterungsrisiko.

Überleben die befallenen Pflanzen, stirbt der Hauptrieb ab und die Rapspflanzen sehen wie ein Besen aus. Die Folge sind Reifeverzögerung und Pflanzen mit geringerem TKG und vermindertem Ölgehalt. Die Larven verlassen im Frühjahr die befallene Pflanze und verpuppen sich im Boden. Ende Mai schlüpfen die Käfer und wandern rasch in benachbarte Büsche und Waldränder ab. Von dort aus fliegen sie im Herbst in die neu bestellten Rapsfelder ein.

Die Bekämpfung des Schwarzen Kohltriebrüsslers muss im Herbst vor der Eiablage erfolgen. Bislang haben Pyrethroide noch eine Wirkung.Raps - Herbstschädlinge