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20.03.2021

EU-Förderung für Agrarforschung an Fliegenlarven

EU-Förderung für Agrarforschung an Fliegenlarven

Adrian Cremers

idw - Informationsdienst Wissenschaft

Topics

Gesellschaft Naturschutz Nachwachsende Rohstoffe Viehhaltung Rinder Schweine Geflügel Aquakultur Futter und Fütterung Nachhaltige Landwirtschaft

Dr. Corinne Benzing Öffentlichkeitsarbeit Technische Hochschule Bingen

Das Projekt InsectProÖko der TH Bingen untersucht, welche Möglichkeiten der Einsatz von Fliegenlarven in unterschiedlichen Bereichen der Landwirtschaft bie-tet. Finanziert wird es durch das EU-Förderprogramm EIP-Agri.

InsectProÖko – so heißt ein Forschungsprojekt, das im Januar an der TH Bingen gestartet ist. Der Name verrät schon: Es geht um Insekten und Ökologie. Ein Forschungsteam untersucht, welchen Beitrag die Larven der Schwarzen Soldatenfliege zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft leisten können.

Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Mehl, das aus den Fliegenlarven produziert wird und als proteinreiches Tierfutter Verwendung findet. Die Idee, die Insekten als Futtermittel einzusetzen, ist nicht neu. Allerdings fand sie bisher hauptsächlich in Aquakulturen Anwendung. Doch auch der Nutztierhaltung bietet das Insektenmehl Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Alternativen. So muss es, anders als etwa Soja, nicht importiert werden, sondern kann vor Ort von Landwirtinnen und Landwirten selbst produziert werden, sodass lange Transportwege entfallen.

Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege spielen die Hauptrolle im Forschungsprojekt der TH Bingen. Copyright: FarmInsect GmbH

Doch die neue Methode bietet noch weitere Vorteile, wie Projektleiter Prof. Dr. Georg Dusel ausführt: „Bei der Produktion der Larven können Tierhalterinnen und Tierhalter Ernteabfälle wie Traubentrester als Futtermittel einsetzen, die sie sonst entsorgen müssten. Zusätzlich ensteht als Nebenprodukt der Larvenzucht eine Biomasse, genannt ‚Insekten-Torf‘, die möglicherweise im Ackerbau zur Bodenverbesserung eingesetzt werden kann.“ Das Potenzial des Einsatzes der Schwarzen Soldatenfliege bringt er so auf den Punkt: „Im Idealfall können wir die Tiere gleich dreifach einsetzen. So werden sie zum wichtigen Baustein einer Kreislaufwirtschaft und tragen damit zu einer klimafreundlichen und effizienten Landwirtschaft bei.“

Ermöglicht wird das Projekt durch Fördergelder der EU. Damit folgt das Projekt einem Trend, wie TH-Präsident Prof. Dr. Klaus Becker erklärt: „In den letzten Jahren hat die Bedeutung von EU-Fördermitteln für unsere Hochschule stetig zugenommen. Alleine von 2017 bis 2020 ist ihr Anteil an den eingeworbenen Drittmitteln von einem Prozent auf zehn Prozent angewachsen. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr auch eine Stelle geschaffen, die unsere Forschenden bei der Beantragung der europäischen Mittel unterstützt.“

Das EU-Förderprogramm, aus dem die Mittel für InsectProÖko stammen, trägt den Namen „Europäische Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“, kurz EIP-Agri. Es finanziert europaweit Forschungsprojekte in der Landwirtschaft und wird auf Landesebene vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz (MWVLW) verwaltet. Auch Projekte der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, an denen Forschende der TH Bingen beteiligt sind, erhalten aktuell Förderungen aus dem Programm.

Quelle: https://idw-online.de/de/news763795