Back to the overview

23.10.2020

Milcherzeugung: Kein Ausweg aus der Sackgasse?

Milcherzeugung: Kein Ausweg aus der Sackgasse?

Redaktion

gruuna.com

Topics

Pflanzenschutz Energie Milch

Die Erzeugergemeinschaft Milch Board sieht die Milcherzeugung in einer Sackgasse. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Der Milch Marker Index ist von April bis Juli 2020 um einen Punkt auf einen Stand von 114 gestiegen. Das teilt die Erzeugergemeinschaft Milch Board mit. Für das dritte Quartal 2020 wurden Milcherzeugungskosten von 46,95 Cent pro Kilogramm Milch ermittelt. Gegenüber dem Vorquartal gab es auf der Kostenseite einen Anstieg von 0,19 Cent. Allerdings wurden von April bis Juli 2020 die Milchauszahlungspreise von den Molkereien erneut gesenkt. In Folge verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Kosten und Erlösen und damit auch die Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung weiter.

Hauptkostenfaktor ist Energie

In allen Regionen stiegen die Ausgaben für Energie, während die Kosten für das zugekaufte Futter und die anderen Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und die Instandhaltung von Maschinen und Gebäuden sich kaum veränderten. Auch die Rindererlöse hielten sich auf dem Stand vom Vorquartal.

Die Milchauszahlungspreise fielen im Bundesdurchschnitt um 1,44 Cent auf 31,24 Cent pro Kilogramm Milch. Bei einer Preis-Kosten-Ratio von 0,67 können bei den derzeitigen Milcherlösen 33 Prozent und damit ein Drittel der Kosten der Milcherzeugung nicht gedeckt werden. Die Preisentwicklung ist in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Die stärksten Preisrückgänge sind im Norden zu verzeichnen.

„Die traditionelle Milchproduktion steckt in einer Sackgasse. Das ist auch schon länger bekannt, mittlerweile werde aber die massive Mauer am Ende des Weges immer deutlicher sichtbar“, so der Milch Board-Vorsitzende Frank Lenz. Das Prekäre daran sei, dass sie mit den üblichen Mitteln nicht überwunden werden könnten. „Wir produzieren immer mehr Milch in einen Markt hinein, der - was den Binnenmarkt anbelangt - gesättigt bis rückläufig ist. Gleichzeitig ist der Weltmarkt mit qualitativ minderwertigen Produkten - Pulver und Blockkäse - gesättigt. Die Folge: Eine viel zu niedrige Wertschöpfung. „Unsere Geschäftspartner haben das schon längst erkannt und investieren in den Aufbau neuer Geschäftsmodelle, die ohne Kuhmilch auskommen. Die Milchproduzenten hingegen versucht man mit Tierwohlauflagen ,fit für den Markt‘ zu machen“, kritisiert Lenz.

Milcherzeugung absichern

Neben ohnehin niedrigen Milchpreisen kann es vorkommen, dass produzierte Milch nicht vermarktungsfähig ist. Gründe gibt es viele: Schad- oder Hemmstoffe in der Milch können schnell die gesamte Produktion unveräußerlich machen. Fehlfunktionen der Melktechnik und Kühlung sind nicht selten und bedeuten finanziellen Schaden sowie hohe Folgekosten. Die Agrarspezialisten der chemnitzer gvf VersicherungsMakler AG haben eine Milchkasko entwickelt, durch die betroffene Milcherzeuger entsprechende Verluste ersetzt bekommen. Die Milchkasko bietet einen Schadenersatz bei Reduzierung des Milchgeldes, Absicherung vor Folgekosten und finanziellen Ausgleich bei Wegfall der Tagesproduktion.