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08.11.2020

Der Anbau von Ackerbohnen und Erbsen hat Potenzial

Der Anbau von Ackerbohnen und Erbsen hat Potenzial

Ökolandbau.de - Redaktion

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Aussaat Ernte Pflanzenschutz Artenvielfalt Ökolandbau Bio

Der Anbau heimischer Körnerleguminosen wie Ackerbohnen und Futtererbsen wird für Betriebe in Deutschland immer interessanter. In den letzten sechs Jahren hat sich die Anbaufläche von Erbsen in Deutschland auf 84.000 Hektar verdoppelt, bei Ackerbohnen sogar verdreifacht auf knapp 60.000 Hektar. Weit über 19.000 Betriebe bauen inzwischen Körnerleguminosen an.

Foto: igaguri_1 / iStock / Getty Images Plus via Getty Images

Um den Anbau, die Vermarktung und Verwertung der Kulturen zu unterstützen, wurde vor fünf Jahren das Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums gegründet. Zum Netzwerk gehören 58 Praxisbetriebe bundesweit, von denen etwa 40 Prozent ökologisch wirtschaften. Neben dem Austausch von Praxiserfahrungen unter den Betrieben dient das Netzwerk dazu, Anbauverfahren zu demonstrieren und Wissen zum Anbau und der Verwertung zu verbreiten.

Ende Oktober 2020 wurden aktuelle Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte rund um das Thema Erbsen und Bohnen sowie Ergebnisse aus dem Netzwerk auf einer Online-Tagung des Netzwerks vorgestellt. Dabei zeigte die hohe Zahl von über 140 Teilnehmenden das wachsende Interesse am Anbau heimischer Körnerleguminosen.

Dr. Harald Schmidt von der Stiftung Ökologie & Landbau stellte in seinem Vortrag die Ergebnisse von vier Jahren Praxisforschung auf den Betrieben vor. Bei den Untersuchungen geht es vor allem um die Frage, welche Faktoren für einen erfolgreichen Anbau entscheidend sind und wie sich der Anbau optimieren lässt.

Große Unterschiede im Ertrag

Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass konventionelle Betriebe bei Ackerbohnen zwischen 12 und 67 dt/ha ernten (Durchschnitt: 40 dt/ha), während die Bio-Betriebe auf 10 bis 54 dt/ha kommen (Durchschnitt: 30 dt/ha). Als wichtigste Ursache für die großen Unterschiede zwischen den Betrieben nannte Schmidt die Wasserversorgung, die in den trockenen Sommern der letzten drei Jahre häufig nicht ausreichend war. "Grundsätzlich gilt für den Ertrag der Ackerbohne: Je mehr Wasser, desto besser", sagte Schmidt.

Die Ertragsunterschiede zwischen konventionellen und Bio-Betrieben ließen sich vor allem zurückführen auf häufiger auftretende Wurzel- und Blattkrankheiten, einen höheren Unkrautbesatz und höhere Leguminosenanteile in der Fruchtfolge ökologischer Betriebe, die zur sogenannten Leguminosenmüdigkeit führten.

Beim Anbau von Erbsen waren die Unterschiede zwischen den beiden Bewirtschaftungsformen bei den Erträgen laut Schmidt noch größer. Neben ähnlichen Ursachen wie beim Bohnenanbau sieht er vor allem in den schlechteren Böden einen Grund für das geringere Ertragsniveau im Ökolandbau. Wasser spiele dagegen bei der Ertragsbildung von Erbsen eine geringere Rolle als bei der Ackerbohne. Neben dem Anbau auf guten Böden hätten sich bei Erbsen eine frühe Aussaat, eine Bestandsdichte von 60 bis 70 Pflanzen pro Quadratmeter und eine Insektizidbehandlung als ertragsfördernd erwiesen.

Trotz geringerer Erträge ist der Anbau von Ackerbohnen und Erbsen für Bio-Betriebe sehr interessant. Aber auch für konventionelle Betriebe sind beide Kulturen eine wirtschaftliche Alternative zum Stoppelweizen. Darauf wies Petra Zerhusen-Blecher von der Fachhochschule Südwestfalen hin.

Demonstrationsnetzwerk Erbse / Bohne

Ziel des modellhaften Netzwerkes ist es, Anbau und Verarbeitung dieser beider Kulturen in Deutschland zu unterstützen sowie Nachfrage und Angebot zusammenzubringen. Unter der Leitung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen sind deutschlandweit 75 landwirtschaftliche und verarbeitende Demonstrationsbetriebe aus zehn Bundesländern sowie weitere bundesweit agierende Partner für das Demonstrationsnetzwerk Erbse / Bohne (DemoNetErBo) aktiv.

Ackerbohnen lohnen sich

Heimische Bio-Ackerbohnen haben ein großes Potenzial. Foto: Beckhoff.

So lag die durchschnittliche Direkt- und Arbeitserledigungskostenfreie Leistung (DAL) für Ackerbohnen in vier Jahren bei vergleichbaren Anbaukosten bei den konventionellen Betrieben bei 411 Euro/ha, während die Bio-Betriebe auf 855 Euro/ha kamen. Zwischen den Betrieben gab es dabei sehr große Unterschiede. So erzielten einzelne Betriebe eine DAL, die bis zu 50 Prozent über dem Durchschnitt lag.

"Entscheidend für den Erfolg sind letztlich der erzielte Preis und der Ertrag", betonte Zerhusen-Blecher. So gebe es vor allem bei Ackerbohnen große Unterschiede bei den generierten Auszahlungspreisen, auch regional. Deshalb sei es wichtig, die Vermarktung frühzeitig zu planen. Auch eine innerbetriebliche Verwertung von Bohnen und Erbsen hält sie betriebswirtschaftlich für sinnvoll, insbesondere in der Schweinemast.

Um ausreichend hohe Erträge zu erzielen, ist es nach Einschätzung der Expertin aber entscheidend, die Kulturen genauso sorgfältig anzubauen wie Stoppelweizen. Dann würde sich auch der hohe Vorfruchtwert auszahlen, den die beteiligten Betriebe im Schnitt mit 220 Euro/ha ansetzten. Zudem sollte man auch Zuschüsse in Anspruch nehmen, die für den Anbau heimischer Körnerleguminosen als Agrarumweltmaßnahme in verschieden Ländern gezahlt werden. Das ist laut Zerhusen-Blecher eine "willkommene Unterstützung, gerade in trockenen Jahren".

Marktplatz für Leguminosen im Netz

Zwei erfolgversprechende Wege für die Vermarktung und Verwertung von Körnerleguminosen stellte Andreas Huhn von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in Niedersachsen vor. So sei es mit dem Online-Marktplatz www.leguminosenmarkt.de möglich geworden, Erzeugungs- und Verwertungsbetriebe enger zu vernetzen und eine funktionierende Warenbörse für heimische Eiweißfuttermittel zu schaffen.

Der virtuelle Marktplatz wurde ebenso mit Mitteln des Netzwerks Erbse/Bohne aufgebaut wie eine regionale Wertschöpfungskette, bei der laut Huhn die stärkere Verwertung regional erzeugter Leguminosen als Futtermittel im Mittelpunkt steht. Zudem sollen die Erzeugerinnen und Erzeuger auskömmliche Preise für ihre Ware erhalten. Die Verarbeitung hat die Futtermühle Stelter in Scholen, südlich von Bremen, übernommen. Als kleine Mühle ist sie in der Lage, die überschaubaren Mengen aufzubereiten.

Die Mühle mischt ein Legehennenfutter mit bis zu 14 Prozent regional erzeugten Erbsen, Acker- und Sojabohnen. Das Futter geht an vier Betriebe und mehrere private Geflügelhalter. Andreas Huhn berichtete von einem durchweg positiven Feedback der belieferten Geflügelbetriebe. Die Tiere würden das Futter gut aufnehmen und die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter seien mit der Qualität sehr zufrieden. Für alle Betriebe sei die regionale Herkunft das entscheidende Argument für das Futter. Denn Regionalität sei in der Direktvermarktung auch für die Kundinnen und Kunden ein wichtiger Punkt bei der Kaufentscheidung.

Dass heimische Körnerleguminosen eine wertvolle Futterkomponente sind, unterstrich auch Leonie Blume von der Universität Kassel/Witzenhausen. Sie stellte erste Ergebnisse einer Studie mit 56 Bio-Betrieben vor, die sich mit dem optimierten Einsatz von Körnerleguminosen in der Fütterung beschäftigt.

Den Veranstaltungsbericht und die Vorträge der Online-Tagung finden Sie auf der Webseite des Demonstrationsnetzwerk Erbse / Bohne.

Bedarfsgerecht füttern

Foto: Beckhoff.

Laut Blume konnte in vielen untersuchten Betrieben eine Über- oder Unterversorgung bei Sauen und Mastschweinen beobachtet werden. Zum einen sei dies zurückzuführen auf eine nicht bedarfsgerechte Fütterung in den wechselnden Phasen der Mast und der Sauenhaltung. Zum anderen gebe es sehr große Schwankungen bei Ackerbohnen und Erbsen bezüglich ihrer tatsächlichen Rohprotein- und Energiegehalte. Allein beim Rohprotein habe man Werte zwischen 12,5 und 23,1 Prozent bestimmt. Deshalb hält Blume eine regelmäßige Futteranalyse für unverzichtbar. Nur dann sei eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung überhaupt möglich.

Der Aufwand zahle sich für die Betriebe auch wirtschaftlich aus. So konnten die Mastbetriebe in der Studie durch Futteranalysen und angepasste Rationen ihre Futterkosten bei gleicher Leistung im Durchschnitt von 130 auf 106 Euro pro Tier senken. Gleichzeitig ging der durchschnittliche Futterbedarf pro Tier von 3,1 auf 2,6 Doppelzentner pro Schwein zurück.

Zudem betonte Blume, dass beim Zukauf von Futterkomponenten unbedingt auf die Qualität geachtet werden muss. Denn auch wenn diese meist teurer seien, würden die Gesamtfutterkosten in der Regel niedriger ausfallen, weil die Tiere hochwertiges Futter besser verwerten.

Quelle: https://www.oekolandbau.de / Copyright BLE