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07.01.2021

Tierwohl in der Aquakultur

Tierwohl in der Aquakultur

Redaktion DLG

DLG Merkblätter

Topics

Allgemein Aquakultur Grundlagen Nachhaltige Landwirtschaft

DLG-Merkblatt 401

1. Einleitung

Die Haltung von Fischen und anderen Wasserorganismen ist ein Teilbereich der Landwirtschaft. Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Nutztieren (Rind, Schwein und Geflügel) findet diese Form der Tierhaltung im Wasser statt. Die kontrollierte Aufzucht und Haltung von Fischen und anderen Gewässerlebewesen nennt man Aquakultur. Die Aquakultur in Salzwasser wird auch „Marikultur“ bezeichnet. In Abgrenzung zur Fischerei in freien Gewässern kann der Aquakulturbestand einem Besitzer zugeordnet werden, der die Nutztiere hegt, pflegt (z. B. Futter) und vor Schadorganismen (z. B. Kormoran) schützt. In Deutschland wirtschafteten im Jahr 2017 laut Statistischem Bundesamt 2.706 Aquakulturbetriebe (Pressemitteilung Nr. 186 Statistisches Bundesamt (Destatis) vom 28. 05. 2018) und produzierten eine Reihe verschiedener Fischarten in unterschiedlichen Haltungssystemen. Mengenmäßig bestimmend sind dabei Forelle und Karpfen in der Teichwirtschaft und Welse in der geschlossenen Aquakultur. Die Anforderungen, die die einzelnen Fischarten und Entwicklungsstadien an ihre Haltungsumwelt stellen, sind sehr unterschiedlich. Deshalb ist Welfare oder „Tierwohl“ in der Aquakultur ein sehr komplexes Thema. Das Merkblatt soll dazu beitragen, zunächst grundlegende Fakten der Fischhaltung darzustellen, ohne die Muscheln, Krebstiere und Wasserpflanzen zu berücksichtigen. Auf spezifische Erfordernisse der einzelnen Fischarten wird nicht eingegangen.

Abbildungen 1 bis 4: Verschiedene Haltungssysteme in der Fischzucht: Von der klassischen Teichwirtschaft über Rinnenanlagen zu Beckenhaltung in geschlossenen Wassersystemen mit Wasseraufbereitung

2. Physiologische Besonderheiten und allgemeine Haltungs- und Umweltanforderungen

Fische stellen mit über 30.000 Arten die größte Wirbeltiergruppe. Sie haben alle Klimazonen und Gewässerarten besiedelt.

2.1    Lebensraum

Der Wasserkörper ist der Lebensraum für die Fische, in dem sie atmen, Nahrung aufnehmen und in den sie die Stoffwechselprodukte in fester und gelöster Form abgeben. Die Wasserqualität bestimmt dadurch maßgeblich die Lebensqualität der Fische. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Nutztieren, können die Fische aus ihrer Haltungsumgebung Wasser nicht entweichen und sind somit der Wasserqualität ausgesetzt.

 

Der Lebensraum Wasser unterliegt vielen physikalischen und chemischen Einflüssen, wodurch die Lebensbedingungen der Fische direkt beeinflusst werden. Der Sauerstoffgehalt des Wassers und verschiedene weitere Parameter stellen somit limitierende Faktoren für die Fischhaltung dar. Fische beziehen den lebensnotwendigen Sauerstoff über die Kiemen aus dem Wasser und geben das im Körper entstandene Kohlendioxid über diese wieder ab.

2.2 Temperatur

Fische sind wechselwarm (poikilotherm). Die Körpertemperatur entspricht daher immer der Wassertemperatur. Auf Grund dessen müssen Fische im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln keine Energie aufwenden, um Ihre Körpertemperatur zu kontrollieren. Diese Eigenschaft verschafft den Fischen einen energetischen Vorteil und erklärt die gute Futterverwertung im Vergleich zu Rindern, Schweinen und Geflügel. Die einzelnen Fischarten besitzen unterschiedliche optimale Temperaturbereiche. Die Anpassung an veränderte Temperaturen ist von Fischart zu Fischart sehr unterschiedlich.

2.3    Besatzdichte

Bei der Nutztierhaltung der Warmblüter ist die Tierzahl pro Flächeneinheit ein besonders wichtiger Haltungsparameter. Fische sind im Gegensatz dazu nicht direkt flächengebunden, sondern leben in einem dreidimensionalen Raum. So ist bei Fischen bis zu einer bestimmten Dichte nicht der Platz die limitierende Größe, sondern die Wasserqualität entscheidet, wie viele Fische in einem bestimmten Volumen gehalten werden können.