Back to the overview

25.09.2020

Steckbrief Ackerfuchsschwanz und Windhalm

Steckbrief Ackerfuchsschwanz und Windhalm

Norbert S

ADAMA-Fachinformation

Topics

Die zwei bedeutendsten Ungräser: ein Steckbrief

Für den Getreideanbau sind Ungräser eines der größten Probleme, weil sie schwierig zu bekämpfen sind. Ein wichtiger Grund dafür ist ihre nahe Verwandtschaft zu den Getreidepflanzen, zu denen sie in Konkurrenz um Platz, Nährstoffe, Wasser und Licht stehen.

Ackerfuchsschwanz und der Gemeine Windhalm zählen dabei zu den wichtigen Leit-Ungräsern.

Ackerfuchsschwanz ist im Getreide auf vielen Standorten oft schwer zu bekämpfen. Beim Windhalm ist besonders die rasch fortschreitende Resistenz gegen ALS-Hemmer ein Problem. Wer eine optimale Bekämpfungsstrategie entwickeln möchte, muss die Ungräser und ihre Eigenschaften gut kennen. Die wichtigsten Infos inklusive übersichtlicher Tabelle geben wir Ihnen daher hier an die Hand.

Ackerfuchsschwanz: wichtiges Leit-Ungras für den Getreideanbau

Der Ackerfuchsschwanz – eigentlich: Acker-Fuchsschwanzgras – kommt von Westeuropa und dem Mittelmeerraum bis Zentralasien vor. Er wächst oft in Getreidefeldern, besonders in Wintergetreide und ist in Mitteleuropa alteingebürgert. Er gilt als eines der wichtigsten Leit-Ungräser im Getreideanbau, wächst aber auch an Wegen oder auf Brachen. Er bevorzugt eher schwere, lehmhaltige Böden.

Wurde der Ackerfuchsschwanz zunächst eher auf Standorten in Küstennähe zum wirklichen Problem, so ist er mittlerweile auch in anderen Regionen Deutschlands eine große Herausforderung für einen erfolgreichen Getreideanbau geworden.

Blatthäutchen von Ackerfuchsschwanz

Drei Gründe, warum Ackerfuchsschwanz so schwer zu bekämpfen ist

Je nach Standort ist Ackerfuchsschwanz im Getreide schwer zu bekämpfen. Dafür gibt es einige Gründe: Er tritt gerne auf schwereren Standorten auf. Besonders wenn das Wintergetreide früh gesät wird läuft ein großer Teil der Ackerfuchsschwanzes in der Kultur auf und ist dort schwer zu bekämpfen. Ein weiteres Problem ist die Resistenzentwicklung: Ackerfuchsschwanz zeigt Anpassungen gegenüber einigen Wirkstoffgruppen, wodurch z.B. die Behandlung mit blattaktiven Herbiziden deutlich erschwert werden kann. Auch das Vermehrungspotenzial ist ein Grund. Zwar bildet Ackerfuchsschwanz nicht so viele Samen pro Pflanze wie z.B. Windhalm, aber die Samen können unter günstigen Bedingungen bis zu 10 Jahre im Boden überleben. So kann sich ein bedeutender Samenvorrat aufbauen.

Windhalm: oft vernachlässigt, aber nicht weniger problematisch

Oft steht der Ackerfuchsschwanz allein im Mittelpunkt der Diskussion um die Ungräser. Dabei ist der Windhalm regional oft wichtiger und stellt ähnliche Anforderungen an ein gutes Ungras-Management.

Er wächst gerne auf eher leichten, auch schwach sauren Standorten. Seine Samen überleben im Boden weniger lang als die Samen des Ackerfuchsschwanzes, doch haben die Pflanzen ein höheres Samenpotenzial: oft bilden sich je Pflanze mehr als 10.000 Samen.

Auch beim Thema Resistenzen kommt dem Windhalm besondere Bedeutung zu: gerade die Resistenz gegenüber ALS-Hemmer breitet sich schneller aus als beim Ackerfuchsschwanz.

Blatthäutchen von Windhalm

Gemeiner Windhalm und Ackerfuchsschwanz: das Wichtigste im Überblick

Weil der Ackerfuchsschwanz und der Windhalm als wichtigste Ungräser mit zu den größten Problemen im Getreideanbau gehören, haben wir die wichtigsten Merkmale in der folgenden Tabelle dargestellt:

Situation Herbizidresistenz

Sowohl Ackerfuchsschwanz als auch Windhalm zeigen Anpassungen gegen verschiedene Herbizid-Wirkstoffgruppen.

Es bestehen Herbizid-Anpassung unter anderem gegen:

  • Gruppe 1 (ACCase-Hemmer = FOPs, DIMs und DENs)

  • Gruppe 2 (ALS-Hemmer = z.B. Sulfonylharnstoffe)

  • Gruppe 5 (Photosystem-II-Hemmer = z.B. IPU)

Bei Ackerfuchsschwanz werden zunehmend auch multiple Resistenzen beobachtet: das heißt, die Pflanzen werden gegen mehrere Wirkstoffgruppen gleichzeitig resistent

Windhalm zeigt besonders im Hinblick auf die ALS-Hemmer eine deutlich häufigere und schnellere Resistenzentwicklung als Ackerfuchsschwanz

Wirkstoffe aus den Wirkstoffklassen 12 und 15 sind dagegen wenig resistenzgefährdet und wirken weiterhin sehr gut gegen Ungräser (z.B. HEROLD SC, TRINITY, BOXER)

Herbizidstrategien gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm

Sowohl bei Ackerfuchsschwanz als auch bei Windhalm gibt es nicht die eine große Maßnahme, die zum Erfolg führt.

Neben den acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen wie Scheinbestellung/falsches Saatbett, Saattermin, Walzen nach der Saat etc. kommt es auch auf eine durchdachte Herbizidstrategie an.

Ziel ist immer: früh und wirksam und bei Ungräsern auch schon im Herbst.

Unter den folgenden Links finden Sie weiterführende Informationen zu Herbizidstrategien auf myADAMA:

Herbizidstrategie Ackerfuchsschwanz

Herbizidstrategie Windhalm