Back to the overview

05.01.2021

Interview mit Annika Ahlers

Interview mit Annika Ahlers

David Zistl

Meinungsfeld

Topics

Digitalisierung, Arbeitswirtschaft und Prozesstechnik Betriebsmanagement Smart Farming Nachhaltige Landwirtschaft

Die 26-jährige Münsteranerin hat neben ihrem online Blog erklaerbauer.de vor 2 Jahren Anni’s Bauernbox, einen online Hofladen, ins Leben gerufen. Diese hat sich mittlerweile als Genossenschaft mit dem Namen Münsterländer Bauernbox umfirmiert.

 

Wie bist du zur Landwirtschaft gekommen?

(lacht) Das ist bei mir tatsächlich ein recht ungewöhnlicher Weg, ich beschreibe ihn gerne mit dem Motto “von den Pumps in die Gummistiefel“. Als ich nach dem Fachabitur nach Arizona auf eine Farm ging, wurde ich mit dem Konzept der ganzheitlichen Landwirtschaft konfrontiert. Dort habe ich viele Urformen der Landwirtschaft durch meinen Mentor Santiago (aus einem Indigenen Stamm) kennenlernen dürfen, beispielsweise wie man Wüstenland fruchtbar macht. Diese Erfahrungen haben mich so beeindruckt, dass ich beschlossen habe, mich in Deutschland tiefer mit der Landwirtschaft auseinanderzusetzten. Das Agrarstudium war doch stark theoretisch und ich wollte in die Praxis daher wechselte ich in die landwirtschaftliche Ausbildung. Im Zuge dessen habe ich auf einem Sauenbetrieb, einem Milchviehbetrieb und auf einer Biogasanlage Erfahrungen sammeln können.

 

Welche Unterschiede und Parallelen in der Landwirtschaft hast du in Arizona und in Deutschland festgestellt?

Die Landwirtschaft, die ich in Arizona, im Outback Arivacas, kennengelernt habe, ist ganz anders als die in Deutschland, da es kaum maschinelle Arbeit gibt, sondern viele ursprüngliche unmechanisierte Methoden. Natürlich sind auch die Witterungsbedingungen ganz anders, also sind das völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen. Was ich sowohl in Deutschland, als auch in Arizona mitgenommen habe, ist dass der Boden die wichtigste Grundlage von Allem ist.

 

Wie kam es dazu, dass du und Phillip den Blog erklaerbauer ins Leben gerufen habt?

Während meiner Ausbildung ist mir klar geworden, dass ich als Nicht-Landwirtin, die nun zur Landwirtin wird, so viele Fragen für Konsumenten aufdecken und auch beantwortet kann, da ich nun beide Seiten verstehe. Das teilen Phillip und ich und wir wollten daran auch Andere teilhaben lassen. Daraus ist die erklarbauer-Community entstanden, die auf Facebook, Instagram und dem eigenen Blog vertreten ist.

 

Was möchtet ihr den Lesern damit kommunizieren?

Wir möchten Fragen beantworten und absolute Transparenz schaffen und damit die Ansprechpartner für Konsumenten bei landwirtschaftlichen Fragen sein. Ebenso möchten wir, dass jeder wieder einen Bauern kennt, so wie es früher war. Somit stellen wir uns als Bauern vor und nehmen den Konsumenten in den landwirtschaftlichen Alltag mit und tauschen uns über landwirtschaftliche Fragen und den Ist-Zustand der Landwirtschaft aus.

 

Was ist die “Bauernbox“ und wie ist das Projekt entstanden?

Ich habe nach der Ausbildung Erfahrungen in der Beratungspraxis sammeln können, wobei mir immer wieder die gleichen Probleme und Abhängigkeiten aufgefallen sind. Gerade die kleineren Landwirte stehen nur noch am Anfang der Wertschöpfungskette und kommen dabei insgesamt finanziell zu kurz. Daher habe ich mich entschlossen, dabei zu unterstützen die Wertschöpfung wieder auf die Höfe zu holen und die Vermarktung wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die Landwirte können sich weiter auf die Produktion und das bewirtschaften des Hofes konzentrieren, haben aber durch die Bauernbox einen großen gemeinsamen online Hofladen, über den sie ihre Vermarktung gestalten können. Die Produkte und Verfügbarkeiten können völlig individuell von den einzelnen Höfen eingestellt werden.

 

Was bedeutet für dich “moderne Landwirtschaft“?

Ich verbinde moderne Landwirtschaft vor allem mit Effizienz, da wir ja Lebensmittel produzieren, um einen Planeten zu versorgen. Wir in Deutschland sind da auch sehr fortschrittlich und zukunftsorientiert. Gleichzeitig bedeutet es für mich auch Nachhaltigkeit, da wir durch die moderne Präzisionstechnik auch weniger die Umwelt belasten müssen als früher.

 

Woraus schöpfst du die Motivation all diesen Projekten gleichzeitig nachzugehen?

Diese Frage stelle ich mir auch oft (lacht). Letztendlich hat mir die Landwirtschaft so viel gegeben und mir eine ganz andere Perspektive und ein anderes Bewusstsein für die Natur und das Leben gegeben. Daher verspüre ich da eine riesige Dankbarkeit und möchte auch etwas zurückgeben und im Kleinen dazu beitragen, die klein strukturierte und individuelle Landwirtschaft weiterhin zu erhalten.

 

Was wünscht du dir, dass mehr Verbraucher über die Landwirtschaft wüssten?

Ich würde mich freuen, wenn von Verbrauchern noch mehr hinterfragt werden würde. Das bedeutet, nicht nur stumpf nach Siegeln zu kaufen, sondern wirklich nachzufragen und verstehen zu wollen, welcher Betrieb und welche Form der Landwirtschaft hinter dem Produkt steht. Wir Landwirte und Vermarkter antworten sehr gerne auf die Fragen, sie müssen aber auch gestellt werden!

Was ich mir auch wünschen würde, ist dass man die Landwirtschaft wieder als Selbstverständlichkeit, sowohl in der Bildung als auch im Alltag, ansieht und man sie auch wirklich mit Lebensmitteln unserer täglichen Ernährung verbindet.