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23.11.2020

Interview mit Manuel Sprehe zur corvitac GmbH und Digitalisierung in der Schweinehaltung

Interview mit Manuel Sprehe zur corvitac GmbH und Digitalisierung in der Schweinehaltung

David Zistl

Meinungsfeld

Topics

Allgemein Politik Viehhaltung Schweine

Aufgewachsen im Oldenburger Münsterland auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweinehaltung und Ackerbau, legte Manuel Sprehe seinen Fokus während seines Maschinenbaustudiums auf Automatisierungstechnik und Computer Vision. Im Jahr 2019 gründete er mit Timo Kaiser die corvitac GmbH. 

Was ist corvitac?

Unser erstes Produkt automatisiert die Schweinezählung. Dies umfasst ein Kamerasystem, welches die Tiere vollautomatisch zählt, um sowohl den Landwirt und die Mitarbeiter zu entlasten, als auch die Betriebszahlen belegbar zu machen. Durch diesen standardisierten, digitalen Prozess möchten wir nicht nur die Genauigkeit der eigenen Daten und Qualitätssicherung gewährleisten, sondern auch Konflikte mit Käufern über die Anzahl der abgerechneten Tiere vermeiden. 

Wie entstand die Idee dazu?

Ich habe bereits während meiner Jugend bei uns auf dem Hof viele Veränderungen festgestellt, insbesondere, dass mein Vater zunehmend im Büro saß und sich weniger auf die eigentliche Arbeit im Stall konzentrieren konnte. Es ist nämlich für die Qualitätssicherung unfassbar wichtig, die Betriebsdaten im Blick zu haben. Unserer Meinung nach soll sich der Landwirt mit der meisten Erfahrung auch selbst um das Wohl der Tiere kümmern können. Dementsprechend haben wir nach Lösungen gesucht, die Landwirte in dieser Hinsicht zu unterstützen, woraufhin wir corvitac ins Leben gerufen haben.  

Was ist das große Ziel, das corvitac verfolgt?

Unser übergeordnetes Ziel ist es, die Landwirte mit Hilfe von Digitalisierung zu entlasten. Gleichzeitig möchten wir das Tierwohl verbessern, da Krankheiten rechtzeitig erkannt werden können und unmittelbar Hilfestellung geleistet werden kann. Außerdem soll durch Standardisierung und transparente Datenerfassung die Chance gegeben werden, dass die gute Arbeit der Landwirte auch nach außen getragen werden kann. 

Welche positiven oder negativen Entwicklungen siehst Du aktuell in der Digitalisierung der Landwirtschaft? 

Allgemein ist die Digitalisierung in Teilbereichen der Landwirtschaft, zum Beispiel im Ackerbau, schon weiter fortgeschritten als in anderen Industrien. Auch im Start-up Umfeld sehe ich sehr viele interessante Projekte, welche die Landwirtschaft weiterentwickeln und unterstützen werden. Dementsprechend sehe ich die Digitalisierung hier auf einem guten Weg… 

Eher negativ sehe ich, dass im Forschungsbereich zwar stark von Seiten der Politik finanziell unterstützt wird, es aber noch an der Übertragung in die Praxis mangelt. Daher könnte von Seiten der Politik auch im Start-up Bereich noch mehr Unterstützung erfolgen. Ebenfalls ist auch die Denkweise vieler Landwirte noch nicht sonderlich offen gegenüber der Digitalisierung und besonders in schwierigeren Zeiten wie Corona oder ASP besinnt man sich eher auf Altbekanntes als auf das Neue. Die große Herausforderung hierbei ist, die Landwirte für Digitalisierung zu sensibilisieren und ihnen messbar die Vorteile zu kommunizieren, da es ja auch einen Übergangsprozess benötigt und die Erfolge nicht über Nacht kommen (lacht). 

In welchem Bereich der Landwirtschaft wünscht du dir einen besseren Austausch?

Der Austausch zwischen den Start-ups ist schon sehr gut, man arbeitet zusammen und unterstützt sich gegenseitig gerne. Ich habe aber auch schon versucht, mich gezielt mit der Politik auszutauschen, woraufhin es auch gutes Feedback in der Theorie gab.  Als es jedoch an die praktische Umsetzbarkeit ging, kam gar nichts mehr. Natürlich ist mir auch bewusst, dass nicht jedes einzelne Start-up gefördert werden kann, aber ich hätte mir da mehr Lösungsansätze gewünscht. Man könnte beispielsweise durch Netzwerkbildung verschiedene Ideen und Ansätze zusammenbringen, um damit im Konsortium anwendbare Lösungen für die Landwirte zu entwickeln. 

In der Landwirtschaft selbst und auch im Umgang mit Kunden ist unser Austausch aber grundsätzlich sehr offen und hilfsbereit.  

Was motiviert dich und das Team von corvitac immer mit vollem Einsatz dabei zu sein?

Unsere Hauptmotivation ist es, der Landwirtschaft und damit auch der Lebensmittelproduktion für eine wachsende Weltbevölkerung zu helfen und den Landwirten zu ermöglichen, sich auf das zu konzentrieren was sie gelernt haben und am besten können, nämlich sich um die Tiere zu kümmern. Damit möchten wir auch zu besserem Tierwohl beitragen und insgesamt dabei unterstützen, die Landwirtschaft in eine sichere Zukunft zu führen. 

Das Team von corvitac

Wo siehst du corvitac in 5 Jahren? 

Ich hoffe, dass wir in 5 Jahren mit unserem System 1.000 bis 2.000 Landwirte dabei unterstützen können, die Arbeit zu vereinfachen und zu standardisieren, die Qualitätssicherung zu verbessern und Krankheiten der Tiere rechtzeitig erkennen zu können. Mit dieser Anzahl an Landwirten würden wir dann bereits um die 100 Millionen Schweine zählen, was zwar immer noch nicht mal 10% der gesamten Schweineanzahl weltweit, aber verdeutlicht, wie groß der Bedarf ist!