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24.02.2021

Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020: Schäden haben weiter zugenommen

Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020: Schäden haben weiter zugenommen

David Zistl

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Topics

Naturschutz Wald

In jährlichen Stichprobenerhebungen wird der Kronenzustand deutscher Wälder bewertet. Dadurch können Veränderungen und Risiken erkannt und wichtige Entscheidungen zum Schutz des Waldes getroffen werden.

Zusammenfassung

Ein Drittel der Landesfläche Deutschlands (11,4 Millionen Hektar) ist mit Wald bedeckt. Die häufigsten Baumarten in Deutschland sind die Nadelbäume Fichte (25 Prozent) und Kiefer (23 Prozent), gefolgt von den Laubbäumen Buche (16 Prozent) und Eiche (11 Prozent). (Quelle: Kohlenstoffinventur 2017). Der Kronenzustand hat sich 2020 im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr weiter verschlechtert.

Die anhaltende Dürre in den Vegetationszeiten 2018 - 2020 hat verbreitet dazu geführt, dass die Blätter vorzeitig abgefallen sind. Bei der Fichte begünstigte sie, dass sich Borkenkäfer weiter massenhaft vermehren. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Absterberate nochmals gestiegen. Vor allem unsere alten Wälder (>60 Jahre) sind betroffen.

Die Kronenverlichtung ist ein Maß für die Vitalität der Bäume. Sie beschreibt, wie dicht, groß und verfärbt die Blätter und Nadeln in der Baumkrone sind. Die Einschätzung der Kronenverlichtung erfolgt im Vergleich zu einem voll benadelten beziehungsweise voll belaubten gesunden Baum der jeweiligen Art in fünf-Prozent-Stufen. Diese werden zu Schadstufen von null bis vier zusammengefasst.

Die Schadstufen zwei, drei und vier werden dabei der Kategorie "deutliche Kronenverlichtungen" zugeordnet, sie entspricht einer Kronenverlichtung von mehr als 25 Prozent. Schadstufe null umfasst Kronenverlichtungen von null bis zehn Prozent. Schadstufe eins mit Kronenverlichtungen zwischen elf und 25 Prozent gilt als Warnstufe. Die mittlere Kronenverlichtung ist der Mittelwert der Kronenverlichtung aller Probebäume.

Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984 sind die Anteile der Schadstufen 2 bis 4 und die mittlere Kronenverlichtung stark angestiegen. Bei der Fichte und Buche ist seit diesem Jahr eine deutliche Zunahme der Kronenverlichtung festzustellen. Insgesamt gehören die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen. Der Anteil von Bäumen ohne Kronenverlichtung war mit 21Prozent noch nie so gering.

Im Durchschnitt aller Baumarten betrug im Sommer 2020 der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen (Schadstufen 2 bis 4) 37 Prozent. Auf die Warnstufe entfielen wie im vergangenen Jahr 42 Prozent. Ohne Verlichtung waren nur noch 21 Prozent; 2019 waren es 22 Prozent. Die mittlere Kronenverlichtung ist von 25,1 Prozent auf 26,5 Prozent gestiegen.

Die Ergebnisse im Einzelnen

In die Erhebung 2020 sind 10.076 Probebäume auf 416 Probepunkten eingegangen. Bei der Erhebung werden 38 Baumarten erfasst. Hiervon entfallen rund 80 Prozent auf die vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche (Stiel- und Trauben-Eiche werden gemeinsam ausgewertet). Alle übrigen Baumarten werden für die statistische Auswertung zu den Gruppen „andere Nadelbäume“ und „andere Laubbäume“ zusammengefasst. Rund 72 Prozent der aufgenommenen Bäume sind älter als 60 Jahre.

  • Bei der Fichte ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 36 Prozent auf 44 Prozent gestiegen. Auf die Warnstufe entfielen 35 Prozent (vgl. 2019: 36 Prozent). Ohne Verlichtungen waren 21 Prozent (vgl. 2019: 28 Prozent). Die mittlere Kronenverlichtung ist von 24 Prozent auf 29 Prozent deutlich gestiegen. Im Gegensatz zum Vorjahr weist die Fichte eine stärkere Fruchtbildung auf.

  • Bei der Kiefer ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen mit 26Prozent konstant. Auf die Warnstufe entfielen 54 Prozent (vgl. 2019: 56 Prozent). Die Warnstufe fällt damit auf das Niveau von 2018 zurück. Ohne Verlichtungen waren 20 Prozent (vgl. 2019: 18 Prozent). Die mittlere Kronenverlichtung ist von 22 Prozent auf 23 Prozent nur leicht gestiegen. Die Fruchtbildung der Kiefer ist im Vergleich zu 2019 niedriger ausgefallen.

  • Bei der Buche ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 47 Prozent auf 55 Prozent gestiegen. Dies betrifft vor allem die Altersgruppe der über 60-jährigen Buchen. Auf die Warnstufe entfielen 34 Prozent (vgl. 2019: 37 Prozent). Ohne Verlichtungen waren nur noch 11 Prozent (vgl. 2019: 16 Prozent). Die mittlere Kronenverlichtung ist von 29 Prozent auf 31 Prozent gestiegen. Bei der Buche ist 2020 ein Jahr mit mittlerer bis hoher Fruktifikation.

  • Bei der Eiche ist der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 50 Prozent auf 38 Prozent deutlich gesunken. Jedoch stieg der Anteil der Warnstufe auf ein Niveau von 42 Prozent (vgl. 2019: 33 Prozent) an. Ohne Verlichtungen waren 20 Prozent (vgl. 2019: 17 Prozent). Die mittlere Kronenverlichtung ist von 28 Prozent auf 25 Prozent gesunken. Die Eiche zeigt somit erste Anzeichen der Regeneration, bleibt jedoch weiterhin auf einem hohen Schadniveau. Die Fruchtbildung ist im Vergleich zu 2019 höher ausgefallen.

Die bundesweite Waldzustandserhebung wird seit 1984 jährlich von den Ländern auf einem systematischen Netz von Stichproben durchgeführt. Das Bundesergebnis wird aus den von den Ländern bereitgestellten Rohdaten am Institut für Waldökosysteme des Thünen-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, berechnet.

Hintergrundinformation zur Waldzustandserhebung

Durch die regelmäßigen Stichprobenerhebungen beim Kronenzustand können Veränderungen erkannt und Risiken bewertet werden. Die Informationen sind eine wichtige Grundlage für forst- und umweltpolitische Entscheidungen zum Schutz des Waldes.

Rechtsgrundlage für die Waldzustandserhebung

Die Waldzustandserhebung ist Teil des forstlichen Umweltmonitorings und eine der Walderhebungen nach § 41a Bundeswaldgesetz. Die auf § 41 a Absatz 6 BWaldG gestützte Verordnung über Erhebungen zum forstlichen Umweltmonitoring (ForUmV) ist am 1. Januar 2014 in Kraft getreten.

Waldzustand hängt von verschiedenen Faktoren ab

Auf den Waldzustand wirken verschiedene Faktoren ein, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken oder abschwächen können. Hierzu gehören u.a.

  • das Baumalter,

  • Angepasstheit und Anpassungsfähigkeit

  • die gegenwärtige und frühere Bewirtschaftung,

  • Standortfaktoren,

  • das Auftreten von Schadorganismen,

  • der Eintrag von Luftschadstoffen,

  • die Witterung und

  • die Klimaänderung. Abhängig vom Ausmaß und von der Geschwindigkeit, mit der sie sich vollzieht, führt sie zu zusätzlichen Risiken für den Wald.

Wälder spielen wichtige Rolle im Klimaschutz

Die Wälder reagieren nicht nur sensibel auf den Klimawandel, sondern spielen zugleich eine wichtige Rolle im Klimaschutz: Die deutschen Wälder leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie gehören mit 358 Kubikmetern Holz pro Hektar zu den vorratsreichsten in Europa. In lebenden Bäumen und im Totholz sind derzeit rund 1,26 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden (Quelle: Kohlenstoffinventur 2017). Die Bodenzustandserhebung im Wald gibt für die Streuauflage und den Mineralboden bis 30 Zentimeter Tiefe einen Vorrat von weiteren 850 Millionen Tonnen Kohlenstoff an. Bezieht man den darunterliegenden Boden bis 90 Zentimeter Tiefe mit ein, dann übertrifft der Kohlenstoffvorrat im Boden sogar jenen, der in den Bäumen gespeichert ist. Der Wald in Deutschland wirkt nach den Ergebnissen der Kohlenstoffinventur 2017 als Senke und entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Allerdings könnten die derzeitigen Waldschäden die Verhältnisse verändern.

Durch die Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten wird diese positive Klimawirkung der Wälder weiter verstärkt. Jeder Kubikmeter Holz enthält etwa 0,3 Tonnen Kohlenstoff, der in Produkten wie Gebäuden oder Möbeln jahrzehntelang gebunden ist. Wenn Holz dabei energieintensive Materialien ersetzt, werden Treibhausgasemissionen, die bei der Produktion anderer Materialien entstehen, in erheblichem Ausmaß eingespart. Hinzu kommt die energetische Verwendung von Holz, die einen wichtigen Beitrag zur Verringerung fossiler Brennstoffe leistet.

Die deutsche Forst- und Holzwirtschaft trägt somit bedeutsam dazu bei, die von der Bundesregierung beschlossenen Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen zu erreichen. Die Wälder für den Klimawandel zu rüsten, ist eine wichtige Zukunftsaufgabe, bei der die Forstwirtschaft der Unterstützung bedarf.

Der Waldzustand in den Bundesländern

Das Bundesergebnis wird aus den Daten berechnet, die von den zuständigen Stellen der Länder auf dem bundesweiten 16 Kilometer-mal-16 Kilometer-Netz erhoben werden. Die meisten Länder haben das Stichprobennetz verdichtet, um auch auf Landesebene zu gesicherten Ergebnissen zu kommen. Ein Überblick über die Länderergebnisse wurde in das Dokument "Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020" aufgenommen (Tabelle 10 "Waldzustand in den Ländern").

Die ausführlichen Waldzustandsberichte 2020 der Länder finden Sie über folgende Links.

Ergebnisse als Grafik und Tabellen sind auch hier zum Download verfügbar.

Quelle: BMEL

Bild: Copyright BMEL