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07.01.2021

Butterpreis zerstört Vertrauen

Butterpreis zerstört Vertrauen

Kluge Christian

Bauernverband Bremen

Topics

Allgemein Politik Gesellschaft Markt Entwicklung ländlicher Raum Innenwirtschaft Ländlicher Raum

Die Nachricht des VMB, dass die Einkaufspreise für Butter der Handelsmarken um 56 Cent/kg gesenkt wurden, ist im wahrsten Sinne des Wortes eingeschlagen wie eine Bombe. Es ist in erster Linie jetzt nicht interessant, welche Marktmechanismen eines hochkomplexen Marktes zu diesem Abschluss geführt haben, wie beispielsweise die Notierungen für Blockbutter, die nicht einzuschätzenden Folgende des Brexit oder der starke Euro.

Es geht um die Tatsache, dass dieses Verhandlungsergebnis massiv Vertrauen zerstört hat.

Im Dezember 2020 haben Landwirte für eine fairere Preispolitik demonstriert und im Rahmen dieser Demos Zentrallager der Discounter blockiert. Das Ergebnis der Verhandlungen zur Beendigung der Blockaden war der Satz: Wir stehen an der Seite der Landwirte.

Was ist dieser Satz heute noch wert?

Die Hoffnung der Landwirte auf gemeinsame Gespräche mit dem LEH und der Politik, die Hoffnung auf ausgabendeckende Wertschöpfung für ihre Betriebe und damit für ihre Familien, die Hoffnung auf einen gemeinsamen Weg, ein konstruktives Miteinander, auf lösungsorientierte Verhandlungen, haben sich in Rauch aufgelöst.

Niemand hat geglaubt, dass es schnelle und einfache Lösungen gibt. Dass Veränderung nicht von heute auf morgen passieren können ist allen klar gewesen. Aber sich auf das gegebene Wort zu verlassen, nämlich an einen Tisch zu wollen und miteinander zu sprechen, daran wurde geglaubt.

Bei allem Verständnis für die globalen Märkte, das Weltmarktgeschehen und die Komplexität der Wirtschaftsstrukturen sollte eins Bestand haben, nämlich die Tatsache: „Wort geben, Wort halten!“  Wenn das gegebene Wort nichts mehr gilt, wenn Sätze wie „Wir stehen an der Seite der Landwirte“ nur noch Phrasen der Marketingabteilungen sind, um die Verbraucher zu beruhigen, wie soll dann ein Veränderungsprozess der deutschen Landwirtschaft konstruktiv mit allen Beteiligten angeschoben werden? Wie sollen dann eine Weiterentwicklung und ein Neugestaltungsprozess gemeinschaftlich umgesetzt werden? Wie soll das funktionieren, wenn selbst das gegebene Wort nichts mehr gilt?

Die Landwirte haben sich auf das Wort verlassen, dass alle eine gemeinsame Lösung finden wollen und sind jetzt eines Besseren belehrt worden. Niemand darf sich jetzt wundern, wenn man ihm nicht mehr glaubt und sich dann auch nicht über die Konsequenzen beschweren.

Hier ist massiv Vertrauen verspielt worden!